Der Flughafen Zürich entwickelt sich zunehmend zu einem beliebten Rückzugsort für Hunde und ihre Besitzer in der Silvesternacht. Während vielerorts Feuerwerke gezündet werden, finden empfindliche Vierbeiner hier dank strenger Sicherheitsvorschriften und schallisolierter Gebäude eine Oase der Ruhe. Immer mehr Hotels am Flughafen bieten zudem spezielle Angebote für Gäste mit Hunden an, um den Jahreswechsel stressfrei zu gestalten.
Wichtige Erkenntnisse
- Flughäfen sind wegen Feuerwerksverbot und Schallisolierung ruhige Zonen für Hunde.
- Der Flughafen Zürich ist an Silvester und am 1. August ein beliebter Zufluchtsort.
- Flughafenhotels bieten spezielle Pakete für Hunde an, die Nachfrage steigt.
- Hundehalter nehmen weite Wege in Kauf, um ihren Tieren eine stressfreie Nacht zu ermöglichen.
Silvester: Eine Herausforderung für viele Hunde
Für viele Menschen gehört ein lautes Feuerwerk fest zum Silvesterabend. Doch für unzählige Hunde in der Schweiz bedeutet diese Nacht oft puren Stress und Panik. Die lauten Knallgeräusche und hellen Blitze können bei Tieren Angstzustände auslösen, die sich in Zittern, Fluchtversuchen oder stundenlangem Verstecken äussern.
Tierärzte und Verhaltensforscher bestätigen, dass die Geräuschempfindlichkeit bei Hunden variiert, aber viele Rassen und individuelle Tiere stark unter dem Lärm leiden. Dies führt dazu, dass Hundebesitzer jedes Jahr nach Lösungen suchen, um ihren Lieblingen diese Tortur zu ersparen.
Faktencheck: Angst bei Hunden
- Geräuschempfindlichkeit: Hunde hören deutlich besser als Menschen, was laute Knaller noch intensiver macht.
- Fluchtinstinkt: Panik kann dazu führen, dass Hunde weglaufen und sich verlaufen.
- Langfristige Folgen: Wiederholter Stress kann zu Verhaltensproblemen führen.
Flughäfen als sichere Häfen
Die Sicherheitsbestimmungen an Flughäfen verbieten ausnahmslos das Abbrennen von Feuerwerk in der Nähe der Anlagen. Zusätzlich sind die Terminalgebäude oft schallisoliert, um den Fluglärm zu dämpfen. Diese Kombination macht Flughäfen zu einer idealen «böllerfreien Zone» für lärmempfindliche Tiere.
Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland und Schweden nutzen Hundebesitzer diese Möglichkeit. Der Flughafen Paderborn/Lippstadt in Deutschland lädt explizit dazu ein, Silvester im Terminal zu verbringen. Dort gibt es sogar Gastronomie und ein Programm einer Hundeschule. Auch die Flughäfen Frankfurt, München und Köln/Bonn werben gezielt mit ihrer Ruhe. Die schwedische Flughafenbetreiberin Swedavia öffnet die Langzeitparkplätze an ihren drei grössten Flughäfen kostenlos für Hundebesitzer.
«Es gelten bei uns die üblichen Regeln: Hunde müssen beispielsweise an der Leine geführt werden und dürfen nicht frei herumlaufen», erklärt Jasmin Bodmer-Breu, Senior Mediensprecherin des Flughafens Zürich.
Der Flughafen Zürich: Ein beliebter Zufluchtsort
Der Flughafen Zürich hat sich in den letzten Jahren als bevorzugter Ort für Hundebesitzer etabliert, die ihren Tieren eine ruhige Silvesternacht ermöglichen möchten. Auch am 1. August, wenn in vielen Gemeinden Feuerwerke gezündet werden, suchen Menschen hier mit ihren Vierbeinern Schutz. Obwohl es keine speziellen Lounges oder Zonen für Hunde gibt, bietet die allgemeine Ruhe des Flughafengeländes ausreichend Schutz.
Die Nachfrage nach Flughafenhotels über Silvester ist stark gestiegen. Marija Grossmann, Director of Marketing and Communications der Hyatt-Hotels im Circle, berichtet von einem speziellen «Happy Dog»-Angebot seit drei Jahren. Dieses Paket umfasst eine Übernachtung, ein Hundebett, einen Fressnapf und einen Restaurant-Voucher.
Hintergrund: Hotelangebote für Haustiere
Die steigende Sensibilität für Haustierbedürfnisse hat dazu geführt, dass immer mehr Hotels haustierfreundliche Angebote entwickeln. Dies reicht von speziellen Annehmlichkeiten im Zimmer bis hin zu Dienstleistungen wie Hundesitting.
