Im Innovationspark Dübendorf trafen sich 60 Studierende und Forschende aus der Schweiz und Deutschland zu einem intensiven 30-Stunden-Hackathon. Ihr Ziel: innovative Konzepte für die kommerzielle Nutzung der zukünftigen Raumstation Starlab entwickeln. Diese Station soll ab 2029 die Internationale Raumstation (ISS) ablösen und eine neue Ära der privatwirtschaftlich geführten Raumfahrt einläuten.
Der von der Universität Zürich (UZH) und ihren Partnern organisierte Wettbewerb zog grosses Interesse an. Er unterstreicht das wachsende Potenzial der Schweiz als Drehscheibe für die sogenannte New Space Economy.
Wichtigste Erkenntnisse
- 60 Teilnehmende entwickelten 30 Stunden lang Konzepte für die Starlab-Raumstation.
- Die Starlab-Station startet voraussichtlich 2029, wenn die ISS ausser Betrieb geht.
- Der Hackathon fördert interdisziplinäre Zusammenarbeit und die New Space Economy.
- Zürich positioniert sich als wichtiger Standort für die zukünftige Raumfahrtindustrie.
- Gewinner-Teams erhielten Preise im Wert von 9'000 Franken.
Ein Blick in die Zukunft der Raumfahrt
Um 13:34 Uhr begann der Wettbewerb. Teams von Studierenden und Forschenden aus verschiedenen Fachbereichen und Universitäten setzten sich an ihre Tische. Sie klappten Laptops auf, diskutierten intensiv und arbeiteten konzentriert. Ihr Auftrag war klar: praktikable Missionskonzepte mit wirtschaftlichem Potenzial für die Starlab-Raumstation zu erarbeiten. Die Starlab-Station ist als offene Plattform konzipiert, auf der Unternehmen unter Weltraumbedingungen Hightech-Materialien und -Produkte entwickeln können.
Mit dem Ende der ISS, die bisher staatlich finanziert wurde, verschiebt sich der Fokus in der Raumfahrt. Eine neue, unternehmerisch getriebene Raumfahrtökonomie entsteht. Diese Entwicklung erfordert frische Ideen und neue Talente. Der Hackathon bot genau dafür eine Plattform.
Faktencheck: Starlab
- Start: Geplant ab 2029, nach dem Ende der ISS.
- Zweck: Kommerzielle Nutzung im unteren Erdorbit.
- Eigentümer: Joint Venture von Unternehmen wie Airbus, Voyager Space, Mitsubishi, MDA Space und Space Application Services.
- Europäischer Standort: Innovationspark Dübendorf, Zürich.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Der Starlab Space Mission Hackathon wurde vom Innovation Hub der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern organisiert. Dazu gehörten die Universität Stuttgart, der deutsche Bundesverband studentischer Raumfahrt, die deutsche Raumfahrtagentur, Aris, das Center for Space and Aviation Switzerland and Liechtenstein (CSA), der Switzerland Innovation Park Zurich, Yuri, FoodFor und ESA BIC Switzerland.
Maria Olivares, Head Innovation der UZH, betonte die Bedeutung solcher Veranstaltungen:
«Unser erster Space Mission Hackathon mit Starlab zeigt die Kraft der interdisziplinären Zusammenarbeit in ihrer besten Form. Genau diese Art von disziplinübergreifender Innovation fördern wir an der Universität Zürich.»
Die Teilnehmenden kamen von Universitäten wie der UZH, ETH Zürich, Universität Stuttgart, Technischen Universität Dresden, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Technischen Universität Berlin und der Technischen Universität München. Ihre Fachrichtungen waren vielfältig: von Soziologie über Maschinenbau, Biotechnologie und Psychologie bis hin zu Game Design. Diese Vielfalt war entscheidend für die Entwicklung innovativer und umfassender Konzepte.
Zürich als Zentrum der New Space Economy
Der Kanton Zürich ist optimal positioniert, um sich als bedeutender Standort für die New Space Economy zu etablieren. Die Universität Zürich spielt mit ihren Innovationsaktivitäten, insbesondere in den Life Sciences, eine zentrale Rolle dabei. Der UZH Space Hub in Dübendorf, mit seinem internationalen Netzwerk, treibt die Stärkung der kommenden Raumfahrtindustrie in Zürich massgeblich voran.
