Eine unbewilligte Demonstration am Dienstagabend in Winterthur führte zu Auseinandersetzungen zwischen rund 300 Teilnehmenden und der Stadtpolizei. Während die Polizei von aggressivem Verhalten und notwendigen Massnahmen spricht, erheben linke Gruppen schwere Vorwürfe gegen das Vorgehen der Einsatzkräfte.
Wichtige Erkenntnisse
- Rund 300 Personen versammelten sich am Winterthurer Hauptbahnhof für eine unbewilligte Demonstration.
- Die Stadtpolizei Winterthur stoppte den Umzug und setzte Pfefferspray und Leerschüsse ein.
- Das Sanitätskollektiv Zürich berichtet von Panikattacken und Bewusstlosigkeiten bei Demonstrierenden.
- Die Polizei begründet ihr Vorgehen mit aggressiven Teilnehmenden und der Notwendigkeit, Ausschreitungen zu verhindern.
Verlauf der Demonstration und Polizeieinsatz
Am Dienstagabend versammelten sich gegen 18 Uhr etwa 300 Personen auf dem Hauptbahnhofplatz in Winterthur. Ihr erklärtes Anliegen war die Solidarität mit Rojava. Kurz nach 18:30 Uhr formierte sich die Gruppe spontan zu einem Demonstrationszug und bewegte sich in Richtung Technikumstrasse.
Die Stadtpolizei Winterthur war mit mehreren Einsatzgruppen vor Ort. Laut Polizeisprecherin Sarah Paul stoppte die Polizei den Umzug auf dem Bahnhofplatz. Dabei kam es zum Einsatz von Pfefferspray. Die Demonstration wurde gegen 19:45 Uhr aufgelöst.
Fakten zum Einsatz
- Start der Demonstration: ca. 18:00 Uhr am Hauptbahnhof Winterthur
- Teilnehmende: Rund 300 Personen
- Einsatzmittel der Polizei: Pfefferspray, Leerschüsse aus Mehrzweckwerfern
- Auflösung: Gegen 19:45 Uhr
Gegensätzliche Darstellungen des Geschehens
Die Ereignisse des Abends werden von den Beteiligten sehr unterschiedlich dargestellt. Die Stadtpolizei Winterthur betont die Notwendigkeit ihres Eingreifens, während das Sanitätskollektiv Zürich von einem unverhältnismässigen Polizeieinsatz spricht.
Sichtweise der Polizei
Die Polizei begründet ihr Vorgehen mit der Verhinderung von Ausschreitungen und Sachbeschädigungen. Insbesondere die Vorkommnisse vom Vortag in Zürich seien dabei berücksichtigt worden. Polizeisprecherin Laura Pelli erklärte, dass sich auch Personen aus der linksautonomen Szene unter die Demonstrierenden gemischt hätten. Mehrere Personen hätten sich vermummt.
"Trotz mehrfacher Aufforderungen der Einsatzkräfte, die Kundgebung aufzulösen, wurde diesen nicht Folge geleistet. Zudem wurden Polizeifunktionäre bedrängt und die Demonstrierenden zeigten aggressives Verhalten. Zur Durchsetzung der polizeilichen Massnahmen wurden vereinzelt sogenannte Leerschüsse abgegeben sowie Pfefferspray eingesetzt."
Die Polizei beschreibt, dass die Teilnehmenden sich zu einem Demonstrationszug formierten und aggressives Verhalten zeigten. Die mehrfachen Aufforderungen zur Auflösung der Kundgebung seien ignoriert worden.
Sichtweise des Sanitätskollektivs Zürich
Das Sanitätskollektiv Zürich, das die Demonstration begleitete, schildert die Ereignisse anders. In einer Pressemitteilung heisst es, die Demonstration habe aus einer friedlichen Menge bestanden, darunter auch Familien mit Kindern. Die Polizei habe sich auf dem Bahnhofplatz in geschlossener Linie aufgestellt und dann zweimal nacheinander "ohne Vorwarnung und ohne hörbare Anweisung des Einsatzleiters" Leerschüsse aus Mehrzweckwerfern abgegeben.
Gleichzeitig seien Gitterwagen mit Pfefferspray-Tanks hinter den Demonstrierenden positioniert worden. Als sich die Demonstration später der Polizeikette näherte, habe eine Polizistin über die Gürtellinie zielend einen weiteren Leerschuss abgegeben. Danach sei ohne Ankündigung Reizstoff und körperliche Gewalt eingesetzt worden.
Hintergrund der Vorwürfe
Das Sanitätskollektiv Zürich wirft der Polizei vor, unverhältnismässig und ohne ausreichende Vorwarnung gehandelt zu haben. Diese Vorwürfe stehen im direkten Widerspruch zu den Aussagen der Stadtpolizei Winterthur, die von aggressivem Verhalten der Demonstrierenden spricht.
Gesundheitliche Folgen für Demonstrierende
Das Sanitätskollektiv Zürich berichtete von erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen bei den Teilnehmenden. Zahlreiche Personen mussten wegen Augen- und Atemwegsreizungen behandelt werden. Einige Betroffene hätten Panikattacken erlitten.
Die Situation führte demnach mehrfach zu Bewusstseinseintrübungen und kurzzeitigen Bewusstlosigkeiten. Solche Berichte unterstreichen die Intensität des Polizeieinsatzes und die unmittelbaren Folgen für die Demonstrierenden.
Behandelte Symptome
- Augenreizungen
- Atemwegsreizungen
- Panikattacken
- Bewusstseinseintrübungen
- Kurzzeitige Bewusstlosigkeiten
Die genaue Anzahl der betroffenen Personen wurde nicht genannt, aber das Sanitätskollektiv sprach von "zahlreichen" Behandlungen. Dies deutet auf eine signifikante Anzahl von Personen hin, die unter den Auswirkungen des Pfeffersprays und der Leerschüsse litten.
Reaktionen und weitere Schritte
Die unterschiedlichen Darstellungen der Ereignisse rufen nach einer detaillierten Klärung. Es bleibt abzuwarten, ob die Vorwürfe des Sanitätskollektivs zu weiteren Untersuchungen führen werden. Solche Vorfälle sind oft Gegenstand intensiver öffentlicher Debatten über die Verhältnismässigkeit polizeilichen Handelns bei Demonstrationen.
Die Stadtpolizei Winterthur hat die Darstellung des Sanitätskollektivs entschieden zurückgewiesen. Eine weitere Auseinandersetzung der Ereignisse scheint somit notwendig zu sein, um die Faktenlage vollständig zu klären und Transparenz zu schaffen.





