Ein unscheinbarer Acker im Flaacherfeld, bewirtschaftet von der Familie Bachmann, hat die Ackerflora-Meisterschaft 2025 gewonnen. Dieser Erfolg überraschte selbst die Bauernfamilie. Der 40 Aren grosse Acker zeichnet sich durch seine aussergewöhnliche Pflanzenvielfalt aus, die in der modernen Landwirtschaft selten geworden ist. Er wurde für seine Rolle bei der Förderung der Biodiversität ausgezeichnet und zeigt, wie traditionelle Bewirtschaftungsmethoden und Naturschutz Hand in Hand gehen können.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Acker der Familie Bachmann in Flaach wurde Ackerflora-Meister 2025.
- Der 40 Aren grosse Acker ist für seine Artenvielfalt bekannt, darunter seltene Pflanzen wie der Venus-Frauenspiegel.
- Die Bewirtschaftung erfolgt unter strengen Auflagen des Kantons, einschliesslich eingeschränkter Düngung und Verbot von Spritzmitteln.
- Die Familie Bachmann erhält eine einmalige Prämie von 2000 Franken zusätzlich zu den bestehenden Entschädigungen.
- Das Projekt unterstreicht die Bedeutung von Ackerbegleitpflanzen für die Insektenwelt und die Bestäubungsleistungen.
Ein unerwarteter Sieg für die Biodiversität
Der Acker der Familie Bachmann liegt im Flaacherfeld. Auf den ersten Blick wirkt er im Novembergrau unscheinbar. Doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich eine reiche Artenvielfalt am Ackersaum. Hier wachsen vertrocknete Kornblumenstängel, Rosetten von Wiesenknopf, Schafgarbe und Flockenblumen. Diese Pflanzen sind bereits in den Startlöchern, um im nächsten Jahr in voller Pracht zu erblühen.
Ernst Bachmann, der den Hof Anfang des Jahres an seine Tochter Tanja übergeben hat, erinnert sich an die Überraschung. «Wir waren schon ziemlich überrascht, als es hiess, wir hätten gewonnen», sagt er. «Dass der Acker so besonders ist, haben wir nicht erwartet.» Er hat den besonderen Acker von Anfang an begleitet und ist noch immer eine wichtige Stütze des Betriebs.
Faktencheck
- Grösse des Ackers: 40 Aren
- Auszeichnung: Ackerflora-Meisterschaft 2025
- Prämie: 2000 Franken
- Bewirtschaftung: Konventioneller Milch- und Ackerbaubetrieb
Besondere Bewirtschaftung für spezielle Pflanzen
Der prämierte Acker gehört seit einer Melioration im Flaacherfeld nicht mehr der Familie Bachmann, sondern dem Kanton. Die Bachmanns bewirtschaften ihn weiterhin, jedoch unter strengen Auflagen. Diese umfassen eine eingeschränkte Düngung nur mit Hofdünger und ein striktes Verbot von Spritzmitteln. Die Fruchtfolge ist getreidebetont, die Saatgutmenge wird reduziert.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Stoppelbrache bis zur Saatbettvorbereitung der Folgekultur stehen bleibt. Eine mechanische Bodenbearbeitung nach der Saat ist nicht erlaubt. Um konkurrenzstarke Pflanzen wie Blacke und Distel am Überhandnehmen zu hindern, werden sie von Hand gejätet. Dies ist ein arbeitsintensiver Prozess.
«Ja, es ist aufwändig und der Ertrag ist geringer. Aber der Boden hier ist sowieso eher mager, sandig und wenig tiefgründig. Und wir werden ja dafür entschädigt», erklärt Ernst Bachmann.
Die einmalige Prämie von 2000 Franken aus der Ackerflora-Meisterschaft 2025 ist eine zusätzliche Anerkennung für diesen Aufwand.
Der Venus-Frauenspiegel: Ein violetter Blickfang
Im Sommer setzen klassische Ackerbegleiter wie Kornblumen und Klatschmohn mit ihren blauen und roten Blüten farbliche Akzente. Besonders auffällig ist jedoch der violette Teppich des Venus-Frauenspiegels (Legousia speculum-veneris). Diese Art wird als verletzlich eingestuft und ist in vier Schweizer Kantonen sogar geschützt.
