Ein Grossbrand hat in der Nacht auf Montag den historischen Freimaurer-Tempel auf dem Zürcher Lindenhof schwer beschädigt. Das über 250 Jahre alte Gebäude, Sitz der grössten Zürcher Freimaurerloge Modestia cum Libertate, wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Brandursache ist noch unklar, doch die Freimaurer vermuten eine Verbindung zu einem Einbruch und Diebstahl wertvoller Gegenstände.
Wichtige Erkenntnisse
- Historischer Freimaurer-Tempel in Zürich brannte in der Nacht auf Montag.
- Gebäude auf dem Lindenhof stark beschädigt, Sachschaden im Bereich von Hunderttausenden Franken.
- Freimaurer vermuten Brandstiftung und Diebstahl nach einem Einbruch.
- Ein Zusammenhang mit Online-Verschwörungstheorien wird von der Loge nicht ausgeschlossen.
- Die Polizei ermittelt, ein Delikt kann nicht ausgeschlossen werden.
Verheerende Schäden am historischen Gebäude
Der Brand, der in den frühen Morgenstunden ausbrach, hinterlässt ein Bild der Zerstörung. Besonders betroffen ist der mittlere Stock, in dem der prunkvolle Tempel untergebracht ist. Dieser Bereich ist laut Aussagen von Logenmitgliedern «völlig verkohlt».
Auch der im obersten Stockwerk gelegene Konferenzsaal, der mit einer langen Tafel und einem thronartigen Sessel vor einem Glasfenster ausgestattet war, scheint den Flammen zum Opfer gefallen zu sein. Bilder von aussen zeigen nur noch verkohlte Balken durch das Fenster, was darauf hindeutet, dass das gesamte Interieur zerstört wurde.
Faktencheck
- Das betroffene Gebäude wurde 1853 speziell für die Freimaurerloge Modestia cum Libertate erbaut.
- Die Loge zählt rund 130 männliche Mitglieder und ist die grösste von acht Zürcher Logen.
- Der Sachschaden wird auf mehrere hunderttausend Franken geschätzt.
Verdacht auf Einbruch und Diebstahl
Zwei Mitglieder der Zürcher Freimaurerloge äusserten gegenüber dem «Tages-Anzeiger» den Verdacht, dass jemand in der Nacht in das Gebäude eingebrochen sein muss. «Jemand muss in der Nacht ins Gebäude eingebrochen sein», sagte einer der Freimaurer. Verschiedene Gegenstände und wertvolle Bilder seien entwendet worden.
Übrig geblieben seien nur eingeschlagene und leer geräumte Vitrinen. Dies betrifft möglicherweise auch verzierte Zeremonienstöcke aus dem 18. Jahrhundert, die in Schaukästen im Treppenhaus aufbewahrt wurden und als wertvolle Schenkungen galten.
«Es ist eine absolute Katastrophe», so ein Freimaurer, der die Liegenschaft auf dem Lindenhof verwaltet. «Die Loge im untersten Stock ist vom Löschmittel gänzlich geflutet. Der mittlere Stock, in dem der prunkvolle Tempel untergebracht ist, ist völlig verkohlt.»
Zerstörte Kunstwerke und Symbole
Im Konferenzsaal befanden sich zwei grosse Ölgemälde der griechischen Philosophen Platon und Aristoteles. Platon blickte zum Himmel, während Aristoteles mit der rechten Hand «Nosce te ipsum» (Erkenne dich selbst) schrieb. Auch eine bemalte Holzfigur von Johannes dem Täufer, dem Schutzpatron der Maurer und Steinmetze, stand in der rechten Ecke des Saales. Diese Kunstwerke sind den Flammen wohl ebenfalls zum Opfer gefallen.
Hintergrund: Die Freimaurerloge Modestia cum Libertate
Die Loge Modestia cum Libertate ist die grösste Freimaurerloge in Zürich und hat ihren Sitz in einem historischen Gebäude auf dem Lindenhof. Die Freimaurerei ist eine ethische Vereinigung, die sich der persönlichen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung widmet. Trotz ihrer Offenheit für Führungen und Anlässe kämpfen Freimaurer oft mit Vorurteilen und Verschwörungstheorien.
Der eigentliche Tempel im Untergeschoss
Das eigentliche Kernstück des Freimaurertempels, der Ort für die Rituale, liegt zwei Stockwerke tiefer. Dieser Raum ist in Blau und Gold gehalten und hat eine sternenbesetzte Decke. Holzbänke sind reihum angeordnet, ähnlich dem britischen Parlament. Gegenüber dem Eingang befinden sich eine Kanzel und zwei runde Glasfenster, die Sonne und Mond darstellen, mit dem Schriftzug «Justitia» (Gerechtigkeit) in der Mitte.
Der unterste Stock, in dem sich dieser Tempel befindet, wurde vom Löschmittel geflutet. Ein Notausgang auf derselben Ebene scheint jedoch unversehrt zu sein, was Hoffnung auf eine mögliche Rettung des untersten Teils des Gebäudes geben könnte.
Ermittlungen der Stadtpolizei Zürich laufen
Die Stadtpolizei Zürich hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Am Montagnachmittag teilte sie mit, dass ein Delikt derzeit nicht ausgeschlossen werden kann. Es wurde auch ein Einbruch in ein Nebengebäude angezeigt. Ob dieser Einbruch mit dem Brand in Verbindung steht, wird ebenfalls untersucht.
Die Spurensicherung wird von Brandermittlern der Kantonspolizei Zürich in Zusammenarbeit mit dem Forensischen Institut Zürich durchgeführt. Teile des betroffenen Gebäudes sind einsturzgefährdet und können aktuell nicht betreten werden. Ein Statiker wird die Situation begutachten, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.
Zeugenaufruf
Personen, die in der Nacht vom Sonntag auf Montag, 25./26. Januar 2026, zwischen etwa Mitternacht und ein Uhr auf dem Lindenhof Wahrnehmungen gemacht haben, werden gebeten, sich bei der Stadtpolizei Zürich unter der Telefonnummer 044 411 71 17 zu melden.
Zusammenhang mit Verschwörungstheorien?
Die Freimaurer sehen einen möglichen Zusammenhang des Brandes mit jüngsten Online-Verschwörungstheorien. Nur zwei Tage vor dem Brand veröffentlichte «Weltwoche»-Herausgeber Roger Köppel mit Historiker Christoph Mörgeli ein Video zur Freimaurerloge. In den Kommentaren zu diesem Video wurde die Gruppierung mehrfach als «okkulter Geheimbund» bezeichnet, in dem «Satanismus praktiziert» werde.
Die Logenmitglieder vermuten, dass solche Äusserungen eine Rolle bei der mutmasslichen Brandstiftung gespielt haben könnten. Die Freimaurer versuchen aktiv, Vorurteile abzubauen, indem sie regelmässig zu Anlässen und Führungen einladen, wie beispielsweise für das Online-Magazin reformiert oder die NZZ.
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die anhaltenden Herausforderungen, mit denen sich geschlossene Gesellschaften wie die Freimaurer in der Öffentlichkeit konfrontiert sehen, insbesondere im Zeitalter der schnellen Verbreitung von Informationen und Desinformationen im Internet.





