Die Meyer Orchideen AG, das grösste Orchideen-Produktionsunternehmen der Schweiz, stellt seinen Betrieb in Wangen-Brüttisellen ZH nach über 60 Jahren ein. Der Familienbetrieb, der für seine nachhaltige Produktion bekannt war, sieht sich gezwungen, aufgrund des massiven Preisdrucks aus dem Ausland zu schliessen. Aktuell läuft ein Abverkauf der verbleibenden Pflanzen zu stark reduzierten Preisen.
Wichtigste Punkte
- Meyer Orchideen schliesst nach über 60 Jahren Betrieb.
- Der Hauptgrund ist der Preisdruck durch ausländische Konkurrenz, insbesondere aus den Niederlanden.
- Ein Abverkauf der letzten Pflanzen läuft mit stark reduzierten Preisen.
- Das Gelände wird zum «Futura-Park» umgestaltet, einem Zentrum für nachhaltige Pflanzeninnovationen.
- Vier der 18 Mitarbeitenden finden im neuen Konzept eine Weiterbeschäftigung.
Das Ende einer langen Tradition
Hanspeter Meyer, der Inhaber des Familienbetriebs, kündigte das Ende bereits im Sommer 2025 an. Die Entscheidung fiel schwer. Er betonte, dass er sich nie als «Orchideen-König» sah, sondern stets die Freude und Zufriedenheit seiner Kunden in den Vordergrund stellte. Der persönliche Kontakt zur Kundschaft war ihm immer besonders wichtig.
Die Gärtnerei war seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Schweizer Gartenlandschaft. Sie stand für Qualität und eine umweltfreundliche Produktion. Viele Kunden bedauern die Schliessung des Traditionsbetriebs.
Wichtige Zahlen
- 60 Jahre: Dauer des Familienbetriebs Meyer Orchideen.
- 10 Franken: Oftmals übersteigen die Produktionskosten einer Orchidee diesen Wert.
- 18 Mitarbeitende: Anzahl der Beschäftigten vor der Schliessung.
- 4 Mitarbeitende: Anzahl der Mitarbeitenden, die im neuen «Futura-Park» weiterarbeiten können.
- 2011: Seit diesem Jahr arbeitet das Unternehmen klimaneutral.
Massiver Preisdruck aus dem Ausland
Der Hauptgrund für die Schliessung liegt im immensen Preisdruck, der von ausländischen Händlern ausgeht. Besonders Produzenten aus den Niederlanden bieten Orchideen zu Preisen an, die in der Schweiz kaum zu realisieren sind. Hanspeter Meyer beschreibt diese Preise als «viel zu billig».
Die herkömmlichen Produktionskosten für eine Orchidee bei Meyer Orchideen überschreiten oft die 10-Franken-Marke. Bei einigen mehrjährigen Sorten sind die Kosten sogar deutlich höher. Ausländische Konkurrenten profitieren oft von Subventionen, die Schweizer Betriebe nicht erhalten. Dies verzerrt den Wettbewerb erheblich und macht es für lokale Produzenten schwierig, mithalten zu können.
«Zwar sah ich mich nie als Orchideen-König, aber wir möchten unseren Kundinnen und Kunden noch Freude bereiten.»
Hanspeter Meyer
Ein Blick in die Zukunft: Der Futura-Park
Trotz des Endes der klassischen Orchideenproduktion gibt es Hoffnung für das Gelände. Per 1. Januar 2026 übernimmt Hanspeter Meyers Onkel Andreas Meyer, 88 Jahre alt, den Betrieb. Gemeinsam mit Hanspeter Meyer, seiner Frau Sabine und Vater Peter wird das Unternehmen zu einer Zukunftsgärtnerei namens «Futura-Park» umgestaltet.
Das Konzept des Futura-Parks konzentriert sich auf die Förderung innovativer und grüner Ideen rund um Pflanzen. Das Ziel ist es, eine Plattform für Forschung und Entwicklung zu schaffen. Forschungsinstitute wie die ETH sowie Start-ups können auf dem Gelände Flächen für eigene Projekte mieten. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für nachhaltige Lösungen und Innovationen im Pflanzenbereich.
Nachhaltigkeit im Fokus
Nachhaltigkeit war schon immer ein Kernwert bei Meyer Orchideen. Das Unternehmen arbeitete bereits seit 2011 klimaneutral. Es nutzte Regenwasser für die Bewässerung, bezog Photovoltaikstrom aus eigenen Anlagen und setzte auf Heizungen mit Holzschnitzeln sowie Grundwasser-Wärmepumpen. Diese umweltfreundlichen Praktiken sollen im Futura-Park fortgesetzt und weiterentwickelt werden.
Ein weiteres geplantes Projekt ist eine Auffangstation für Pflanzen. Hier sollen ausgediente Pflanzen ein «zweites Leben» erhalten. Dies unterstreicht das Engagement für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft.
Mitarbeitende und das Familienerbe
Von den ursprünglich 18 Mitarbeitenden können vier im neuen Konzept des Futura-Parks weiterbeschäftigt werden. Dies ist ein kleiner Lichtblick in einer ansonsten schwierigen Übergangsphase. Für Hanspeter Meyer ist die Übernahme durch seinen Onkel ein Glücksfall.
Er sieht darin nicht nur eine Möglichkeit, das Familienerbe in anderer Form weiterzuführen, sondern auch die Chance, neue, nachhaltige Wege zu beschreiten. Der Wandel vom traditionellen Orchideenbetrieb zu einem Innovationszentrum für Pflanzen unterstreicht die Anpassungsfähigkeit der Familie Meyer und ihr Engagement für eine grüne Zukunft.
Die Meyer Orchideen AG war über sechs Jahrzehnte ein Vorreiter in der Schweizer Orchideenproduktion. Ihr Ende markiert das Ende einer Ära, aber der Übergang zum Futura-Park zeigt einen Weg in eine innovative und nachhaltige Zukunft für das Gelände in Wangen-Brüttisellen.





