Eine sensationelle Entdeckung im Kanton Thurgau fasziniert derzeit die Archäologie: Nur einen Kilometer westlich der Kartause Ittingen wurde eine bisher unbekannte frühmittelalterliche Burganlage identifiziert. Der Fund gilt als von grossem historischem Interesse und wirft neues Licht auf die Besiedlungsgeschichte der Region.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Burgforscher entdeckte die Anlage durch Analyse von Reliefkarten.
- Die Burganlage befindet sich nahe der Kartause Ittingen.
- Metalldetektor-Sondierungen bestätigten den Fund mit Keramikscherben und Geschossspitzen.
- Die Anlage bestand vermutlich aus einem Holzturm, Palisaden und Gräben.
- Die Thurgauer Archäologie plant keine Ausgrabungen, um die Strukturen zu erhalten.
Die Entdeckung: Ein Blick auf alte Karten
Die erste Spur zu dieser verborgenen Burganlage kam nicht etwa von einer aufwendigen Grabung, sondern von einem Burgforscher aus dem Kanton Bern. Dieser Experte nutzte hochauflösende Reliefkarten, um die Landschaft detailliert zu analysieren. Dabei stiess er auf zwei kleine Plateaus, die von steilen Gräben umgeben sind. Diese geologischen Merkmale waren ein deutlicher Hinweis auf eine ehemalige Befestigungsanlage.
Die genaue Lage der Fundstelle ist etwa einen Kilometer westlich der historischen Kartause Ittingen. Dieser Standort ist strategisch interessant und könnte in der Frühzeit des Mittelalters eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Entdeckung wird von der Thurgauer Archäologie als Fund von «grossem historischem Interesse» eingestuft.
Wussten Sie schon?
- Reliefkarten zeigen die Erdoberfläche ohne Vegetation und Bebauung.
- Sie sind ein wichtiges Werkzeug für Archäologen zur Entdeckung verborgener Strukturen.
- Frühmittelalterliche Burgen waren oft aus Holz und Erde gebaut.
Erste Bestätigungen durch Metalldetektor
Nach der anfänglichen Entdeckung am Computer wurde eine offizielle Genehmigung für eine detailliertere Untersuchung vor Ort eingeholt. Mit einem Metalldetektor suchten Fachleute das Gelände ab. Die Ergebnisse waren eindeutig und bestätigten die Vermutungen des Burgforschers.
Bei der Sondierung kamen verschiedene Artefakte zum Vorschein. Dazu gehörten Keramikscherben, die typisch für die frühmittelalterliche Periode sind. Auch diverse Eisenobjekte wurden gefunden. Besonders aufschlussreich waren die Entdeckungen von mittelalterlichen Geschossspitzen. Diese Funde belegen zweifelsfrei, dass es sich hier um eine befestigte Anlage handelte, die aktiv genutzt wurde.
«Diese Entdeckung klingt wie aus einem Abenteuerfilm: Ein Burgforscher aus dem Kanton Bern sitzt vor seinem Computer, klickt sich durch eine hochauflösende Reliefkarte – und stösst plötzlich auf etwas, das die Thurgauer Archäologie nun als Fund von grossen historischen Interesses einstuft.»
Architektur einer frühmittelalterlichen Anlage
Experten konnten anhand der Geländestrukturen und im Vergleich zu ähnlichen Fundstellen eine Vorstellung davon entwickeln, wie die Burganlage ausgesehen haben könnte. Es wird vermutet, dass ein mehrstöckiger Holzturm das Zentrum der Anlage bildete. Solche Holztürme waren in der Frühphase des Mittelalters weit verbreitet und dienten als Wohnsitz und Wehrturm.
Die gesamte Anlage war wahrscheinlich durch robuste Palisaden und tiefe Gräben geschützt. Diese Bauweise war typisch für frühmittelalterliche Burgen und bot effektiven Schutz vor Angreifern. Die Kombination aus natürlichen Gegebenheiten und menschlichen Befestigungen machte diese Art von Burg zu einer wichtigen Verteidigungsstruktur.
Historischer Kontext
Das Frühmittelalter in der Schweiz (ca. 500-1000 n. Chr.) war eine Zeit grosser Veränderungen. Nach dem Zerfall des Römischen Reiches entstanden neue Herrschaftsstrukturen. Burgen spielten eine zentrale Rolle bei der Sicherung von Territorien und der Kontrolle wichtiger Handelswege. Viele dieser Anlagen waren Holz-Erde-Burgen, die oft nicht so dauerhaft waren wie spätere Steinburgen.
Warum keine Ausgrabungen?
Trotz der spektakulären Natur des Fundes hat die Thurgauer Archäologie entschieden, vorerst keine grossflächigen Grabungen durchzuführen. Diese Entscheidung mag überraschen, folgt aber einem klaren Prinzip des Denkmalschutzes. Die vorhandenen Strukturen sollen weitgehend unangetastet bleiben.
Der Grund hierfür ist, dass die Anlage als ein «Schatz für künftige Forschende» erhalten werden soll. Moderne archäologische Methoden entwickeln sich ständig weiter. Was heute mit grossem Aufwand und potenziell unwiederbringlichen Eingriffen untersucht werden müsste, könnte in Zukunft mit schonenderen und präziseren Techniken erforscht werden. Dies sichert den Erhalt des Kulturerbes für kommende Generationen von Wissenschaftlern.
Bedeutung für die Thurgauer Geschichte
Die Entdeckung dieser Burganlage ist von erheblicher Bedeutung für die Erforschung der frühmittelalterlichen Geschichte des Thurgaus. Sie zeigt, dass die Region schon früh in dieser Epoche besiedelt und strategisch wichtig war. Bisher waren viele Informationen über diese Zeit Lückenhaft, insbesondere was kleinere, nicht schriftlich belegte Befestigungen betrifft.
Der Fund ergänzt das Bild der frühmittelalterlichen Landschaft und ihrer Bewohner. Er liefert konkrete Beweise für die Existenz einer bisher unbekannten Siedlungs- und Machtstruktur. Dies könnte zu einer Neubewertung der regionalen Geschichte führen und weitere Forschungen in angrenzenden Gebieten anregen.
Zahlen und Fakten
- 1 km: Distanz zur Kartause Ittingen.
- 2: Anzahl der Plateaus, die die Burganlage bilden.
- Frühmittelalter: Zeitraum der vermuteten Nutzung (ca. 500-1000 n. Chr.).
Zukunft der Forschungsstätte
Obwohl keine unmittelbaren Grabungen geplant sind, bedeutet dies nicht das Ende der Forschung. Die Stelle wird weiterhin überwacht und geschützt. Künftige Technologien, wie zum Beispiel nicht-invasive Bodenradar-Untersuchungen, könnten in der Zukunft weitere Details über die verborgenen Strukturen liefern, ohne physische Eingriffe vornehmen zu müssen.
Die Entdeckung unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der digitalen Archäologie und der Zusammenarbeit zwischen Forschern und lokalen Behörden. Sie erinnert uns daran, dass selbst in gut erforschten Regionen noch immer Überraschungen unter der Erde auf ihre Entdeckung warten.





