In den Tagen vor dem 6. Januar herrscht in den Schweizer Bäckereien Hochbetrieb. Der Dreikönigskuchen, ein traditionelles Gebäck mit langer Geschichte, steht dann im Mittelpunkt. Allein in der Schweiz werden jährlich zwischen 2 und 3 Millionen dieser Kuchen verkauft. Die Bäckerei Lyner in Winterthur-Wülflingen ist ein bekannter Akteur in diesem Geschäft, der die Tradition mit Leidenschaft pflegt und sogar einen Weltrekord hält.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Dreikönigskuchen ist die populärste Tagesaktion für Schweizer Bäckereien.
- Jährlich werden 2 bis 3 Millionen Dreikönigskuchen in der Schweiz verkauft.
- Die Tradition des Königskuchens reicht bis zu 3000 Jahre vor Christus zurück.
- Die Bäckerei Lyner in Winterthur hält den Weltrekord für den grössten Dreikönigskuchen.
- Heutige Kuchen enthalten meist Plastikfiguren statt traditioneller Bohnen.
Ein Blick in die Geschichte des Dreikönigskuchens
Die Ursprünge des Dreikönigskuchens sind faszinierend und reichen weit zurück. Laut dem Brotforscher Max Währen, der das Thema intensiv untersuchte, liegt der Ursprung bei den Römern. Sie kürten Ende Dezember per Losentscheid einen eintägigen König. Diese Tradition könnte sogar bis zu drei Jahrtausende vor Christus zurückreichen.
Währen spielte eine entscheidende Rolle bei der Wiederbelebung des Dreikönigskuchens in der Schweiz. Zusammen mit seinem Freund Bruno Heilinger, dem damaligen Zentralsekretär des Schweizerischen Bäcker- und Konditorenmeisterverbandes, entwickelte er an der Luzerner Bäckerfachschule Richemont ein Rezept. Dieses Rezept bildet bis heute die Grundlage für viele Bäckereien im Land.
Hintergrund der Tradition
Der Dreikönigstag am 6. Januar markiert das Ende der Weihnachtszeit und erinnert an die Heiligen Drei Könige, die dem Stern von Bethlehem folgten. Der Brauch, einen König zu küren, ist eng mit diesem Tag verbunden. Ursprünglich wurde eine Bohne in den Kuchen eingebacken, und wer sie fand, war für einen Tag König oder Königin.
Die Bäckerei Lyner: Ein Traditionsbetrieb im Ausnahmezustand
Für die Bäckerei Lyner in Winterthur-Wülflingen ist der Dreikönigstag einer der umsatzstärksten Tage des Jahres. Peter Lyner, der Bäckermeister, betont die zentrale Bedeutung dieses Tages für sein Geschäft. Die Nachfrage nach den traditionellen Kuchen ist enorm.
In den Backstuben herrscht dann reges Treiben. Mehl liegt in der Luft, und jede Hand wird gebraucht, um die Millionen von Kuchen herzustellen, die in diesen Tagen über die Ladentheken gehen. Der Schweizerische Bäcker-Confiseurmeister-Verband bestätigt, dass der Dreikönigskuchen die populärste Aktion für Bäckereien in der Schweiz darstellt.
«Für unser Geschäft ist der Dreikönigstag sehr zentral, es ist einer der umsatzstärksten Tage des Jahres.»
Von der Bohne zur Plastikfigur
Die Tradition der Bohne im Kuchen hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Heute finden sich in den meisten Dreikönigskuchen Plastikfiguren anstelle der ursprünglichen Bohne. Peter Lyner erklärt, dass dies die gängige Praxis ist. Dennoch gibt es auch spezielle Wünsche von Kunden. So sei es in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass auf Bestellung ein Goldvreneli in einem Königskuchen Platz gefunden habe.
Wussten Sie schon?
- Die Bäckerei Lyner hält seit 1994 den Weltrekord für den grössten Dreikönigskuchen.
- Dieser Rekordkuchen hatte einen Durchmesser von 10 Metern.
- Das Gesamtgewicht des Kuchens betrug rund eine Tonne.
- Er bestand aus etwa 22'000 bis 24'000 Einzelteilen.
Die Herstellung des Dreikönigskuchens
Das Grundrezept aus Richemont dient vielen Bäckereien als Leitfaden, doch jede Bäckerei hat ihre eigene Note und passt das Rezept an die jeweiligen Backöfen und Vorlieben an. Die Bäckerei Lyner verwendet für ihren Dreikönigskuchen eine Mischung aus:
- Mehl
- Milch
- Butter
- Zucker
- Mandelmasse
- Eier
- Backhefe
- Salz
- Malz
- Wenig Zitrone für den Geschmack
Handarbeit in der Backstube
Der Herstellungsprozess erfordert viel Handarbeit. Bäckerin Marlene Trunninger verteilt Weizendunst auf den Tischen, eine gröbere Mehlart, die weniger in der Luft schwebt und somit gesünder zum Einatmen ist. Die Teigstücke werden dann auf Platten gelegt und "aufgeschliffen", was bedeutet, dass sie bis an den Rand gepresst werden. Die grösseren Teile in der Mitte formt man von Hand rund.
Auch die kleinen Königsfiguren werden von Hand in die Teiglinge eingearbeitet. Bäckerlehrling Efe verrät mit einem Schmunzeln, wo der König versteckt wird: "Immer unten rechts." Diese kleinen Details machen den Charme und die Spannung des Dreikönigskuchens aus.
Ein Weltrekord aus Winterthur
Die Bäckerei Lyner ist nicht nur für ihre Dreikönigskuchen bekannt, sondern auch für einen beeindruckenden Weltrekord. Im Jahr 1994 schuf der über 120 Jahre alte Traditionsbetrieb den bis heute ungeschlagenen grössten Dreikönigskuchen der Welt. Dieses monumentale Gebäck hatte einen Durchmesser von 10 Metern und wog etwa eine Tonne. Es setzte sich aus rund 22'000 bis 24'000 einzelnen Kuchenstücken zusammen.
Dieser Rekord unterstreicht die besondere Verbundenheit der Bäckerei Lyner mit dem Dreikönigstag und ihre Fähigkeit, Tradition und Handwerkskunst auf beeindruckende Weise zu verbinden. Der Dreikönigskuchen bleibt ein wichtiger Bestandteil der Schweizer Kultur und ein Highlight im Jahreskalender der Bäckereien.