Tanja Bachmann, die in einem 40-Prozent-Pensum Pflanzenbau an einer Landwirtschaftlichen Schule unterrichtet, hebt die Bedeutung hervor. «Es gibt nicht viele violett blühende Arten auf unseren Äckern», sagt sie. «Deshalb ist der Venus-Frauenspiegel besonders interessant, da möglichst viele Blütenfarben unterschiedliche Insekten anziehen.»
Trotz ihres Fachwissens gibt Tanja Bachmann zu: «Viele der Arten hier kannte ich vorher nicht.» Der Verein Hot Spots hat einen Fächer mit über 50 beschriebenen Ackerflora-Arten entwickelt, der zur Sensibilisierung dient und ihr beim Bestimmen hilft.
Hintergrund der Ackerflora-Meisterschaft
Die Ackerflora-Meisterschaft wird von verschiedenen Naturschutzorganisationen ins Leben gerufen, um die Bedeutung von Ackerbegleitpflanzen für die Biodiversität hervorzuheben. Sie belohnt Landwirte, die sich für den Erhalt seltener Arten auf ihren Feldern einsetzen. Diese Pflanzen sind oft auf den speziellen Lebensraum von Äckern angewiesen und könnten in unberührten Naturschutzgebieten nicht überleben.
Wie Ackerbegleiter sich verbreiten
Mohn und Kornblumen wachsen schon lange auf dem Bachmann-Acker. Andere Arten hat Ernst Bachmann in Absprache mit dem Kanton gezielt eingesät. Der Erfolg zeigt sich auch in den umliegenden Feldern, wo sich ausgehend vom prämierten Acker wieder mehr Blumen angesiedelt haben. Tanja Bachmann kann sie mithilfe des Artenfächers bestimmen.
Die Verbreitung der Samen erfolgt auf verschiedene Weisen: Einige verbreiten sich mit dem Wind, andere, wie der Acker-Hahnenfuss, haften im Fell von Tieren. Kleinsamige Arten wie der Klatschmohn gelangen über Stroh in den Kuhstall und von dort als Mist zurück auf das Feld, wo sie verteilt werden.
Pflanzen wie Ranken-Platterbse, Venuskamm, Ackersenf oder Acker-Rittersporn sind seit der Jungsteinzeit, also seit Beginn des Ackerbaus, auf Getreidefeldern zu finden. Sie sind an diesen Lebensraum angepasst und würden in einem klassischen Naturschutzgebiet, das kaum bearbeitet wird, nicht überleben. Die intensive Landwirtschaft hat jedoch zu ihrem Verschwinden geführt.
Die Bedeutung für Insekten und Ökosysteme
Die Vielfalt der Pflanzen auf den Äckern ist entscheidend für die Biodiversität. Jessica Käser, Projektleiterin bei Hot Spots für die «Förderung seltener Ackerbegleitpflanzen auf Extensiv-Äckern», betont dies. «Für eine möglichst intakte Biodiversität sind vielfältige Pflanzen, die Nahrung für zahlreiche Insekten bieten, zentral», erklärt sie.
Diese Insekten spielen wiederum eine unverzichtbare Rolle bei der Bestäubung von Nutzpflanzen. Man schätzt den jährlichen Nutzwert der Bestäubungsleistungen in der Schweiz auf 205 bis 479 Millionen Franken. Der Schutz dieser kleinen Ökosysteme ist daher nicht nur ein Beitrag zum Naturschutz, sondern hat auch einen direkten wirtschaftlichen Nutzen.
Tanja Bachmann sieht den Nutzen solcher Strukturen zur Förderung der Biodiversität klar. «Ich sehe den Nutzen durchaus von solchen Strukturen zur Förderung der Biodiversität», sagt sie. «Und irgendwo müssen sie ja sein. Von daher finde ich das eine gute Sache, die ich sicher weiter fördern werde.» Der Gewinn des Ackerflorapreises 2025 motiviert die Familie Bachmann zusätzlich, diesen Weg fortzusetzen und ein Vorbild für nachhaltige Landwirtschaft zu sein.





