Der Bau der geplanten Pantanal-Voliere im Zoo Zürich ist gestoppt. Grund dafür ist ein Streit zwischen dem Zoo und der beauftragten Stahlbaufirma Baltensperger AG. Die Firma befindet sich nun in provisorischer Nachlassstundung, was weitreichende Konsequenzen für das Grossprojekt und das Unternehmen selbst hat.
Wichtige Fakten im Überblick
- Der Bau der Pantanal-Voliere im Zoo Zürich ist seit Dezember eingestellt.
- Die Zusammenarbeit mit der Stahlbaufirma Baltensperger AG wurde beendet.
- Die Baltensperger AG und die StahlTech AG sind in provisorischer Nachlassstundung.
- Der Zoo Zürich hat eine Sicherheitsleistung von rund vier Millionen Franken gezogen.
- Die Parteien sind sich über die Ursachen des Baustopps uneinig.
Baustopp legt Megaprojekt auf Eis
Seit dem Frühling liefen die Bauarbeiten für die zukünftige Pantanal-Voliere im Zoo Zürich auf Hochtouren. Dieses ambitionierte Projekt sollte ein neues Zuhause für südamerikanische Vogelarten schaffen und den Besuchern ein immersives Erlebnis bieten. Doch seit Dezember herrscht auf der Baustelle Stillstand. Der Zoo Zürich hat die Zusammenarbeit mit der Stahlbaufirma Baltensperger AG beendet. Als Begründung nannte der Zoo, dass die Firma die «gewünschten Anforderungen sowohl technisch als auch terminlich und finanziell» nicht erfüllen konnte.
Diese Entscheidung hat nun gravierende Folgen für das Bauvorhaben und das beteiligte Unternehmen. Die Pantanal-Voliere, einst als Leuchtturmprojekt gefeiert, steht vor einer ungewissen Zukunft. Der Baustopp bedeutet nicht nur Verzögerungen, sondern auch erhebliche zusätzliche Kosten für den Zoo.
Faktencheck
Die provisorische Nachlassstundung ist ein rechtliches Instrument, das Unternehmen Zeit verschafft. Es dient dazu, eine Sanierung oder einen Nachlassvertrag mit Gläubigern zu prüfen und vorläufig vor Betreibungen zu schützen. Die Frist beträgt in der Regel vier Monate und kann auf acht Monate verlängert werden.
Baltensperger AG in Nachlassstundung
Wie aus dem Amtsblatt des Kantons Zürich hervorgeht, befinden sich zwei Firmen von CEO Thomas Baltensperger in provisorischer Nachlassstundung. Betroffen sind die Baltensperger AG sowie die StahlTech AG, beide ansässig in Höri. Das Bezirksgericht Bülach hat diese Massnahme bewilligt, um den Unternehmen eine Atempause zu verschaffen.
Während dieser Zeit können die Firmen nicht betrieben werden. Das Ziel ist es, den Betrieb weiterzuführen, sofern die Gläubiger einem Nachlassvertrag zustimmen. Scheitert dieser Versuch, drohen Liquidation oder Konkurs. Für ein mittelständisches Unternehmen mit über 70 Mitarbeitenden ist dies eine existenzbedrohende Situation. Die kommenden Monate werden entscheidend sein für die Zukunft der Baltensperger AG und ihrer Belegschaft.
Unterschiedliche Darstellungen der Ereignisse
Die Parteien sind sich über die genauen Umstände, die zum Baustopp führten, uneinig. Thomas Baltensperger, der CEO der betroffenen Firmen, betont, dass die Anforderungen an die Konstruktion im Laufe des Projekts stetig gestiegen seien. Diese erhöhten Anforderungen hätten die Umsetzung schliesslich «kaum mehr erfüllbar» gemacht, was zu erheblichen Verzögerungen und Mehrkosten führte.
«Was jetzt über die Firma hereinbricht, ist ohne externe Geldgeber für kein mittelständisches Unternehmen zu stemmen.»
Der Zoo Zürich hingegen erklärte, dass der Entscheid zum Abbruch der Zusammenarbeit nicht leicht gefallen sei. Man sei sich der möglichen existenzbedrohenden Auswirkungen für das Unternehmen und seine Mitarbeitenden bewusst gewesen. Dennoch sah der Zoo keine andere Möglichkeit, um die «gewünschten Anforderungen» zu gewährleisten.
Hintergrund der Voliere
Die Pantanal-Voliere ist Teil einer grösseren Strategie des Zoo Zürich, um naturnahe Lebensräume für Tiere zu schaffen und das Besuchererlebnis zu verbessern. Das Pantanal, ein riesiges Feuchtgebiet in Südamerika, ist bekannt für seine Artenvielfalt. Die Voliere sollte diese einzigartige Umgebung detailgetreu nachbilden.
Finanzielle Belastung und Sicherheitsleistung
Zwei Faktoren haben die Situation für die Baltensperger AG besonders verschärft. Erstens war die Liquidität des Unternehmens aufgrund der monatelangen Auseinandersetzungen bereits stark angespannt. Zweitens hatte die Baltensperger AG bei ihrer Hausbank eine Sicherheitsleistung für den Fall einer Nichterfüllung des Auftrags hinterlegen müssen.
Dieser Betrag, der sich auf rund vier Millionen Franken belaufen soll, wurde vom Zoo Zürich nach dem Abbruch der Zusammenarbeit nun gezogen. Für ein Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten ist der Abzug einer solchen Summe eine massive Belastung. Die nächsten Gespräche zwischen dem Zoo Zürich und Baltensperger sind für Januar angesetzt. Es bleibt abzuwarten, ob eine Einigung erzielt werden kann, die eine Fortsetzung des Projekts ermöglicht oder zumindest die finanziellen Folgen für alle Beteiligten abmildert.
Ausblick für die Pantanal-Voliere
Aktuell stehen auf der Baustelle weder der Unterbau noch die Stahlkonstruktion, die für die Voliere vorgesehen waren. Dies bedeutet, dass der Fortschritt des Megaprojekts erheblich zurückgeworfen wurde. Der Zoo Zürich muss nun entscheiden, wie es mit dem Bau weitergeht. Eine Neuausschreibung des Projekts oder die Suche nach einem neuen Partner könnten notwendig werden, was weitere Verzögerungen und Kosten bedeuten würde.
Für die Besucher des Zoo Zürich heisst es weiterhin warten auf die Eröffnung der Pantanal-Voliere. Das Projekt, das einst grosse Vorfreude weckte, ist nun von Unsicherheit geprägt. Die Entwicklung in den kommenden Monaten wird zeigen, ob und wann die Vision einer südamerikanischen Vogelwelt im Zoo Zürich Realität werden kann.





