Die Zuckerfabrik in Frauenfeld musste am Sonntagnachmittag ihre Produktion abrupt einstellen. Grund dafür ist ein gravierender Defekt am Kalkofen, einem zentralen Element der Zuckerherstellung. Die Dauer des Produktionsstopps ist derzeit ungewiss, was Auswirkungen auf die Verarbeitung der noch ausstehenden Zuckerrübenernte haben könnte.
Wichtigste Punkte
- Produktionsstopp in der Zuckerfabrik Frauenfeld seit Sonntag.
- Ursache ist ein Defekt am unverzichtbaren Kalkofen.
- Experten können den Ofen erst nach zweitägiger Abkühlzeit untersuchen.
- Rund 500'000 Tonnen Zuckerrüben warten noch auf die Verarbeitung.
- Zuckerlieferungen sind nicht betroffen, Lagerbestände sind voll.
Defekt am Kalkofen legt Betrieb lahm
Der Betrieb der Schweizer Zucker AG in Frauenfeld kam am Sonntagnachmittag zum Erliegen. Ein Defekt am Kalkofen zwang das Unternehmen, die Produktion vollständig einzustellen. Dieser Ofen ist für die Herstellung von Zucker unabdingbar, da er die Kalksteine brennt, die zur Reinigung des Rohsafts benötigt werden.
Die genaue Ursache des Defekts konnte noch nicht ermittelt werden. Spezialisten sind vor Ort, doch die Untersuchung gestaltet sich schwierig. Der Ofen erreicht im Betrieb Temperaturen von bis zu 800 Grad Celsius. Allein das Abkühlen des Ofens auf eine sichere Temperatur für die Inspektion dauert etwa zwei Tage.
Faktencheck zum Kalkofen
- Der Kalkofen in Frauenfeld verarbeitet normalerweise 200 Tonnen Kalksteine pro Tag.
- Diese Kalksteine werden bei 800 Grad gebrannt.
- Der gebrannte Kalk wird zu Kalkmilch verarbeitet, die den Zuckerrübensaft reinigt.
Unsicherheit bei Reparaturdauer und Rübenanlieferung
Raphael Wild, Sprecher der Schweizer Zucker AG, äusserte sich besorgt. Er rechnet mit einem grösseren Schaden. Die Dauer der Reparatur kann erst nach der genauen Untersuchung des Ofens abgeschätzt werden. Diese Ungewissheit stellt das Unternehmen vor logistische Herausforderungen.
Die Anfuhr von Zuckerrüben musste bereits neu organisiert werden. Die aktuelle Kampagne ist etwa zur Hälfte abgeschlossen. Das bedeutet, dass in Frauenfeld noch rund 500'000 Tonnen Rüben auf ihre Verarbeitung warten. Die Schweizer Zucker AG arbeitet an Alternativen, um die Verarbeitung dieser Menge sicherzustellen.
"Wir rechnen mit einem gröberen Schaden", sagte Unternehmenssprecher Raphael Wild. "Vom Ergebnis der Untersuchung ist auch abhängig, welche Alternativen es für die Anlieferungen von Rüben braucht."
Auswirkungen auf die Zuckerproduktion in der Schweiz
Die Schweiz verfügt über zwei grosse Zuckerfabriken: eine in Aarberg (BE) und die betroffene in Frauenfeld (TG). Beide sind für die gesamte nationale Zuckerproduktion zuständig. Ein längerer Ausfall in Frauenfeld könnte somit weitreichende Konsequenzen für die Schweizer Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie haben.
Hintergrund zur Schweizer Zuckerproduktion
Die Schweizer Zucker AG ist der einzige Zuckerproduzent der Schweiz. Sie verarbeitet Zuckerrüben von über 4'000 Schweizer Bauern. Die jährliche Produktion deckt einen Grossteil des nationalen Bedarfs ab und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die ländlichen Regionen.
Trotz des Produktionsstopps gibt es gute Nachrichten für die Konsumenten und die Lebensmittelindustrie: Die Zuckerlieferungen sind nach Angaben des Unternehmens nicht beeinträchtigt. Die Lagerbestände der Schweizer Zucker AG sind derzeit voll gefüllt. Dies sichert die Versorgung für die kommende Zeit.
Logistische Herausforderungen und Zukunftsaussichten
Die Umorganisation der Rübenanlieferung ist eine komplexe Aufgabe. Die Rüben müssen nun möglicherweise zu anderen Standorten transportiert oder zwischengelagert werden, um Qualitätseinbussen zu vermeiden. Dies verursacht zusätzliche Kosten und logistischen Aufwand.
Die Situation unterstreicht die Bedeutung einer intakten Infrastruktur für die Lebensmittelproduktion. Ein einzelner Defekt an einer Schlüsselkomponente kann eine ganze Lieferkette ins Stocken bringen. Die Schweizer Zucker AG arbeitet mit Hochdruck daran, die genaue Ursache zu finden und eine Lösung zu implementieren, um die Produktion so schnell wie möglich wieder aufzunehmen.
Die Landwirte, die ihre Rüben zur Verarbeitung liefern, beobachten die Entwicklung mit Sorge. Eine Verzögerung oder Umleitung ihrer Ernte kann finanzielle Auswirkungen haben. Das Unternehmen hat jedoch versichert, alles zu tun, um die Auswirkungen für die Rübenproduzenten so gering wie möglich zu halten.
Es bleibt abzuwarten, wann der Kalkofen wieder in Betrieb genommen werden kann und welche langfristigen Massnahmen ergriffen werden, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Die Schweizer Zucker AG steht vor einer anspruchsvollen Zeit, um die Versorgungssicherheit und die Verarbeitung der Ernte zu gewährleisten.





