Mehrere Zürcher Parteien setzen sich vehement dafür ein, dass die Bezahlung mit Bargeld im öffentlichen Verkehr des Kantons Zürich auch nach 2025 weiterhin möglich bleibt. Insbesondere Kinder, Seniorinnen und Senioren sowie Touristen sollen nicht von der Nutzung des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) ausgeschlossen werden, weil sie keine digitalen Zahlungsmittel besitzen oder nutzen können.
Wichtige Punkte
- Linke Parteien fordern Erhalt der Bargeldzahlung im ZVV.
- Ziel ist die Sicherstellung einer unkomplizierten Nutzung für alle Bevölkerungsgruppen.
- Alternative Vertriebswege wie Kioske werden evaluiert.
- Papier-Mehrfahrtenkarten bleiben vorerst erhalten, aber die Digitalisierung schreitet voran.
- Der Telefonverkauf von Billetten wird als zu aufwendig kritisiert.
Sorge um Barrierefreiheit im ÖV
Die Parteien AL, SP, EVP und Grüne haben ein Postulat eingereicht. Sie möchten vom Regierungsrat wissen, wie er in Zukunft eine unkomplizierte Benutzung des Zürcher ÖV gewährleisten kann. Die Sorge ist gross, dass eine ausschliessliche bargeldlose Bezahlung bestimmte Gruppen benachteiligt.
Seit dem Fahrplanwechsel 2024 ist es in den Bussen bereits nicht mehr möglich, Billette direkt beim Chauffeur zu kaufen. Dies war ein erster Schritt weg von der physischen Bezahlung. Der ZVV führte als Ersatz einen Telefonverkauf ein, doch dieser stösst auf Kritik.
Faktencheck
- Betroffene Gruppen: Kinder, Senioren, Touristen.
- Problem: Fehlende digitale Zahlungsmittel oder Smartphone-Nutzung.
- Aktueller Stand: Kein Billettverkauf mehr beim Busfahrer seit Fahrplanwechsel 2024.
- Telefonverkauf: Erfordert Swisspass und wird als zu aufwendig empfunden.
Kritik am neuen Telefonverkauf
Der neue Telefonverkauf des ZVV sei nach Ansicht der Parteien nicht praktikabel. Er sei viel zu aufwendig und erlaube kein schnelles Lösen eines Billetts an einer Bushaltestelle. Zudem setzt dieser Service den Besitz eines Swisspasses voraus, was für viele Gelegenheitsnutzer oder Touristen eine Hürde darstellt.
«Ein rasches Lösen eines Billetts an einer Busstation ist so nicht möglich. Zudem setzt auch der Telefonverkauf den Besitz eines Swisspasses voraus.»
Diese Bedingungen widersprechen dem Ziel einer barrierefreien und spontanen Nutzung des öffentlichen Verkehrs. Für Familien mit Kindern oder ältere Menschen, die spontan den Bus nehmen möchten, kann dies zu erheblichen Schwierigkeiten führen.
Hintergrund der Debatte: Alliance SwissPass
Ein wesentlicher Auslöser für den politischen Vorstoss ist die Ankündigung der Branchenorganisation Alliance SwissPass. Diese hatte mitgeteilt, dass die ÖV-Branche ab 2025 nicht mehr verpflichtet sein wird, physische Mehrfahrtenkarten und die dazugehörigen Entwerter-Geräte anzubieten. Dies signalisiert eine klare Richtung hin zur Digitalisierung.
Obwohl der ZVV bereits angekündigt hat, dass die papiernen Mehrfahrtenkarten bis auf Weiteres im Sortiment bleiben, sehen die linken Parteien darin keine langfristige Lösung. Sie befürchten, dass diese Übergangslösung irgendwann ausläuft und die vollständige Digitalisierung kommt.
Hintergrundinformation
Die Alliance SwissPass ist die Dachorganisation des Schweizer öffentlichen Verkehrs für den nationalen Tarif- und Vertriebsverbund. Sie fördert die Digitalisierung im ÖV und vereinheitlicht die Ticketing-Systeme. Die Entscheidung, die Pflicht für papierene Mehrfahrtenkarten aufzuheben, ist Teil dieser Strategie.
Vorschläge für alternative Vertriebswege
Die Parteien fordern den Regierungsrat auf, alternative, analoge Vertriebswege zu prüfen. Eine denkbare Lösung sei der Billettverkauf in Kiosken, wie er bereits in anderen Ländern praktiziert wird. Dies würde eine niederschwellige Möglichkeit schaffen, auch ohne Smartphone oder Kreditkarte an ein gültiges Ticket zu kommen.
Solche Massnahmen könnten die Befürchtungen der betroffenen Bevölkerungsgruppen zerstreuen und sicherstellen, dass der öffentliche Verkehr für alle zugänglich bleibt. Es geht darum, eine Balance zwischen der fortschreitenden Digitalisierung und den Bedürfnissen der gesamten Bevölkerung zu finden.
Die Digitalisierung bietet viele Vorteile, doch sie darf nicht dazu führen, dass Menschen vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden. Bargeldlose Systeme sind effizient, aber nicht jeder kann oder will sie nutzen. Die Forderung zielt darauf ab, diese Lücke zu schliessen.
Wie geht es weiter?
Der Regierungsrat wird sich in den kommenden Wochen zu den Forderungen der Parteien äussern. Danach gelangt das Postulat zur Beratung in den Kantonsrat. Es bleibt abzuwarten, welche Lösungen der Regierungsrat vorschlagen wird, um eine unkomplizierte Nutzung des ZVV für alle zu gewährleisten.
Die Diskussion zeigt, wie wichtig es ist, die sozialen Auswirkungen technologischer Entwicklungen genau zu prüfen. Der öffentliche Verkehr ist ein grundlegender Bestandteil der Infrastruktur und muss für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich sein, unabhängig von ihren digitalen Fähigkeiten oder Zahlungsgewohnheiten.
Die Entscheidung über die Zukunft der Bargeldzahlung im ZVV wird weitreichende Konsequenzen haben. Sie betrifft die Mobilität von Tausenden von Menschen im Kanton Zürich. Ein ausgewogener Ansatz, der sowohl moderne Technologien nutzt als auch traditionelle Zahlungsmethoden respektiert, scheint hier der Schlüssel zu sein.





