Das Personal des öffentlichen Verkehrs (ÖV) in der Schweiz fordert bessere Arbeitsbedingungen und mehr Respekt. In Oerlikon versammelten sich Mitarbeitende und Gewerkschaftsvertreter, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Sie schredderten symbolisch den Rahmen-Gesamtarbeitsvertrag (GAV) vor dem Hauptsitz des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV).
Wichtige Forderungen
- Kürzere Arbeitszeiten: 35 Stunden pro Woche bei Schichtarbeit.
- Mehr Wertschätzung und Respekt für das Personal.
- Bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben.
- Investitionen in das Personal zur Reduzierung der Fluktuation.
Protestmarsch und symbolische Aktion in Oerlikon
Die Kundgebung begann beim VBZ-Depot und führte die Demonstrierenden zum ZVV-Hauptsitz am Bahnhof Oerlikon. Dort inszenierten die Teilnehmenden eine symbolische Handlung: Sie schredderten den bestehenden Rahmen-GAV. Diese Aktion unterstrich die Dringlichkeit ihrer Forderungen nach grundlegenden Veränderungen.
Vertreter der Gewerkschaften und Personalverbände, darunter VPOD, Syna, Syndicom und Transfair, äusserten sich deutlich. Sie machten auf die zunehmende Belastung von Trampilotinnen und Busfahrern aufmerksam. Überlange Präsenzdienste, knappe Nachtruhe und der stetig dichter werdende Verkehr führen zu einer hohen psychischen und physischen Belastung.
Faktencheck ÖV-Belastung
- Seit über 25 Jahren arbeiten ÖV-Mitarbeitende unter nahezu gleichen Bedingungen.
- Das Bevölkerungswachstum und der verdichtete Verkehr haben die Arbeitslast massiv erhöht.
- Dies führt zu gesundheitlichen Problemen und hoher Fluktuation bei jüngeren Angestellten.
Forderung nach Arbeitszeitverkürzung und Wertschätzung
Eine zentrale Forderung der Mitarbeitenden ist die Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche, insbesondere für Schichtarbeiter. Diese Massnahme soll helfen, die Belastung zu reduzieren und die Erholung zu verbessern. Redner betonten, dass die Stärkung des öffentlichen Verkehrs direkt von der Stärkung des Personals abhängt.
«Wir brauchen keine leeren Worte», sagte ein Postautofahrer mit über 15 Jahren Berufserfahrung. «Wir brauchen gute Arbeitsbedingungen und Wertschätzung.»
Diese Aussage fasst die Stimmung der Versammlung zusammen. Es geht nicht nur um finanzielle Aspekte, sondern auch um die Anerkennung der täglichen Leistung und die Verbesserung der Lebensqualität der Angestellten.
Hintergrund des aufgelösten GAV
Der seit 2014 gültige Rahmen-GAV wurde im August 2023 aufgelöst. Der Grund dafür war, dass die angestrebte Allgemeinverbindlichkeitserklärung nicht erreicht werden konnte. Dies teilten die beteiligten Gewerkschaften und Arbeitgeber, darunter die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), PostAuto AG und Forchbahn AG, damals mit.
Die Sozialpartner kamen zu dem Schluss, dass eine Überarbeitung des bestehenden Vertrages nicht zielführend sei. Stattdessen wollen sich die Gewerkschaften und die angeschlossenen Arbeitgeber nun auf bestehende Firmen-GAV und betriebliche Vereinbarungen konzentrieren. Bei den VBZ und Stadtbus Winterthur gilt zusätzlich das jeweilige städtische Personalrecht.
Was ist ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV)?
Ein GAV ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Arbeitgebern oder Arbeitgeberverbänden und Arbeitnehmerverbänden (Gewerkschaften). Er regelt die Arbeitsbedingungen und das Verhältnis zwischen den Parteien. Ein Rahmen-GAV legt dabei generelle Standards fest, die dann in firmenspezifischen GAVs oder betrieblichen Vereinbarungen konkretisiert werden können.
Auswirkungen auf den ÖV und die Mitarbeitenden
Der öffentliche Verkehr in der Schweiz ist ein Rückgrat der Mobilität. Doch das System steht unter Druck. Das Durchschnittsalter der Belegschaft steigt, während der Verkehr immer dichter wird. Diese Faktoren führen zu einer Spirale aus Überlastung und Personalengpässen. Die Forderungen nach besseren Bedingungen sind daher nicht nur für die Mitarbeitenden wichtig, sondern auch für die langfristige Leistungsfähigkeit des gesamten ÖV-Systems.
Investitionen in das Personal, sei es durch Arbeitszeitverkürzungen oder andere Massnahmen zur Verbesserung der Work-Life-Balance, könnten die Attraktivität der Berufe im ÖV steigern. Dies wiederum könnte der hohen Fluktuation entgegenwirken und eine stabile Personalbasis für die Zukunft sichern.
Die Diskussion um die Arbeitsbedingungen im ÖV ist ein Beispiel für die Herausforderungen, denen sich viele Branchen mit Schichtarbeit und hohem Publikumsverkehr gegenübersehen. Es zeigt, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse der Menschen hinter dem Dienstleistungsangebot zu erkennen und darauf zu reagieren.





