In Bassersdorf haben Anwohner der Dietlikoner- und Bahnhofstrasse eine Petition zur Einführung von Tempo 30 eingereicht. Der Gemeinderat hat das Anliegen aufgenommen und prüft es nun im Rahmen eines umfassenden Verkehrsgutachtens, das wegen des bevorstehenden Bahnhofneubaus erstellt wird.
Die wichtigsten Punkte
- Eine von 113 Personen unterzeichnete Petition fordert Tempo 30 für die Dietlikoner- und Bahnhofstrasse.
- Anwohner beklagen hohe Geschwindigkeiten, Lärm und eine Gefährdung für Fussgänger, insbesondere Schulkinder.
- Es handelt sich um die letzten verbleibenden Gemeindestrassenzüge im Siedlungsgebiet mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h.
- Der Gemeinderat lässt die Forderung in ein Verkehrsgutachten einfliessen, das für den Bahnhofumbau durch die SBB notwendig ist.
- Das neue Verkehrskonzept soll bis Juni 2026 vorliegen.
Anwohner beschreiben tägliche Gefahren
Die Initiative für eine Verkehrsberuhigung ging von den beiden Bassersdorfer Anwohnern Reto Huber und Roland Klöti aus. Sie wohnen direkt an der stark frequentierten Dietlikonerstrasse und erleben nach eigenen Angaben täglich riskante Situationen. „Fahrzeuge fahren oft mit überhöhter Geschwindigkeit die schnurgeraden Strassen entlang und gefährden dabei Fussgänger und andere Verkehrsteilnehmer“, erklärt Huber.
Besonders nachts sei der Lärm durch getunte Fahrzeuge, die die Strecken für Spritztouren nutzen, eine Belastung. Tagsüber spitze sich die Lage zu, wenn sich zwei Linienbusse auf der schmalen Strasse begegnen, während gleichzeitig Autos kreuzen und Schulkinder die Strasse überqueren müssen.
Die letzten Tempo-50-Zonen im Quartier
Die Ringstrasse, bestehend aus Dietlikoner- und Bahnhofstrasse, ist der letzte verbleibende Strassenzug im Siedlungsgebiet von Bassersdorf, auf dem noch Tempo 50 gilt. Bereits in den Jahren 2013 und 2014 wurden alle anderen Gemeindestrassen auf Tempo 30 umgestellt. Die Ausnahme wurde damals mit der Notwendigkeit begründet, die Fahrplanstabilität der Busse der Verkehrsbetriebe Glattal (VBG) zu gewährleisten.
Nach erstem Widerstand kommt Bewegung in die Sache
Der Vorstoss der Anwohner ist nicht neu. Bereits im Juni 2023 hatte Reto Huber eine Anfrage an den Gemeinderat gestellt, um eine Verkehrsberuhigung zu erwirken. Damals zeigte die Gemeinde wenig Bereitschaft für eine Änderung. In der Antwort verwies der Gemeinderat auf regelmässige Geschwindigkeitsmessungen der Kommunalpolizei, die keine aussergewöhnlichen Überschreitungen ergeben hätten.
Zudem sei der Abschnitt mit sechs leichteren Unfällen in drei Jahren kein ausgewiesener Unfallschwerpunkt. Doch die Hartnäckigkeit der Anwohner scheint sich nun auszuzahlen. „Diese Petition hat bei der Gemeinde offenbar etwas ausgelöst“, zeigt sich Huber erfreut über die jüngsten Entwicklungen. Die Initianten wurden bereits zu zwei Sitzungen eingeladen, um ihr Anliegen zu erörtern.
Verkehrskonzept wird durch Bahnhof-Grossprojekt neu aufgerollt
Der Zeitpunkt für die Petition erweist sich als günstig. Die Gemeinde arbeitet derzeit an einem verkehrsplanerischen Gutachten für die Region um den Bahnhof. Der Grund dafür ist das Grossprojekt „Mehrspur Zürich–Winterthur“ der SBB, das einen kompletten Neubau des Bahnhofs Bassersdorf vorsieht. Für dieses massive Bauvorhaben, das rund zehn Jahre dauern wird, müssen die Zufahrten für die Baustellen detailliert geplant werden.
SBB beteiligt sich an Kosten
Da die SBB für die Planung der Baustellenzufahrten auf das Gutachten angewiesen ist, beteiligt sie sich auch an dessen Kosten. Dies bestätigt Patrik Baumgartner, Abteilungsleiter Bau + Werke der Gemeinde Bassersdorf.
Patrik Baumgartner bestätigt, dass das Thema Tempo 30 nun offiziell in dieses Gutachten aufgenommen wird. Es werden aber auch andere Massnahmen geprüft, um den Verkehr während der langen Bauphase zu steuern. Dazu gehören mögliche Einbahnregelungen auf der gesamten Strecke oder auf Teilabschnitten. Alle Planungen müssen eng mit den Verkehrsbetrieben Glattal abgestimmt werden.
„Die Petition hat bei der Gemeinde offenbar etwas ausgelöst.“
- Reto Huber, Initiant der Petition
Was die Zukunft für Bassersdorfs Verkehr bringt
Das Gutachten soll nicht nur die Tempo-30-Frage klären, sondern auch die Auswirkungen auf angrenzende Strassen wie die Chrüzacherstrasse und den Auenring analysieren. Ein umfassendes Verkehrskonzept ist das Ziel. Bis dieses vorliegt, sind bereits erste Veränderungen sichtbar.
Die SBB hat grünes Licht für das Projekt „Mehrspur Zürich–Winterthur“ erhalten, nachdem das Bundesverwaltungsgericht hängige Beschwerden abgewiesen hat. Die ersten Vorarbeiten für die Baustelleneinrichtung sollen in den kommenden Wochen beginnen.
Konkrete Massnahmen und Zeitplan
- Verkehrsgutachten: Soll bis Juni 2026 fertiggestellt sein.
- SBB-Projekt: Die gesamte Bauzeit für den Bahnhofumbau und die Mehrspur wird auf etwa zehn Jahre geschätzt.
- Temporäre Änderungen: Während des Umbaus werden die Bushaltestellen auf die Strasse verlegt.
- Erste sichtbare Arbeiten: Der Abbruch der „Jail-Train-Station“ hat bereits begonnen und ein provisorischer Avec-Shop steht kurz vor der Eröffnung.
Die Anwohner der Dietlikoner- und Bahnhofstrasse blicken nun gespannt auf den kommenden Juni. Dann wird das neue Verkehrskonzept vorliegen und zeigen, ob ihre langjährige Forderung nach mehr Sicherheit und weniger Lärm endlich erfüllt wird.





