Ein Wohnblock im Winterthurer Stadtteil Veltheim wird seit rund einem Jahr über Plattformen wie Airbnb vermietet. Dies führt zu wachsendem Unmut bei den Anwohnern, die Lärm, Abfall und Parkplatzprobleme beklagen. Während in Winterthur akute Wohnungsnot herrscht, stösst die Nutzung der Wohnungen für Kurzzeitvermietungen auf grosses Unverständnis.
Wichtige Punkte
- Ein Wohnblock in Winterthur-Veltheim wird seit einem Jahr über Airbnb und andere Plattformen vermietet.
- Anwohner berichten von Lärmbelästigung, Abfallproblemen und blockierten Parkplätzen.
- In Winterthur sind derzeit weniger als 100 Wohnungen verfügbar, was die Kurzzeitvermietung umstritten macht.
- Der Vermieter betont soziale Aspekte, die Mieten liegen jedoch am oberen Ende des Marktwertes.
- Ein Sicherheitsdienst soll am Wochenende für Ruhe sorgen.
Wohnblock in Veltheim wird zur Kurzzeitunterkunft
An der Bachtelstrasse in Veltheim, einem Stadtteil von Winterthur, fallen moderne Wohnungen auf, die seit etwa einem Jahr nicht an Langzeitmieter vergeben werden. Stattdessen werden sie auf Buchungsplattformen wie Airbnb und Booking.com angeboten. Ein 25-jähriger Jungunternehmer vermietet hier diverse Einheiten, einige davon ausgestattet mit Whirlpool und Sauna.
Die Lage ist attraktiv, nur etwa 25 Kilometer vom Zürcher Stadtzentrum entfernt. Doch die Nutzung dieser Wohnungen als Kurzzeitunterkünfte sorgt im Quartier für erhebliche Spannungen. Die Anwohner fühlen sich durch die ständig wechselnden Gäste gestört und sehen die Lebensqualität beeinträchtigt.
Nachbarn klagen über Beeinträchtigungen
Die Beschwerden der Anwohner sind vielfältig. Eine Nachbarin äussert, das Quartier wirke durch die vielen Kurzzeitgäste «seelenloser». Sie versteht nicht, warum in einer Zeit der Wohnungsnot ein ganzes Haus für Airbnb-Gäste genutzt wird.
«Jedes zweite Wochenende ist hier eine Party.»
Dies berichtet eine andere Anwohnerin und beschreibt die regelmässigen Lärmbelästigungen. Auch das Parkplatzproblem ist gravierend; Ausfahrten und Parkplätze sind oft durch Autos mit ausländischen Nummernschildern blockiert. Ein Handwerker, der im Haus tätig war, sprach sogar von Prostitution.
Faktencheck Wohnungsmarkt Winterthur
- Diesen Sommer waren in Winterthur knapp 100 Wohnungen frei.
- Etwa gleich viele Immobilien werden auf Airbnb zur Untermiete angeboten.
- Die Mieten für die Kurzzeitwohnungen liegen zwischen 100 und 500 Franken pro Nacht.
Der Vermieter und seine Beweggründe
Der junge Vermieter verteidigt sein Geschäftsmodell. Er sieht es als eine Möglichkeit, Menschen in Not zu helfen. Dazu gehören Personen, die keinen einwandfreien Betreibungsregisterauszug vorweisen können oder Schwierigkeiten haben, die geforderte Kaution von drei Monatsmieten aufzubringen. Er betont den sozialen Aspekt seines Handelns.
Gleichzeitig räumt er ein, dass die Mieten für seine Wohnungen «an der oberen Grenze des üblichen Marktwertes» liegen. Auf seiner eigenen Website sind einige Wohnungen ab 100 Franken pro Nacht verfügbar. Auf Airbnb können die Preise je nach Objekt zwischen 200 und 500 Franken pro Nacht betragen.
Massnahmen zur Konfliktlösung
Um den Bedenken der Nachbarschaft entgegenzukommen und die Sicherheit zu erhöhen, hat der Vermieter reagiert. Er hat einen Sicherheitsbeamten eingestellt, der an den Wochenenden Patrouille läuft. Den Vorwurf, es sei ein reines «Airbnb-Haus», weist er zurück, da die Wohnungen auch auf anderen Buchungsplattformen angeboten werden.
Eine US-Amerikanerin, die mit ihrer Nichte für eine Chemotherapie in die Schweiz reiste und für zwei Wochen in einer der Wohnungen unterkam, äussert sich positiv. Sie lobt die schnelle Reaktion des Vermieters auf ihre Anfrage und ist dankbar für das Angebot. «Zum Glück gibt es das», sagt sie.
Hintergrund: Wohnungsnot in Winterthur
Winterthur kämpft mit einer angespannten Wohnsituation. Die Leerstandsquote ist gering, was die Suche nach bezahlbarem Wohnraum erschwert. Die Nutzung von Wohnungen für Kurzzeitvermietungen verschärft diese Situation zusätzlich, da sie dem regulären Wohnungsmarkt entzogen werden. Dies führt zu einer Debatte über die Balance zwischen Tourismus und den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung.
Regulierungen in anderen Schweizer Städten
Die Debatte um Kurzzeitvermietungen ist in der Schweiz nicht neu. Städte wie Zürich und Bern haben bereits Massnahmen ergriffen, um die Ausbreitung von Airbnb-Wohnungen in Wohnquartieren zu begrenzen. Dort gelten Obergrenzen: Wohnungen dürfen maximal 90 Tage pro Jahr auf Plattformen wie Airbnb angeboten werden.
Es ist denkbar, dass der Vermieter seine Wohnungen in Winterthur anbietet, um solchen juristischen Beschränkungen auszuweichen. Derzeit verhandeln der junge Unternehmer und die Besitzerin der Liegenschaft über die zukünftige Höhe der Mieten. Es bleibt abzuwarten, ob die Stadt Winterthur ähnliche Regulierungen einführen wird, um die Balance im Wohnungsmarkt wiederherzustellen und die Belastung für die Anwohner zu mindern.





