Das umfassende Verkehrskonzept Frauenfeld Ost, ein Gemeinschaftsprojekt von Kanton Thurgau, Stadt Frauenfeld und ASTRA, tritt in eine entscheidende Phase. Ab dem 16. Januar 2026 werden die fünf aufeinander abgestimmten Projekte, die die Verkehrssituation im Osten der Stadt massgeblich verbessern sollen, öffentlich aufgelegt. Dies markiert den Beginn der Einsprachefrist für alle Interessierten.
Wichtigste Punkte
- Fünf Projekte zur Verkehrsverbesserung in Frauenfeld Ost liegen öffentlich auf.
- Gesamtkosten belaufen sich auf rund 58.4 Millionen Franken.
- Landenteignungsverfahren für 40 Eigentümer sind eingeleitet.
- Baustart ist für Frühling 2027 geplant, Abschluss 2033.
- Zürcherstrasse Ost ist nach über 30 Jahren sanierungsbedürftig.
Dringende Sanierung und umfassende Erneuerung
Die Zürcherstrasse Ost, eine der wichtigsten Einfallachsen Frauenfelds, hat das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Nach über drei Jahrzehnten intensiver Nutzung ist eine Sanierung unumgänglich. Das Verkehrskonzept Frauenfeld Ost geht jedoch weit über eine reine Strassensanierung hinaus. Es zielt auf eine gesamthafte Verbesserung der Verkehrssituation ab, die alle Verkehrsteilnehmenden berücksichtigt.
Neben dem motorisierten Verkehr werden auch Massnahmen für den öffentlichen Verkehr, Fussgängerinnen und Fussgänger sowie Velofahrerinnen und Velofahrer umgesetzt. Dies soll die Lebensqualität im stark belasteten Osten von Frauenfeld deutlich erhöhen.
Fakten zum Projekt
- Gesamtkosten: 58.4 Millionen Franken
- Anteil ASTRA: 39.9 Millionen Franken
- Anteil Kanton Thurgau: 17.65 Millionen Franken
- Anteil Stadt Frauenfeld: 0.85 Millionen Franken
- Betroffene Eigentümer: 40
- Benötigte Landfläche: 2'423 Quadratmeter
Infrastruktur und Werkleitungen im Fokus
Das Vorhaben ist nicht nur ein reines Strassenprojekt. Es dient auch der umfassenden Sanierung und Erneuerung der Werkleitungen. Die Stadt Frauenfeld verfolgt hier eine klare, langfristige Strategie zur Sicherung und Weiterentwicklung ihrer technischen Infrastruktur. Dies betrifft die Bereiche Abwasserentsorgung, Wasserversorgung und Elektrizitätsversorgung.
Durch diese Werterhaltungs- und Erneuerungsmassnahmen wird die Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit und Zukunftstauglichkeit der Versorgungsnetze sichergestellt. Dies schafft eine zentrale Voraussetzung für die nachhaltige Erschliessung und Versorgung bestehender und zukünftiger Nutzungen im Gewerbe- und Wirtschaftsgebiet.
"Das Verkehrskonzept Frauenfeld Ost ist ein Jahrhundertprojekt. Es verbessert nicht nur den Verkehrsfluss, sondern sichert auch unsere grundlegende Infrastruktur für die kommenden Jahrzehnte", erklärte Regierungsrat Dominik Diezi bei der Projektvorstellung.
Die fünf Teilprojekte im Überblick
Das Verkehrskonzept Frauenfeld Ost besteht aus fünf eng koordinierten Projekten:
- Oststrasse (ASTRA): Fokus auf die Anbindung an die Autobahn.
- Zürcherstrasse Ost (Kanton): Sanierung und Neugestaltung der Hauptachse.
- Zürcher- und Bahnhofstrasse (Kanton): Verbesserung des Verkehrsflusses im Stadtzentrum.
- Langfeldstrasse (Stadt): Lokale Anbindung und Erschliessung.
- Oberkirchstrasse (Stadt): Wichtige Quartierstrasse.
