Ein Spitexdienst in der Schweiz sorgt mit einer ungewöhnlichen Stellenausschreibung für Aufsehen. Das Unternehmen suchte eine Teamleitung Pflege, schloss jedoch explizit die «Generation Z» aus. Diese Formulierung löste eine breite Diskussion über Arbeitsmoral und Generationskonflikte aus.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Spitexdienst suchte eine Teamleitung Pflege und schloss die Generation Z aus.
- Die Stellenausschreibung sprach von einer «Montag/Freitag-Krankenschein-Mentalität».
- Statistiken zeigen höhere Krankheitsstände bei jungen Berufstätigen.
- Eine aktuelle Studie widerlegt das Klischee der faulen Generation Z.
- Das Unternehmen hat die umstrittenen Passagen auf der eigenen Website entfernt.
Umstrittene Stellenausschreibung sorgt für Diskussionen
Der Spitexdienst «Fit for Care» veröffentlichte auf jobs.ch eine Anzeige für eine «Teamleitung Pflege mit Herz und Verstand». Der Zusatz «keine Generation Z» erregte dabei besondere Aufmerksamkeit. Die «NZZ am Sonntag» machte das Inserat öffentlich und fragte beim Unternehmen nach den Gründen für diesen Ausschluss. Eine offizielle Stellungnahme blieb zunächst aus.
Zwischen den Zeilen der Anzeige liess sich jedoch eine Begründung finden: Man wolle keine «Montag/Freitag-Krankenschein-Mentalität». Diese Formulierung deutet auf Vorbehalte gegenüber der Arbeitsmoral jüngerer Altersgruppen hin. Solche Vorurteile sind in der Arbeitswelt nicht neu und führen immer wieder zu Spannungen.
Faktencheck Krankenstand
- Junge Berufstätige (bis Mitte 20) fehlen laut Bundesamt für Statistik im Schnitt fast zwei Wochen pro Jahr krankheitsbedingt.
- Diese Zahl ist seit 2020 spürbar gestiegen.
- Der Krankenstand bei dieser Altersgruppe liegt deutlich höher als noch vor einigen Jahren.
Arbeitsmoral der Generation Z unter der Lupe
Die Arbeitsmoral der Generation Z, also der etwa 1997 bis 2012 Geborenen, wird seit Längerem kontrovers diskutiert. Viele ältere Arbeitgeber und Führungskräfte äussern Bedenken bezüglich der Einsatzbereitschaft und Belastbarkeit der Jüngeren. Der Bündner Hotelier Ernst «Aschi» Wyrsch bezeichnete junge Menschen bereits vor zwei Jahren als «verweichlicht».
«Man gibt zu schnell auf, ist rasch genervt, empfindlich und kränklich», sagte Wyrsch zur «Südostschweiz».
Personalexperten bestätigen die Beobachtung von Spannungen zwischen den Generationen. Pascal Scheiwiller von der Alixio Group Schweiz erklärte gegenüber der «NZZ am Sonntag», dass die Haltung der Jüngeren nicht immer mit älteren Vorgesetzten übereinstimmt. Er fügte hinzu: «Die Jungen fordern mehr, als sie leisten.»
Widerspruch durch aktuelle Forschung
Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), veröffentlicht im März 2025, widerlegt das Klischee der faulen Generation Z. Die Untersuchung zeigt, dass die Arbeitsmotivation dieser Altersgruppe keineswegs geringer ist als die anderer Generationen. Im Gegenteil: Die Erwerbsquote bei den 20- bis 24-Jährigen stieg seit 2015 um 6,2 Prozent, ein überdurchschnittlicher Wert.
Ein wichtiger Faktor für diese Entwicklung ist die zunehmende Zahl von Studierenden, die nebenher arbeiten, um ihre Ausbildung zu finanzieren. Dies führt oft zu einer Präferenz für Teilzeitbeschäftigungen gegenüber Vollzeitstellen innerhalb dieser Gruppe. Enzo Weber, Forschungsbereichsleiter am IAB, betont: «Dass die Generation Z viel fordert, aber wenig arbeitet, ist ein verbreitetes Vorurteil. Die jungen Leute sind fleissig wie lange nicht mehr.»
Was ist die Generation Z?
Die Generation Z umfasst Personen, die grob zwischen Mitte der 1990er und den frühen 2010er Jahren geboren wurden. Sie sind die erste Generation, die vollständig mit dem Internet und mobilen Technologien aufgewachsen ist. Oft werden ihnen Eigenschaften wie hohe Ansprüche an Work-Life-Balance, Sinnhaftigkeit der Arbeit und digitale Affinität zugeschrieben.
Reaktion des Unternehmens und rechtliche Aspekte
Nach der öffentlichen Kritik hat das Spitexunternehmen reagiert. Auf der eigenen Website wurden die Hinweise bezüglich der Generation Z und der «Krankenschein-Mentalität» gelöscht. Das ursprüngliche Inserat auf jobs.ch blieb jedoch vorerst unverändert online.
Rechtlich gesehen stellt der Ausschluss einer Altersgruppe in der Schweiz nicht zwingend einen Verstoss gegen das Gesetz dar. Das Diskriminierungsverbot ist in der Schweiz nicht so umfassend wie in einigen anderen Ländern, wo Altersdiskriminierung explizit verboten ist. Dennoch wirft die Formulierung ethische Fragen auf und kann dem Ruf eines Unternehmens schaden.
Die Diskussion um die Generation Z und ihre Arbeitsweise wird voraussichtlich weitergehen. Es zeigt sich, dass Arbeitgeber gefordert sind, ihre Erwartungen zu überdenken und sich flexibler an die Bedürfnisse und Werte jüngerer Generationen anzupassen, anstatt pauschale Urteile zu fällen.
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Der Fall des Spitexdienstes ist ein Beispiel für die Herausforderungen, denen sich Unternehmen im aktuellen Arbeitsmarkt stellen müssen. Angesichts des Fachkräftemangels, insbesondere im Pflegebereich, können pauschale Ausschlüsse ganzer Altersgruppen die Rekrutierung zusätzlich erschweren. Es erfordert eine differenzierte Betrachtung der Fähigkeiten und Motivationen jedes Einzelnen.
Junge Menschen legen heute oft Wert auf eine sinnvolle Tätigkeit, flexible Arbeitszeiten und eine gute Work-Life-Balance. Arbeitgeber, die diese Bedürfnisse erkennen und darauf eingehen, haben bessere Chancen, Talente anzuziehen und langfristig zu binden. Eine offene Kommunikation und die Bereitschaft, voneinander zu lernen, sind entscheidend, um Generationskonflikte am Arbeitsplatz zu überwinden und ein produktives Umfeld zu schaffen.
- Flexibilität: Die Generation Z sucht oft nach flexiblen Arbeitsmodellen und Teilzeitoptionen.
- Sinnhaftigkeit: Viele junge Berufstätige legen Wert auf eine Arbeit, die einen positiven Einfluss hat.
- Work-Life-Balance: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben ist für diese Generation von hoher Priorität.





