In Zürich bricht ein bekannter Coiffeur mit einer jahrzehntelangen Tradition der Preisgestaltung: Martin Dürrenmatt führt in seinem Salon genderneutrale Preise ein. Seit Anfang Januar zahlen Männer und Frauen bei ihm den gleichen Betrag für einen Haarschnitt. Der Preis richtet sich nun ausschliesslich nach der benötigten Zeit und der Erfahrung des Stylisten, nicht mehr nach dem Geschlecht der Kundschaft. Diese Neuerung stösst auf gemischte Reaktionen.
Wichtige Punkte
- Martin Dürrenmatt hat in seinem Zürcher Salon genderneutrale Preise eingeführt.
- Der Preis für einen Haarschnitt hängt von der Dauer und der Stylisten-Erfahrung ab.
- Männer erleben eine Preiserhöhung, Frauen oft eine Senkung.
- Dürrenmatt will die Branche zu mehr Fairness anregen und die Wertigkeit seines Berufs unterstreichen.
Ein Schritt gegen Ungerechtigkeit in der Branche
Die Idee, geschlechtsunabhängige Preise anzubieten, sei Dürrenmatt schon länger im Kopf herumgespukt. Er sei sich bewusst, dass diese Praxis in der Schweiz noch ungewöhnlich ist. Traditionell zahlen Männer hierzulande oft weniger für einen Haarschnitt als Frauen, selbst wenn der Aufwand ähnlich sein kann. Dürrenmatt sieht sich als einer der bekanntesten Coiffeure der Schweiz in der Verantwortung, hier voranzugehen.
Er betont, dass eine Veränderung nur stattfindet, wenn jemand den ersten Schritt wagt. Dies sei nicht das erste Mal, dass er als Vorreiter agiert. Bereits bei der Einführung der Viertageswoche für sein Team zeigte er Innovationsgeist. Mit den neuen Preisen möchte er eine tief verwurzelte Ungerechtigkeit beenden und die Kundschaft für den tatsächlichen Wert seiner Dienstleistung sensibilisieren.
Preisanpassung im Überblick
- Start: Januar 2026
- Basis: Dauer des Aufenthalts im Coiffeurstuhl und Erfahrung des Stylisten
- Beispiel: Eine Stunde Waschen, Schneiden und Föhnen kostet ab 139 Franken.
- Auswirkung auf Männer: Durchschnittlich 80 Prozent Preiserhöhung.
Gemischte Reaktionen und wirtschaftliche Folgen
Die Einführung der genderneutralen Preise führte zu unterschiedlichen Reaktionen. Insbesondere bei der männlichen Kundschaft gab es Gegenwind. Für viele Männer bedeutet die Umstellung eine deutliche Preiserhöhung von bis zu 80 Prozent.
«Die Männer haben durch die Änderung eine Preiserhöhung von 80 Prozent. Ich verstehe, dass dies auf Gegenwind stösst», erklärt Martin Dürrenmatt.
Sein Salon, das MD Hair Atelier, verzeichnet seitdem weniger männliche Kunden. Trotzdem sei der Umsatz gestiegen. Das Team habe nun mehr Kapazität und kann sich intensiver auf die verbleibende Kundschaft konzentrieren. Dürrenmatt hofft, dass andere Salons seinem Beispiel folgen werden. Er wurde bereits auf internationalen Veranstaltungen wie der Fashion Week in Berlin auf seine Initiative angesprochen. Viele Kollegen teilen seine Ansicht und begrüssen den angestossenen Wandel.
Wertschätzung des Handwerks
Für Dürrenmatt geht es bei den neuen Preisen auch darum, das Bewusstsein für die Wertigkeit seines Berufs zu schärfen. Ein Coiffeurbesuch, besonders auf dem hohen Niveau, das sein Salon bietet, sei mit einem bestimmten Preis verbunden. Der Beruf erfordere viel Einsatz, man sei den ganzen Tag auf den Beinen und im direkten Kundenkontakt. Diesen Aufwand möchte er angemessen vergütet sehen.
Hintergrund der Preisgestaltung
Traditionell wurden in vielen Coiffeursalons Preise nach Geschlecht festgelegt. Oft zahlten Frauen mehr, da man davon ausging, dass ihre Haarschnitte mehr Zeit und Aufwand erfordern. Diese Praxis wird zunehmend kritisiert, da sie den individuellen Aufwand nicht berücksichtigt und als diskriminierend empfunden werden kann. Genderneutrale Preise basieren stattdessen auf Faktoren wie Haarlänge, Schnittkomplexität und benötigter Zeit.
Kritik an Dumpingpreisen in der Branche
Martin Dürrenmatt kritisiert zudem die Praxis einiger Salons, Umstylings zu extrem niedrigen Preisen anzubieten. Solche Angebote würden den Berufsstand in ein falsches Licht rücken und seien für selbstständige Coiffeure, die Miete, Produkte und Löhne zahlen müssen, unrealistisch. Er betont, dass man bei solchen Preisen praktisch gratis arbeiten würde.
Auch seine Erfahrungen mit Influencern sind gemischt. Er kritisiert die mangelnde Glaubwürdigkeit einiger Influencer, die schnell ihre Meinung ändern. Dürrenmatt selbst lehnt viele Kooperationsanfragen ab. Er empfiehlt nur Produkte, die er persönlich überzeugt und täglich verwendet. Alles andere empfindet er als «Verarschung» der Konsumenten.
Fazit und Ausblick
Mit der Einführung genderneutraler Preise setzt Martin Dürrenmatt ein klares Zeichen für Fairness und Wertschätzung im Coiffeurhandwerk. Obwohl die Umstellung anfänglich auf Widerstand stösst, hofft er auf eine langfristige Veränderung in der gesamten Branche. Sein Engagement für Transparenz und die Betonung des tatsächlichen Arbeitsaufwands könnten wegweisend für die Zukunft der Schweizer Coiffeursalons sein und eine breitere Diskussion über faire Preismodelle anstossen.





