Das Dolder-Wellenbad in Zürich, kürzlich für 20 Millionen Franken saniert, hat seine Türen wieder geöffnet und präsentiert sich als eine der luxuriösesten Badis der Schweiz. Doch der Neustart im Sommer 2026 ist von geteilten Meinungen und deutlicher Kritik der Badegäste begleitet. Besonders die Gastronomie, fehlende Schattenplätze und hohe Preise sorgen für Diskussionen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Stadt Zürich investierte 20 Millionen Franken in die Sanierung des Dolder-Wellenbads.
- Kritikpunkte umfassen teure und geschmacklose Speisen, lange Wartezeiten im Restaurant und fehlende Schattenplätze.
- Ein Burger kostet 17 Franken, ein Liegestuhl 7 Franken Miete.
- Das Management des Dolder-Wellenbads verspricht laufende Optimierungen, unter anderem bei der Gastronomie.
- Vergleichbare Probleme mit hohen Kosten und mangelnder Infrastruktur zeigen sich auch im Zuger Strandbad nach dessen Umbau.
Luxus-Oase mit Schönheitsfehlern: Die Gastronomie im Fokus
Nach zweijähriger Bauzeit empfängt das Dolder-Wellenbad seine Besucher mit einer Champagner-Lounge und Trüffel-Pommes. Die idyllische Lage am Waldrand hoch über der Stadt verspricht eigentlich ein exklusives Erlebnis. Doch viele Stammgäste äussern sich enttäuscht, insbesondere über das kulinarische Angebot.
Eine langjährige Besucherin, die das Dolder seit drei Jahrzehnten kennt, bezeichnete das Essen als «Katastrophe». Ein einfacher Burger kostet 17 Franken, ohne Beilagen. Für ein Glas Champagner in der exklusiven Lounge werden 16 Franken fällig. Solche Preise stossen bei vielen auf Unverständnis, besonders wenn die Qualität nicht überzeugt.
«Das Catering ist eine Katastrophe. Man zahlt ein Vermögen für wirklich schlechtes Essen und erwartet dann auch noch, dass man hinterher alles abräumt und das Geschirr trennt», kritisiert eine Besucherin in Online-Rezensionen.
Preise im Dolder-Wellenbad (Auswahl)
- Burger: 17 Franken (ohne Pommes)
- Champagner-Cüpli: 16 Franken
- Liegestuhl-Miete: 7 Franken
- Sonnenschirm-Miete: 5 Franken
Lange Wartezeiten und mangelnde Qualität
Neben den hohen Preisen und der oft kritisierten Qualität stören sich die Gäste an den langen Wartezeiten. An heissen Tagen bildet sich oft nur eine einzige Schlange, egal ob man etwas essen, trinken oder ein Eis kaufen möchte. Eine Besucherin berichtete von einer Wartezeit von über einer Stunde, bis sie bedient wurde.
Die Qualität der Speisen wird ebenfalls bemängelt: «Die Salate im Glas standen schon viel zu lange herum und waren matschig, die Pommes waren versalzen und der Fisch alt», heisst es in einer weiteren Rückmeldung. Diese Erfahrungen trüben das luxuriöse Ambiente erheblich.
Schattenmangel und fehlende Schwimmbahnen
Ein weiterer häufig genannter Kritikpunkt ist der fehlende Schatten. Obwohl das Bad am Waldrand liegt, empfinden viele Gäste die Schattenplätze als unzureichend. Wer sich vor der Sonne schützen möchte, muss einen Sonnenschirm für 5 Franken mieten. Ein Liegestuhl kostet zusätzlich 7 Franken.
Sportliche Schwimmer vermissen abgesperrte Bahnen. Eine Wassersportlerin beschreibt, wie sie ständig Kindern ausweichen musste, die ins Wasser sprangen, und küssenden Paaren. Dies erschwert ein ungestörtes Schwimmtraining erheblich.
Das Dolder-Wellenbad im Überblick
Das Dolder-Wellenbad gehört zum Luxushotel Dolder Grand, das im Besitz von Milliardär Urs Schwarzenbach ist. Die Sanierung kostete die Stadt Zürich 20 Millionen Franken. Es ist bekannt für seine Lage oberhalb der Stadt und seinen Anspruch, ein gehobenes Freizeiterlebnis zu bieten.
Reaktion des Managements und geplante Verbesserungen
Joachim Schweier, Sprecher des Dolder, spricht von einem «erfreulichen Saisonstart». Er räumt ein, dass die Erwartungen der Gäste hoch sind und man diese genau beobachte. Insbesondere bei der Gastronomie verspricht er laufende Optimierungen. So wurden bereits ein Getränkeautomat aufgestellt und die Glace-Maschine wieder in Betrieb genommen.
Schweier betont, dass die Preise «mit anderen Badis vergleichbar» seien. Bezüglich des Schattens verweist er auf neu gepflanzte Bäume und eine Pergola oberhalb der Umkleiden. Zudem wurden bereits zweimal zusätzliche Mietschirme angeschafft, um dem Bedarf gerecht zu werden.
Eine separate Schwimmbahn ist laut Schweier nicht vorgesehen, da dies auch vor dem Umbau nicht Teil des Angebots war. Dem Wunsch nach mehr Möglichkeiten für sportliches Schwimmen will man jedoch nachkommen und stellt ein spezielles Morgenschwimmen ab 2027 in Aussicht.
Ein Blick über die Stadtgrenzen hinaus: Zuger Strandbad mit ähnlichen Problemen
Die Sensibilität der Schweizer Bevölkerung, wenn es um die Sanierung ihrer Badis geht, zeigt sich nicht nur in Zürich. Auch das Strandbad am Zugersee wurde für 13 Millionen Franken umgebaut und im Mai wiedereröffnet. Die Reaktionen der Besucher sind dort ebenfalls gemischt.
Gäste in Zug beklagen ein lausiges und teures Gastroangebot, zu wenige Toiletten und fehlende Schattenplätze auf der Liegewiese und rund ums Planschbecken. Die Stadt Zug und der Caterer haben Besserung gelobt und sich für Wartezeiten und Situationen entschuldigt, die «nicht in allen Punkten den Erwartungen entsprochen haben».
Diese Parallelen zeigen, dass die Herausforderung, moderne und gleichzeitig bürgerfreundliche Bäderinfrastruktur zu schaffen, weit verbreitet ist. Die Balance zwischen exklusiven Angeboten und den Bedürfnissen der breiten Bevölkerung scheint schwer zu finden zu sein.
Fazit: Hoher Anspruch trifft auf Realität
Das Dolder-Wellenbad in Zürich steht beispielhaft für die Schwierigkeit, ein traditionsreiches öffentliches Bad in eine moderne Freizeitanlage zu verwandeln, die sowohl Luxus als auch Funktionalität bietet. Die Investition von 20 Millionen Franken hat hohe Erwartungen geweckt, doch die Umsetzung im Detail lässt noch Wünsche offen.
Es bleibt abzuwarten, inwieweit die versprochenen Optimierungen die Gäste zufriedenstellen können. Der Sommer 2026 zeigt deutlich, dass auch in einer luxuriösen Umgebung die grundlegenden Bedürfnisse nach gutem Service, angemessenen Preisen und ausreichender Infrastruktur entscheidend sind.





