Seit Mitte Dezember 2025 verkehren Testzüge vom Zürcher Oberland direkt ins Bündnerland. Diese umsteigefreien Verbindungen sind ein lang gehegter Wunsch vieler Pendler und Reisender. Die Vereinigung Pro Oberland begrüsst die Initiative der SBB, sieht aber Potenzial für weitere Optimierungen, um den Nutzen dieser neuen Direktverbindungen noch zu steigern.
Wichtige Punkte
- SBB-Testzüge vom Zürcher Oberland ins Bündnerland laufen bis März 2026.
- Pro Oberland schlägt Verlängerung der S5 statt S15 vor.
- Eine S5-Verlängerung würde bessere Anschlüsse und halbstündlichen Takt ermöglichen.
- Anzeigetafeln sollen Direktverbindung früher kommunizieren.
SBB-Testphase für Direktverbindungen läuft
Die SBB führt seit Dezember 2025 eine wichtige Testphase durch. An allen Wochenenden bis zum 15. März 2026 verkehren Direktzüge vom Zürcher Oberland nach Chur. Ein weiterer Test ist für den Sommer 2026 geplant, von Anfang Juni bis Ende September. Bei diesen Fahrten kommen 150 Meter lange Regio-Dosto-Züge des Typs RABe 511 zum Einsatz.
Bereits im September 2025 gab es einen ersten Markttest. Damals wurde die S15 (Niederweningen–Rapperswil) an allen Wochenenden nach Chur verlängert. Die Züge hielten zwischen Rapperswil und Chur in Pfäffikon, Ziegelbrücke, Unterterzen, Sargans, Bad Ragaz und Landquart. Diese Tests sollen zeigen, wie gut die neuen Verbindungen angenommen werden und wo Verbesserungen nötig sind.
Fakten zu den Testzügen
- Zeitraum aktueller Test: 14. Dezember 2025 bis 15. März 2026 (Wochenenden)
- Geplanter Sommertest: Anfang Juni bis Ende September 2026
- Verwendete Züge: Regio-Dosto-Züge (RABe 511), 150 Meter lang
- Haltepunkte: Pfäffikon, Ziegelbrücke, Unterterzen, Sargans, Bad Ragaz, Landquart
Pro Oberland begrüsst Initiative, fordert aber Anpassungen
Die Vereinigung Pro Oberland äussert sich positiv zu den SBB-Testzügen. Sie unterstützt die Bemühungen, eine jahrzehntelange Forderung nach umsteigefreien Bahnverbindungen vom Zürcher Oberland ins Bündnerland umzusetzen. Der Ansatz, diese Verbindungen mit dem S-Bahn-Netz zu verknüpfen, wird als vielversprechend angesehen.
«Die S-Bahnen sammeln in Stadelhofen, Uster, Wetzikon, Bubikon, Rüti, Jona und Rapperswil die Fahrgäste und bringen sie nach Pfäffikon SZ, wo die Fahrt nach einer kurzen Spitzkehre und ohne Umsteigen nach Chur weitergeht», erklärt Pro Oberland.
Trotz der grundsätzlich positiven Haltung hat Pro Oberland konkrete Vorschläge zur Optimierung. Diese sollen die Attraktivität und Effizienz der Direktverbindungen weiter erhöhen.
S5 statt S15 für bessere Anschlüsse
Ein zentraler Vorschlag von Pro Oberland betrifft die Wahl der S-Bahn-Linie. Für den Sommertest 2026 schlägt die Vereinigung vor, anstelle der S15 die S5 als Direktzug nach Chur zu verlängern. Die S5 verkehrt halbstündlich und ist eine Viertelstunde verschoben zur S15. Dies würde laut Pro Oberland sowohl im Zürcher Oberland als auch in Landquart und Chur bessere Anschlüsse ermöglichen.
Die S5 fährt halbstündlich bis nach Pfäffikon SZ. Dort besteht jedoch nur stündlich ein Anschluss an den InterRegio 35 (IR35) Zürich – Chur. Pro Oberland argumentiert, dass eine verlängerte S5 diesen Taktlücke schliessen könnte. Sie könnte in das Trassee des nicht verkehrenden halbstündlichen IR35 gelegt werden. Dies würde zwischen Pfäffikon SZ und Chur einen fehlenden Halbstundentakt schaffen.
Hintergrund: Die S-Bahn Zürich
Die S-Bahn Zürich ist das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs im Grossraum Zürich. Sie verbindet zahlreiche Gemeinden und Städte miteinander. Die Linien S5 und S15 spielen eine wichtige Rolle im östlichen Teil des Netzes und verbinden das Zürcher Oberland mit der Region Zürichsee und darüber hinaus.
Vorteile einer S5-Lösung
Die Umstellung auf die S5 hätte mehrere Vorteile. Bei der Beibehaltung der S15-Lösung bleiben die Umsteigezeiten in Landquart und Chur oft länger, typischerweise um eine Viertelstunde. Eine S5-Lösung würde diese Umsteigezeiten verkürzen.
Auch im Zürcher Oberland wären die Anschlüsse auf die Buslinien in der Regel kürzer. Dies betrifft wichtige Knotenpunkte wie Uster, Wetzikon, Bubikon, Rüti und Jona. Die Anschlüsse von anderen Bahn- und Buslinien sind im Zürcher Oberland bereits auf die S5 ausgerichtet. Eine Verlängerung der S5 würde diese bestehenden Verbindungen optimal nutzen.
Verbesserung der Fahrgastinformation
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Kommunikation der Direktverbindung an die Fahrgäste. Aktuell wird der Fahrtverlauf nach Chur oft erst als Extrazug angezeigt, auch wenn der Zug bereits aus Niederweningen oder dem Zürcher Oberland kommt. Pro Oberland regt an, dass der Zug bereits im Anfangsbahnhof als Direktzug nach Chur angezeigt wird, spätestens aber in Zürich.
Eine klare und frühzeitige Kommunikation der Direktverbindung ist entscheidend für die Attraktivität des Angebots. Passagiere sollen von Anfang an wissen, dass sie ohne Umsteigen ihr Ziel im Bündnerland erreichen können. Dies erhöht den Komfort und die Planungssicherheit für die Reisenden erheblich.
Ausblick auf die zukünftigen Verbindungen
Die SBB-Testphase ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der regionalen Bahnverbindungen. Die Anregungen von Pro Oberland zeigen, dass es Potenzial für weitere Optimierungen gibt, die den Fahrgästen zugutekommen können. Es bleibt abzuwarten, wie die SBB die Ergebnisse der laufenden und zukünftigen Markttests bewerten und welche Anpassungen sie für einen dauerhaften Betrieb der Direktzüge vornehmen wird.
Die Möglichkeit, ohne Umsteigen vom Zürcher Oberland direkt in die Ferienregion Graubünden zu reisen, stellt eine grosse Bereicherung für den öffentlichen Verkehr dar. Eine gut geplante und klar kommunizierte Verbindung kann die Nutzung der Bahn weiter fördern und den Tourismus in der Region stärken.





