Severin Dressen, der Direktor des Zoo Zürich, teilt Einblicke in seine private Leseleidenschaft. Trotz seines anspruchsvollen Berufs findet er Zeit für Bücher und offenbart dabei überraschende Leseorte und literarische Vorlieben, die von fesselnden Romanen bis zu humorvollen Naturberichten reichen. Seine Auswahl spiegelt eine tiefe Verbundenheit mit Natur, Geschichte und gesellschaftlichen Fragen wider.
Wichtige Erkenntnisse
- Severin Dressen leitet seit 2020 den Zoo Zürich.
- Er liest am liebsten abends, hat aber auch schon auf einem Pferderücken in Argentinien gelesen.
- «Das Geschenk» von Gaea Schoeters war sein Beitrag für den «Literaturclub».
- «Das Gleichgewicht der Welt» von Rohinton Mistry hat ihn tief beeindruckt.
- Gerald Durrells «A Zoo in My Luggage» bringt ihn zum Lachen.
- Er empfiehlt Kinderbücher von Julia Donaldson, der Schöpferin des «Grüffelo».
Ein Leben für Tiere und Bücher
Schon als Kind träumte Severin Dressen davon, Zoo-Direktor zu werden. Dieser Traum wurde 2020 Realität, als er die Leitung des Zoo Zürich übernahm. Sein beruflicher Werdegang führte ihn nach einem Biologiestudium in Berlin und einer Promotion in Oxford durch verschiedene Tierparks weltweit, wo er als Tierpfleger und zoologischer Kurator tätig war. Trotz seines vollen Terminkalenders bleibt das Lesen ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.
Dressen, Jahrgang 1988 und Vater von vier Kindern, bevorzugt es, abends vor dem Schlafengehen zu lesen. Doch er erinnert sich auch an einen aussergewöhnlichen Leseort: einen Pferderücken in Argentinien. Während seiner Zeit als Ranger in einem Nationalpark nutzte er die eigenständigen Rückwege der Pferde, um in Büchern zu schmökern. Dies zeigt seine Anpassungsfähigkeit und seine tiefe Leidenschaft für die Literatur, die über Konventionen hinausgeht.
Faktencheck
Severin Dressen ist seit 2020 Direktor des Zoo Zürich. Er hat Biologie studiert und in Oxford promoviert. Vor seiner Tätigkeit in Zürich war er als Tierpfleger und zoologischer Kurator in verschiedenen Tierparks weltweit tätig.
Literarische Auswahl im «Literaturclub»
Kürzlich war Severin Dressen Gast im renommierten «Literaturclub». Für die Sendung wählte er den Roman «Das Geschenk» von Gaea Schoeters. Das Buch basiert auf einer realen Drohung des Präsidenten von Botswana aus dem Frühjahr 2024, 20.000 Elefanten nach Deutschland zu schicken. Diese Drohung erfolgte, nachdem Deutschland und andere Länder ein Verbot der Einfuhr von Jagdtrophäen aus Afrika diskutiert hatten.
Schoeters verwandelt diese Drohung in ihrer Geschichte in Realität, was Dressen als ein spannendes Gedankenexperiment zum Thema Natur- und Artenschutz bezeichnet. Die Thematik des Romans passt perfekt zu Dressens beruflichem Engagement und seiner persönlichen Überzeugung im Bereich des Tierschutzes.
«Die Idee des Romans basiert auf einer realen Aussage des Präsidenten von Botswana, der im Frühjahr 2024 damit drohte, 20'000 Elefanten nach Deutschland zu bringen – dies, nachdem Deutschland und andere Länder darüber debattiert hatten, die Einfuhr von Jagdtrophäen aus Afrika zu verbieten. Die Autorin lässt diese Drohung in ihrer Geschichte Realität werden. Ein spannendes Gedankenexperiment zum Thema Natur und Artenschutz.»
Severin Dressen über «Das Geschenk» von Gaea Schoeters
Bücher, die bewegen und unterhalten
Auf die Frage nach dem Buch, das ihn am meisten beeindruckt hat, nennt Dressen «Das Gleichgewicht der Welt» von Rohinton Mistry. Die fiktive, aber unbarmherzige Darstellung der indischen Gesellschaft der 1970er-Jahre habe ihn tief erschüttert. Gleichzeitig habe ihn das Buch mit Dankbarkeit erfüllt, in eine behütete Familie in Westeuropa hineingeboren worden zu sein. Dies zeigt, wie Literatur bei ihm tiefe Reflexionen über soziale Ungleichheiten und persönliche Privilegien auslösen kann.
