Die Meyer Orchideen AG, einst die grösste Orchideenproduktion der Schweiz in Wangen-Brüttisellen ZH, stellt ihren Betrieb ein. Nach über 60 Jahren Familientradition im Orchideenanbau beendet Hanspeter Meyer diesen Geschäftszweig. Doch das weitläufige Gelände von 25'000 Quadratmetern wird nicht brachliegen. Stattdessen entsteht dort der «Futura-Park», eine innovative Zukunftsgärtnerei, die sich neuen grünen Ideen widmet.
Wichtige Punkte
- Die Meyer Orchideen AG beendet nach 60 Jahren die Orchideenproduktion.
- Ausverkauf mit Rabatten von bis zu 90 Prozent läuft.
- Das Unternehmen wird in den Futura-Park umgewandelt.
- Der Futura-Park fördert innovative Pflanzenforschung und Nachhaltigkeit.
- Ein Teil der Belegschaft bleibt im neuen Betrieb erhalten.
Ein Ende der Orchideenproduktion
Die Entscheidung, die Orchideenproduktion einzustellen, fiel bereits im Sommer 2025. Hanspeter Meyer, der den Betrieb in zweiter Generation führte, nennt den intensiven Wettbewerb aus dem Ausland als Hauptgrund. Insbesondere niederländische Produzenten können Orchideen zu Preisen anbieten, mit denen Schweizer Betriebe kaum mithalten können.
«Niederländische Händler produzieren Orchideen zu Preisen, bei denen wir nicht mithalten wollen», erklärt Meyer. Seine Produktionskosten für eine herkömmliche Orchidee liegen über 10 Franken, bei mehrjährigen Sorten sogar deutlich höher. Ausländische Massenproduzenten profitieren zudem von Subventionen, die seinem Unternehmen fehlen.
Faktencheck
- Die Meyer Orchideen AG war die grösste Orchideenproduktion der Schweiz.
- Das Unternehmen war seit 2011 klimaneutral.
- Produktionsfläche für Orchideen betrug 14'000 Quadratmeter.
- Der Ausverkauf bietet Orchideen ab 2.50 Franken an.
Grosser Ausverkauf der edlen Pflanzen
Um das Lager zu räumen, findet derzeit ein grosser Ausverkauf statt. Kunden können Orchideen zu stark reduzierten Preisen erwerben. Es gibt Rabatte von bis zu 90 Prozent, wobei viele Pflanzen für unter 10 Franken, einige sogar für nur 2.50 Franken erhältlich sind. Meyer möchte so möglichst vielen Kunden eine Freude bereiten.
Der Ausverkauf markiert das Ende einer Ära. Seit 1962 hatte der Familienbetrieb, gegründet von Hanspeters Vater auf dem Hof des Grossvaters, Zierpflanzen gezüchtet und verkauft. Hanspeter Meyer hatte die Orchideenzucht ab 2002 massgeblich ausgebaut und Hunderte von Sorten angeboten.
Nachhaltigkeit als Kernwert
Über die Jahre hat die Meyer Orchideen AG stets grossen Wert auf Nachhaltigkeit und Innovation gelegt. Der Betrieb war seit 2011 klimaneutral. Der gesamte Wasserbedarf wurde durch Regenwasser gedeckt, der Strom kam von einer Photovoltaikanlage und geheizt wurde mit Holzschnitzeln sowie einer Grundwasser-Wärmepumpe. Diese Prinzipien sollen auch im neuen Projekt weiterleben.
Hintergrundinformation
Familienbetriebe wie die Meyer Orchideen AG prägen oft über Generationen hinweg die lokale Wirtschaft und Gemeinschaft. Sie stehen jedoch zunehmend unter Druck durch globalen Wettbewerb und sich ändernde Marktbedingungen. Die Umstrukturierung zu einem innovativen Konzept zeigt einen Weg auf, wie solche Betriebe ihre Existenz sichern können.
Geburt des Futura-Parks: Eine Zukunftsgärtnerei
Die Geschichte des Familienbetriebs endet jedoch nicht ganz. Nach zweijähriger Suche fand Hanspeter Meyer einen Käufer: seinen Onkel Andreas Meyer (88). Dieser hat die Gärtnerei per 1. Januar 2026 übernommen. Hanspeter Meyer, seine Frau Sabine und sein Vater Peter bleiben ebenfalls an Bord. Gemeinsam wandeln sie den Familienbetrieb in den sogenannten Futura-Park um.
Der Futura-Park soll eine Zukunftsgärtnerei werden, die innovative, grüne Ideen rund um Pflanzen fördert. Hanspeter Meyer erklärt das Konzept: «Wir wollen mit Forschungsanstalten wie der ETH und Start-ups zusammenarbeiten. Diese können für eigene Projekte zu Pflanzen und Nachhaltigkeit Flächen bei uns mieten.» Das gesamte Grundstück, einschliesslich 15 Gewächshäusern, Lagerflächen und Wasserspeichern, bietet auf 25'000 Quadratmetern ausreichend Platz.
«Pflanzen sind oft ein Wegwerfprodukt. Das soll sich im Futura-Park nun ändern.»
Hanspeter Meyer
Ein zweites Leben für Pflanzen
Ein weiteres innovatives Element des Futura-Parks ist eine geplante Auffangstation für Pflanzen. Oft werden Pflanzen entsorgt, wenn sie nicht mehr gebraucht oder gepflegt werden können. Im Futura-Park sollen Menschen ihre Pflanzen stattdessen vorbeibringen können, um ihnen ein zweites Leben zu schenken. Dies ist ein wichtiger Schritt gegen die Wegwerfmentalität.
Vier der ursprünglich 18 Mitarbeitenden können im neuen Betrieb weiterbeschäftigt werden. Die anderen ehemaligen Angestellten haben laut Hanspeter Meyer bereits neue Arbeitsplätze gefunden. Für Hanspeter Meyer selbst ist die Übernahme durch seinen Onkel ein Glücksfall. Andreas Meyer, mit seinen 88 Jahren, sieht das Projekt als ein weiteres Abenteuer.
Ein Kämpfer für Nachhaltigkeit
Hanspeter Meyer beschreibt seinen Onkel Andreas als eine inspirierende Persönlichkeit: «Er ist ein Kämpfer für Menschenrechte und Nachhaltigkeit und dazu mit Herz und Seele Unternehmer.» Diese Werte sollen den Futura-Park prägen und ihm zu einer erfolgreichen Zukunft verhelfen.
Die Transformation von einer traditionellen Orchideenproduktion zu einem Zentrum für Pflanzenforschung und Nachhaltigkeit zeigt, wie Familienbetriebe sich an neue Herausforderungen anpassen können, während sie ihren Kernwerten treu bleiben.