Elisabeth Stark, Prorektorin Forschung der UZH, hob die Rolle der Universität hervor:
«Aufgrund ihrer breit gefächerten Forschung ist die UZH prädestiniert dafür, Expertise einzubringen und Impulse zu geben, wenn wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen geschehen.»
Bereits Ende 2024 gab Starlab bekannt, seinen europäischen Standort für die kommerzielle Nutzung im Innovationspark Dübendorf aufzubauen. Ein Memorandum of Understanding wurde zwischen Starlab, dem Center for Space & Aviation Switzerland and Liechtenstein (CSA) und der Stiftung Switzerland Innovation Park Zürich (IPZ) unterzeichnet. Diese Entwicklung festigt Zürichs Position in der globalen Raumfahrtlandschaft.
Hintergrund: New Space Economy
Die New Space Economy beschreibt einen Paradigmenwechsel in der Raumfahrt. Statt staatlich dominierter Projekte treten vermehrt private Unternehmen auf den Plan. Sie entwickeln und betreiben kommerzielle Raumfahrtmissionen, von Satellitendiensten bis hin zu privaten Raumstationen. Dieser Sektor ist geprägt von Innovation, Kosteneffizienz und einem breiteren Zugang zum Weltraum für Forschung und Wirtschaft.
Intensive Arbeit und beeindruckende Ergebnisse
Die Teams hatten bereits in den Wochen vor dem Hackathon an ihren Ideen gearbeitet und an vier Online-Trainings teilgenommen. Während der 30 Stunden im Innovationspark Dübendorf ging es darum, diese Ideen in realisierbare Missionskonzepte zu verwandeln. Expertinnen und Experten aus der Startup-Szene und Raumfahrt standen den Teilnehmenden zur Seite. Sie gaben Inputs, coachten und forderten die Teams heraus.
Ulrich Kuebler, Senior Manager Business Development bei Starlab, erklärte die Vision:
«Wir möchten junge Talente schon heute motivieren, sich Gedanken zu machen über mögliche Nutzungen. Mit dem Ende der ISS wird es in der Raumfahrt einen Generationenwechsel geben und wir möchten die nächste Generation für unsere Raumstation begeistern.»
Trotz wenig Schlaf in der Nacht vor der Abgabe präsentierten die Teams beeindruckende Lösungen. Die Konzepte reichten von der Erforschung von Halbleitern unter Schwerelosigkeitsbedingungen über den Metall-3D-Druck im All bis hin zu praktischen Fragen wie der Wäschepflege für Astronauten.
Die Gewinner des Hackathons
Die Jury hatte es nicht leicht, angesichts der hohen Qualität der eingereichten Projekte. Am Ende standen die Sieger fest und durften sich über Preisgelder von insgesamt 9'000 Franken freuen. Hier sind die prämierten Konzepte und Teams:
Preisträger des Starlab Space Mission Hackathons
- Konzept: Semiconductor crystal growth in low Earth orbit (LEO)
- Teammitglieder: Felix Schaar, Selim Borham, Miriam Vitt, Tobias Ebeling, Ákos Dante Cantwell
- Konzept: Circular material use for on-demand tool manufacturing
- Teammitglieder: Bahar Karahan, Philip Kius, Manfred Ehresmann, Leon Habermalz, Jannis Bertling, Yolantha Remane, Johannes Wübbeling
- Konzept: Zero-G Laundry Solution
- Teammitglieder: Natanael Hirzel, Chloé Pilloud, Jonas Isler, Audrey Aebi, Yara Luginbühl, Robin Ferella Falda, Eric Brändli
- Konzept: Automated Space Experiments as a Service
- Teammitglieder: Zeyu Zhu, Dominik Woiwode, Fanny Rössler, Benjamin Liertz, Patrick Gerkamp, Robin Prillwitz, Tobias Weinert
- Konzept: Share a hot beverage in space, to mitigate sensory deprivation and social isolation
- Teammitglieder: Kristina Remic, Vindhya Madhavi Sylada, Hanjo Schnellbächer, Pinar Dogru, Anshak Mallik
Der Hackathon endete nach 30 Stunden, doch die Begeisterung für die Raumfahrt und die Weiterentwicklung der Ideen bleibt bestehen. Viele Teams wollen ihre Konzepte weiterverfolgen, um sie in die Realität umzusetzen. Dies ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft der kommerziellen Raumfahrt und die Rolle der Schweiz darin.