Nicht jedes Buch schafft es sofort auf seine Leseliste. «Im Namen der Rose» von Umberto Eco steht bei ihm seit Jahren ungelesen im Regal. Ein Klassiker, dem er sich bisher nicht widmen konnte.
Hintergrund: Der Zoo Zürich
Der Zoo Zürich ist einer der grössten und bekanntesten Zoos der Schweiz. Er engagiert sich stark im Artenschutz und in der Bildung. Mit verschiedenen Themenbereichen wie dem Masoala Regenwald oder der Lewa Savanne bietet er Besuchern Einblicke in diverse Ökosysteme und beheimatet zahlreiche Tierarten.
Humor und Tränen in der Literatur
Bücher können auch zum Lachen bringen. Für Severin Dressen ist das «A Zoo in My Luggage» von Gerald Durrell. Diese Sammlung von Reiseberichten des Naturforschers schätzt er für ihre Kurzweiligkeit und den unvergleichlichen britischen Humor. Durrells Werke passen thematisch hervorragend zu Dressens Leidenschaft für Tiere und Natur.
Manchmal rühren Bücher ihn auch zu Tränen, aber glücklicherweise auch zum Lachen. Er nennt «Stadt der Diebe» von David Benioff. Der Roman erzählt die Geschichte zweier Fremder, die im belagerten und ausgehungerten Leningrad des Jahres 1942 auf eine aberwitzige Suche nach zwölf Eiern gehen. Diese Mischung aus Tragik und skurrilem Humor scheint Dressen besonders anzusprechen.
Ein Buch, das er gerne selbst geschrieben hätte
Neben der Biologie fasziniert Dressen auch die europäische Geschichte. Er hätte gerne das Buch «In Europa» des niederländischen Schriftstellers Geert Mak geschrieben. Mak reiste für sein Werk ein Jahr lang durch den Kontinent und besuchte Schauplätze, die Europa geprägt haben. Dressen hätte Mak auf dieser Reise gerne begleitet und zur Not das Buch selbst verfasst. Dies unterstreicht sein Interesse an der Verflechtung von Geschichte und Geografie.
- Lieblingsbuch: «Das Gleichgewicht der Welt» von Rohinton Mistry
- Ungelesener Klassiker: «Im Namen der Rose» von Umberto Eco
- Buch zum Lachen: «A Zoo in My Luggage» von Gerald Durrell
- Buch zum Weinen: «Stadt der Diebe» von David Benioff
- Buch, das er gerne geschrieben hätte: «In Europa» von Geert Mak
Lesetipps für jedermann
Severin Dressen wünscht dem Buch «A Little History of Everything» von Timothy Coulson grössere Bekanntheit. Er beschreibt es als smart, unterhaltsam und lehrreich. Es vermittelt die gesamte Geschichte unseres Planeten vom Urknall bis zur Gegenwart und macht den Leser auf jeden Fall schlauer, so Dressen. Ein Buch, das er schon mehr als einmal verschenkt hat, ist «Sternstunden der Menschheit» von Stefan Zweig. Dieses nicht allzu dicke Buch eignet sich seiner Meinung nach auch gut, wenn man sich der Lesefreudigkeit der beschenkten Person nicht ganz sicher ist.
Seine Leidenschaft für Tiere wurde bereits in seiner Kindheit durch Heinz Sielmanns «Das grosse Buch der Tierwelt» bestärkt. Stundenlang konnte er darin blättern. Als Vater von vier Kindern hat er auch einen Kinderbuchtipp parat: Alle Bücher von Julia Donaldson, der Schöpferin des berühmten «Grüffelo».
Dressens Empfehlungen zeigen eine Bandbreite von wissenschaftlichen Sachbüchern über historische Erzählungen bis hin zu kindgerechter Literatur. Seine Auswahl ist breit gefächert und zeugt von einem umfassenden Interesse an Wissen und Erzählkunst.





