Die Jungsozialisten (Juso) Zürcher Oberland fordern die Bäckerei Steiner in Wetzikon auf, den Namen eines ihrer Salate zu ändern. Der «Zigeuner-Salat», ein Cervelat-Salat mit Appenzeller-Käse, stösst der Jungpartei sauer auf. Die Juso bezeichnet den Namen als beleidigend und diskriminierend.
Wichtige Punkte
- Juso Zürcher Oberland fordert Namensänderung für «Zigeuner-Salat».
- Der Begriff gilt als diskriminierend gegenüber Sinti, Roma und Jenischen.
- Bäckerei Steiner prüft eine Änderung, verweist auf Tradition und branchenweite Verbreitung.
- Der Begriff ist historisch mit Ausgrenzung und Verfolgung verbunden.
Forderung der Juso Zürcher Oberland
Die Juso Zürcher Oberland hat gemeinsam mit der SP Uster die Bäckerei Steiner kontaktiert. Sie verlangen, dass der Name «Zigeuner-Salat» für das Produkt aus dem Sortiment verschwindet. Die Jungpartei argumentiert, dass der Begriff seit Jahrhunderten eine Beleidigung für Sinti, Roma und Jenische darstellt und in keinem Verkaufsregal Platz haben sollte.
Severin Gada, Co-Präsident der Juso Zürcher Oberland, betont die Macht von Worten. Er sagt:
«Wer solche Worte heute noch benutzt, trägt bewusst oder unbewusst dazu bei, dass diese Geschichte und die damit verbundene Diskriminierung reproduziert wird. Worte haben Macht. Wenn wir diskriminierende Begriffe unkritisch übernehmen, verfestigen wir Vorurteile.»
Faktencheck
- Der Cervelat-Salat der Bäckerei Steiner enthält Appenzeller-Käse.
- Der Name «Zigeuner-Salat» ist in der Schweizer Lebensmittelbranche weit verbreitet.
- Sinti, Roma und Jenische sind Minderheiten, die in der Schweiz weiterhin mit Rassismus und Ausgrenzung konfrontiert sind.
Historische Bedeutung des Begriffs
Die Juso weist darauf hin, dass der Begriff «Zigeuner» historisch zur Ausgrenzung, Entmenschlichung und Verfolgung bestimmter Bevölkerungsgruppen verwendet wurde. Es sei kein harmloses Wort aus alter Zeit, sondern stehe für Diskriminierung, Gewalt und Leid. Besonders während des Nationalsozialismus wurde dieser Begriff in Konzentrationslagern verwendet. Er erinnert somit direkt an den Genozid an den europäischen Sinti, Roma und Jenischen.
Die Jungsozialisten sehen eine direkte Verbindung zwischen der Verwendung solcher Begriffe und der Verfestigung von Vorurteilen. Sie betonen, dass Minderheiten wie Sinti, Roma und Jenische in der Schweiz bis heute mit Ausgrenzung und Rassismus kämpfen. Die Verwendung des Namens trage dazu bei, diese Diskriminierung weiter zu reproduzieren.
Reaktion der Bäckerei Steiner
Die Bäckerei Steiner hat auf die Forderung reagiert und zeigt sich gesprächsbereit. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, man verstehe die Kritik am Begriff und nehme sie ernst. Die Bezeichnung des Produkts habe eine lange Tradition im Unternehmen und sei nicht in abwertender Absicht gewählt worden.
Die Bäckerei Steiner führte weiter aus, dass der Begriff in der Schweizer Lebensmittelbranche generell weit verbreitet sei. Bislang habe man keine negativen Rückmeldungen von Kunden erhalten. Dennoch wolle das Unternehmen nun eine Namensänderung prüfen. Dieser Schritt zeigt eine gewisse Sensibilität für die öffentliche Diskussion und die Bedenken der Juso.
Hintergrund: Sinti, Roma und Jenische
Sinti, Roma und Jenische sind ethnische Minderheiten in Europa, die oft als «Zigeuner» bezeichnet wurden. Dieser Begriff wird heute weithin als abfällig und rassistisch angesehen. Die Gemeinschaften haben eine lange Geschichte der Diskriminierung, Verfolgung und Marginalisierung. In vielen Ländern kämpfen sie noch immer um Anerkennung und gleiche Rechte. Die Verwendung des Begriffs «Zigeuner» erinnert an diese schmerzhafte Vergangenheit und die anhaltenden Vorurteile.
Diskussion um diskriminierende Sprache
Die Debatte um den Namen des Salats bei der Bäckerei Steiner ist kein Einzelfall. Immer wieder geraten Produkte oder Bezeichnungen in die Kritik, weil sie als rassistisch, sexistisch oder anderweitig diskriminierend empfunden werden. Solche Diskussionen zeigen ein wachsendes Bewusstsein in der Gesellschaft für die Wirkung von Sprache und die Notwendigkeit, traditionelle Begriffe kritisch zu hinterfragen.
Es geht dabei nicht nur um die Absicht, mit der ein Wort verwendet wird, sondern vor allem um dessen Wirkung auf die Betroffenen. Auch wenn eine Bezeichnung aus Tradition verwendet wird, kann sie für bestimmte Gruppen schmerzhaft und beleidigend sein. Unternehmen stehen zunehmend in der Verantwortung, ihre Produkte und deren Bezeichnungen auf ihre gesellschaftliche Verträglichkeit zu prüfen.
Die Prüfung einer Namensänderung durch die Bäckerei Steiner könnte ein Signal an andere Unternehmen sein, die ähnliche traditionelle Bezeichnungen verwenden. Es unterstreicht die Wichtigkeit, Sensibilität für Minderheiten zu entwickeln und diskriminierende Sprache aus dem Alltag zu entfernen. Dies ist ein wichtiger Schritt für eine inklusivere Gesellschaft.





