In Winkel ZH sorgt eine Spendenaktion für ukrainische Kinder für Enttäuschung. Julia Peters, Präsidentin des Vereins «Good Friends for Ukraine», berichtet von wiederholten Diebstählen aus einer Süssigkeitenbox. Die Situation hat sich laut Peters verschärft, seit der humanitäre Zweck der Spendenaktion offen kommuniziert wird.
Wichtigste Punkte
- Süssigkeitenbox in Winkel ZH für ukrainische Kinder wird geplündert.
- Diebstähle nahmen zu, nachdem der Spendenzweck bekannt wurde.
- Vereinspräsidentin Julia Peters vermutet gezielte Ablehnung.
- Der Verein erlebt seit längerem fremdenfeindliche Angriffe.
- Trotz Rückschlägen setzt der Verein seine Hilfsarbeit fort.
Die Idee: Vertrauen gegen Spende
Der Verein «Good Friends for Ukraine» hatte im April eine einfache, auf Vertrauen basierende Spendenaktion gestartet. Vor dem Vereinsbüro in Winkel ZH wurde eine kleine Box aufgestellt. Darin befanden sich liebevoll verpackte Tüten mit Schokolade. Das Prinzip war klar: Wer sich eine Süssigkeit nimmt, sollte im Gegenzug eine Spende für ukrainische Kinder in Not hinterlassen. Ähnlich einem Hofladen, setzte man auf die Ehrlichkeit der Menschen.
Anfangs funktionierte das System gut. Viele Passanten legten grosszügig Fünfliber oder sogar Zehnfrankennötli in die Box. Nur selten verschwanden Süssigkeiten ohne Gegenleistung. Julia Peters vermutete damals, es handle sich um vereinzelte ungezogene Kinder aus der Umgebung. Die anfängliche Solidarität und Unterstützung war spürbar.
Faktencheck
- Start der Aktion: April
- Ursprüngliche Akzeptanz: Viele grosszügige Spenden
- Aktueller Zustand: Mehrere Diebstähle pro Woche
- Betroffene Artikel: Letzte Woche verschwanden 5 von 7 Süssigkeitentüten
Zunehmende Diebstähle und eine beunruhigende Entwicklung
Die Situation hat sich jedoch in den letzten Monaten drastisch verändert. Julia Peters berichtet von einer deutlichen Zunahme der Diebstähle. «Immer häufiger verschwinden die Süssigkeiten ohne gegenteilige Spende», erklärt sie enttäuscht. Allein in der letzten Woche seien von sieben vorbereiteten Tüten fünf einfach entnommen worden, ohne dass Geld in der Box landete.
Ein entscheidender Wendepunkt war laut Peters das Anbringen eines Schildes, das den Spendenzweck klar kommunizierte: Die Einnahmen helfen ukrainischen Kindern. «Seit ich das Schild aufgehängt habe, das erklärt, dass die Spenden ukrainischen Kindern helfen sollen, ist es plötzlich schlimmer geworden», sagt Peters. Sie sieht darin kein Zufall mehr, sondern ein gezieltes Zeichen der Ablehnung.
«Es scheint, als wollten manche uns gezielt schaden.»
Längere Geschichte von Fremdenfeindlichkeit
Die aktuellen Diebstähle sind kein Einzelfall, sondern fügen sich in eine Reihe von fremdenfeindlichen Angriffen ein, die der Verein seit über einem Jahr erlebt. Bereits vor einem Jahr berichtete die Presse über Hassbriefe und diffamierende Bilder, die an Peters und den Verein gerichtet waren. Darunter befand sich ein Bild mit einer Person, die den Hitlergruss zeigte und eine ukrainische Flagge hielt.
Auch physische Angriffe blieben nicht aus. So wurde Hundekot in den Briefkasten des Vereins gesteckt. Diese Vorfälle zeigen eine besorgniserregende Entwicklung. «Die anfängliche Solidarität ist vielerorts in Ablehnung umgeschlagen», konstatiert Julia Peters mit Bedauern.
Hintergrund der Angriffe
Der Verein «Good Friends for Ukraine» ist nicht zum ersten Mal Ziel von Anfeindungen. Bereits vor einem Jahr gab es Berichte über Hassbriefe und diffamierende Darstellungen. Diese Angriffe verdeutlichen eine Veränderung in der öffentlichen Wahrnehmung und der Solidarität gegenüber Geflüchteten aus der Ukraine.
Zunehmende Anfeindungen
Die Situation hat sich in jüngster Zeit weiter zugespitzt. Erst kürzlich wurde auf dem privaten Spielplatz des Vereins in Winkel ein fremdenfeindlicher Sticker angebracht. Die Botschaft darauf war eindeutig: «Bitte flüchten Sie weiter. Es gibt hier nichts zu wohnen.» Solche direkten und aggressiven Botschaften sind ein deutliches Indiz für die wachsende Ablehnung, mit der der Verein konfrontiert ist.
Trotz allem: Der Kampf geht weiter
Trotz der Enttäuschung und der wiederholten Angriffe will Julia Peters nicht aufgeben. Ihre Entschlossenheit bleibt ungebrochen. «Natürlich demotiviert das, aber wir werden weitermachen. Unsere Arbeit ist zu wichtig», betont sie.
Der Verein «Good Friends for Ukraine» leistet weiterhin wichtige humanitäre Arbeit. Dazu gehören die Organisation von Hilfstransporten, das Sammeln von Spenden und die Unterstützung von geflüchteten Familien in der Schweiz. Für Peters ist klar: «Wenn Kinder in einem Kriegsgebiet hungern, kann ich nicht einfach zuschauen – egal, wie viele Schokoladen uns hier geklaut werden.» Die Mission des Vereins steht über den persönlichen Frustrationen.
Die anhaltende Arbeit des Vereins ist ein wichtiges Zeichen der Hoffnung und der Menschlichkeit in schwierigen Zeiten. Sie zeigt, dass trotz Widerständen und Ablehnung Menschen weiterhin bereit sind, sich für andere einzusetzen und konkrete Hilfe zu leisten.





