Die stillgelegte Zuckerfabrik Frauenfeld hat ihren Betrieb am 3. Januar mit reduzierter Kapazität wieder aufgenommen. Dies bringt Erleichterung für viele Schweizer Rübenbauern, die seit Anfang Dezember auf die Abholung ihrer Ernte warten. Eine Notlösung ermöglicht die Weiterverarbeitung der Zuckerrüben, während die Unsicherheit über mögliche finanzielle Einbussen bei den Landwirten bestehen bleibt.
Wichtigste Punkte
- Zuckerfabrik Frauenfeld läuft seit 3. Januar wieder mit halber Kapazität.
- Der Kalkofen bleibt defekt, Rohstoffe werden extern beschafft.
- Rund 20 Prozent der geernteten Zuckerrüben warten noch auf Abholung.
- Qualitätsverlust und tieferer Zuckergehalt könnten zu geringeren Einnahmen führen.
- Die Schweizer Zucker AG prüft Ende Januar mögliche Entschädigungen.
Betriebsaufnahme nach langem Stillstand
Nach wochenlangem Stillstand ist die Zuckerfabrik Frauenfeld wieder in Betrieb. Ein defekter Kalkofen hatte Anfang Dezember die Zuckerproduktion in der Schweiz stark beeinträchtigt. Nur die Fabrik in Aarberg konnte die Rüben verarbeiten. Viele Bauern mussten ihre geernteten Zuckerrüben auf den Feldern lagern, was Sorgen um Qualität und Erlös aufkommen liess.
Die Schweizer Zucker AG fand eine Notlösung: Statt den defekten Kalkofen zu nutzen, werden gebrannter Kalk und flüssiges CO₂ extern zugekauft. Dadurch kann die Fabrik Frauenfeld seit dem 3. Januar wieder produzieren, wenn auch nur mit der Hälfte ihrer maximalen Leistung von 400 Tonnen pro Tag. Dies entlastet die Bauern, die lange auf die Abholung warteten.
Auswirkungen auf die Rübenbauern
Für Urs Schär aus Fraubrunnen kam die Abholung seiner 180 Tonnen Zuckerrüben Ende Dezember gerade noch rechtzeitig. Er spricht von einem "blauen Auge". Andere Bauern wie Rolf König, ebenfalls aus Fraubrunnen, warten noch immer auf die Abholung ihrer rund 200 Tonnen Rüben. Er befindet sich weiter hinten auf dem Abholplan.
"Ich hoffe, dass dem speziellen Umstand Rechnung getragen wird", sagt Rolf König. "Beeinflussen kann ich es aber nicht."
Die lange Lagerzeit auf den Feldern birgt Risiken. Je länger die Rüben unverarbeitet bleiben, desto stärker können Qualität und Zuckergehalt abnehmen. Ein geringerer Zuckergehalt bedeutet für die Bauern letztlich weniger Geld pro Tonne. Die Schweizer Zucker AG hat ein Infoschreiben an alle rund 3800 Schweizer Rübenbauern verschickt, um die Unsicherheit zu adressieren.
Fakten zur Zuckerrübenernte
- Schweizweit warten noch etwa 20 Prozent der geernteten Zuckerrüben auf die Abholung.
- Die Saison in Aarberg wird sich aufgrund der Verzögerungen bis Mitte Februar verlängern.
- Die Fabrik Frauenfeld arbeitet derzeit mit 50 Prozent ihrer Kapazität.
Qualität der Rüben und mögliche Entschädigungen
Die Frage nach finanziellen Entschädigungen für Qualitätsverluste ist zentral. Die Schweizer Zucker AG hat angekündigt, dass Vertreter der Fabriken und der Bauern Ende Januar zusammenkommen werden. Dort soll über mögliche Massnahmen und Entschädigungen entschieden werden. Erst dann lässt sich abschliessend beurteilen, wie es tatsächlich um die Qualität der Rüben steht.
Raphael Wild, Mediensprecher der Schweizer Zucker AG, weist auf einen glücklichen Umstand hin: die kalten Temperaturen. Eine gefrorene Rübe sei grundsätzlich eine gute Rübe, da ihre Qualität in diesem Zustand konserviert werden kann. Dies könnte die befürchteten Qualitätsverluste mindern.
Hintergrund der Verzögerungen
Der Ausfall des Kalkofens in der Zuckerfabrik Frauenfeld ereignete sich mitten in der Erntesaison. Dies führte dazu, dass die gesamte Schweizer Zuckerproduktion vorübergehend auf die Fabrik in Aarberg konzentriert werden musste. Die Ernte 2023 war zudem historisch gut, was die Kapazitätsprobleme zusätzlich verschärfte.
Appell an die Bauern
Die Schweizer Zucker AG appelliert an die Bauern, ihre noch auf den Feldern lagernden Rüben möglichst gut abzudecken. Dies schützt die Ernte vor Witterungseinflüssen. Zudem sollen faulende Ware umgehend gemeldet werden. Ein deutlicher Temperaturanstieg könnte die Situation verschärfen und zu einem rascheren Verfall der Rüben führen, was die Verarbeitung erschweren würde.
Die kommenden Wochen werden zeigen, welche finanziellen Auswirkungen die Verzögerungen für die einzelnen Rübenbauern haben werden und welche Lösungen im Dialog zwischen Fabriken und Landwirten gefunden werden können. Die reduzierte Produktion in Frauenfeld ist ein wichtiger Schritt zur Normalisierung der Lage.