Öffentliche Auflage und Enteignungsverfahren
Alle Projekte liegen vom 16. Januar 2026 bis zum 16. Februar 2026 öffentlich auf. In dieser Zeit haben Bürgerinnen und Bürger sowie Organisationen mit einem schutzwürdigen Interesse die Möglichkeit, Einsprache zu erheben. Dies ist ein wichtiger Schritt im demokratischen Prozess der Projektumsetzung.
Ein sensibler Punkt des Projekts ist der Landerwerb. Für die Neugestaltung des Strassenraums vom Towerkreisel bis zur Erchingerstrasse wird ein Landstreifen von 40 Eigentümerschaften benötigt. Insgesamt handelt es sich um eine Fläche von 2'423 Quadratmetern. Die Grösse der benötigten Flächen pro Eigentümer variiert dabei stark, von 4 Quadratmetern bis zu 168 Quadratmetern. Gebäude sind von den Landbeanspruchungen nicht betroffen.
Hintergrund: Agglomerationsprogramm
Die Projekte Zürcherstrasse Ost sowie Zürcher- und Bahnhofstrasse sind Teil des Agglomerationsprogramms der Stadt Frauenfeld. Um einen Bundesbeitrag von rund 2.9 Millionen Franken zu erhalten, muss bis spätestens 2027 ein bewilligtes Projekt vorliegen und der Baustart erfolgt sein. Dies setzt das Tiefbauamt des Kantons Thurgau unter Zeitdruck.
Das Tiefbauamt des Kantons Thurgau hat in den letzten anderthalb Jahren versucht, das benötigte Land freihändig zu erwerben. Allerdings lehnten einige Grundeigentümer einen Verkauf ab oder stellten Forderungen, die der Kanton nicht erfüllen konnte. Der Regierungsrat hat daher das Tiefbauamt ermächtigt, für die verbleibenden Flächen Enteignungsverfahren einzuleiten. Dieses Vorgehen wird vom Stadtrat Frauenfeld unterstützt, um die fristgerechte Ausführung der Projekte und den Erhalt der Bundesbeiträge zu sichern.
Die Enteignungspläne werden ebenfalls vom 16. Januar 2026 bis zum 16. Februar 2026 öffentlich aufgelegt. Die Enteignungskommission ist für die Durchführung der Verfahren und die Beurteilung der Entschädigungsansprüche zuständig. Verhandlungen zwischen dem Tiefbauamt und den Eigentümern bleiben auch während der öffentlichen Auflage weiterhin möglich.
Zeitplan und Bauphasen
Der Baustart für die kantonalen und städtischen Projekte ist aktuell für den Frühling 2027 vorgesehen. Die Bauzeit für diese Abschnitte beträgt rund zwei Jahre, also von 2027 bis 2029. Das ASTRA-Projekt an der Oststrasse wird voraussichtlich im Jahr 2030 beginnen und eine Bauzeit von rund zweieinhalb Jahren in Anspruch nehmen, bis 2033.
Diese gestaffelte Bauzeit ist notwendig, um die Zufahrten in Frauenfeld Ost möglichst durchgehend sicherzustellen. Der Bauablauf ist aufgrund der zahlreichen Werkleitungen und des neuen Strassenkörpers sehr aufwendig. Die Koordinierung der verschiedenen Bauherren – ASTRA, Kanton und Stadt – ist dabei entscheidend, um unnötige Verzögerungen und Belastungen für die Bevölkerung zu vermeiden.
Die Verbreiterung des Strassenraums zwischen dem Towerkreisel und dem Lindenspitz (Projekt Zürcherstrasse Ost) sowie vom Lindenspitz bis zur Erchingerstrasse (Projekt Zürcher-/Bahnhofstrasse) soll die Verkehrssicherheit und den Verkehrsfluss verbessern.
Die Vorstellung des Verkehrskonzepts erfolgte durch wichtige Vertreter der beteiligten Behörden: Stadtingenieur Sascha Bundi, Stadträtin Andrea Hofmann Kolb, Regierungsrat Dominik Diezi, Kantonsingenieur Hartwig Stempfle und Manuel von Burg vom Bundesamt für Strassen betonten die Wichtigkeit dieses Vorhabens für die Zukunft Frauenfelds.