Deutlicher Anstieg der Nachfrage in Flughafenhotels
Die Hyatt-Hotels empfangen über Silvester etwa 150 bis 180 Hunde. Marija Grossmann bestätigt, dass die Nachfrage seit 2024 deutlich zugenommen hat. Neben Hunden sind auf Anfrage auch andere Haustiere willkommen. «Neben Hunden reisen vereinzelt Katzen an, einmal hatten wir sogar einen Papagei», berichtet Grossmann.
Auch die Radisson Blu Hotels am Terminal und in Rümlang sind auf den Ansturm vorbereitet. Hoteldirektor Chris Jung erinnert sich, dass das Thema vor 20 Jahren kaum eine Rolle spielte. «Heute nehmen Hundehalterinnen und Hundehalter das Thema sehr bewusst wahr», sagt er. Viele Gäste kommen jedes Jahr wieder.
Das Radisson Blu am Terminal rechnet mit 70 bis 90 Gästen mit Hunden, was etwa einem Viertel der 330 Zimmer entspricht. Das Hotel ist an Silvester bereits ausgebucht. Im Hotel in Rümlang sind es weitere 30 bis 40 Hundehalter. Ein Zimmer am Terminal kostet etwa 330 Franken pro Nacht, in Rümlang rund 225 Franken.
Persönliche Erfahrungen: «Wie ein kleiner Ferienausflug»
Jean-Claude, ein Hundebesitzer aus der Region, wich mit seiner Frau und ihrem zwölfjährigen Hund Jashko bereits am 1. August ins Radisson Blu am Flughafen Zürich aus. «Mit dem Alter werden Hunde schreckhafter», erklärt er. Die Erfahrung war äusserst positiv.
«Das Hotel ist extrem schalldicht», sagt Jean-Claude. «Man hat das Feuerwerk praktisch nicht gehört.» Er fügt hinzu: «Man merkt sofort, dass alle aus dem gleichen Grund da sind. Dem Hund hat es gefallen, er hat gut geschlafen. Und für uns war es irgendwie auch lustig. Man geht mit einem kleinen Koffer an den Flughafen – fast wie ein kleiner Ferienausflug.»
Auch Celina (29) suchte letztes Jahr mit ihrem Tierschutzhund Peanut Zuflucht in einem Flughafenhotel. Peanut ist von Natur aus unsicher und leidet bereits ab Mitte Dezember unter dem Böllern. Obwohl der Aufenthalt dreimal so teuer war wie eine normale Nacht, war es ihr wichtig, ihrem Hund einen entspannten Abend zu ermöglichen.
Celina merkt jedoch an, dass das Problem nicht nur auf Silvester beschränkt ist: «Leider wird auch in der ersten Januarwoche weiter geböllert, deswegen hat es am Ende nicht wahnsinnig viel genützt.» Dies zeigt, dass das Bedürfnis nach ruhigen Zonen über den Jahreswechsel hinaus besteht.
Tipps für zu Hause: So schützen Sie Ihre Haustiere
Verhaltenstierärztin Andrea Heiniger gibt Ratschläge, wie Haustierbesitzer ihre Vierbeiner auch zu Hause schützen können:
- Geräuschdämmung: Schliessen Sie Fensterläden und lassen Sie Radio, Musik oder den Fernseher laufen, um den Lärm zu überdecken.
- Ablenkung: Bieten Sie Kauspielzeuge oder Spiele an. Die Nähe der Bezugsperson kann ebenfalls beruhigend wirken.
- Rückzugsort: Suchen Sie einen ruhigen Raum auf, wie zum Beispiel den Keller. Wichtig ist, das Tier nicht alleine zu lassen und den Raum bereits vor Silvester zu üben, damit er kein unbekannter Ort ist.
- Tagesablauf anpassen: Planen Sie eine lange Gassi-Runde am Morgen und eine letzte kurze Runde an einem ruhigen Ort am Abend. Bei stark panischen Hunden sollte man am Silvesterabend gar nicht mehr nach draussen gehen.
- Medikamentöse Unterstützung: Manche Medikamente können angstlösend wirken. Sie müssen jedoch richtig dosiert und nach tierärztlicher Beratung eingesetzt werden. Für mildere Fälle gibt es auch Futterzusätze, Pheromone oder Bachblüten. Bei panischer Angst sind verschreibungspflichtige Präparate in Absprache mit dem Tierarzt eine Option.
Diese Massnahmen können helfen, den Stress für Haustiere zu minimieren und ihnen eine möglichst ruhige Silvesternacht zu ermöglichen, sei es zu Hause oder an einem sicheren Ort wie dem Flughafen Zürich.





