Der beliebte Recycling-Dienstleister «We Recycle» aus Kemptthal (ZH) hat seinen Betrieb eingestellt und befindet sich in Liquidation. Tausende Kunden, die ein Abonnement für die bequeme Abholung von gemischtem Recycling-Material besassen, stehen nun vor verschlossenen Türen und nicht abgeholten Säcken.
Wichtigste Punkte
- «We Recycle» befindet sich in Liquidation.
- Tausende Abonnenten sind betroffen.
- Seit Anfang November werden keine Säcke mehr abgeholt.
- Die Kommunikation des Unternehmens ist mangelhaft.
- Ein Rechtsstreit scheint die Ursache zu sein.
Betrieb eingestellt: Kunden bleiben im Ungewissen
Seit Anfang November dieses Jahres funktioniert der Service von «We Recycle» nicht mehr. Das Unternehmen, das über Jahre hinweg Säcke mit gemischtem Recycling-Material wie Glas, PET, Karton und Aluminium direkt bei Haushalten und Firmen abholte, hat seine Dienstleistungen eingestellt. Dies betrifft mehrere tausend Abonnenten, die auf diesen Service vertrauten.
Die offizielle Website des Unternehmens gibt keine klare Auskunft über die Situation. Bis vor kurzem war es sogar noch möglich, neue Abonnements zu kaufen, obwohl der Dienst bereits eingestellt war. Diese Praxis hat bei vielen Kunden für grossen Ärger gesorgt.
Faktencheck
- Sitz des Unternehmens: Kemptthal, Kanton Zürich
- Betroffene Kunden: Mehrere tausend Haushalte und Firmen
- Dienstleistung: Abholung von gemischtem Recycling (Glas, PET, Karton, Alu)
- Zeitpunkt der Einstellung: Anfang November 2025
Mangelnde Kommunikation und enttäuschte Abonnenten
Ein Kunde aus dem Kanton Aargau berichtete, Anfang November eine Mitteilung über Personalmangel erhalten zu haben. Ihm wurde versprochen, dass Ende November doppelt so viele Säcke abgeholt würden. Dieses Versprechen wurde nie eingelöst. Seither seien alle Versuche, «We Recycle» telefonisch oder per E-Mail zu erreichen, erfolglos geblieben.
«Vor allem, dass die noch bis Ende November neue Abos verkauft haben. Das ist schon krass.»
Die Enttäuschung bei den Kunden ist gross. Viele fühlen sich im Stich gelassen und betrogen. Eine Kundin aus dem Kanton Zürich, deren Abo noch Monate gültig gewesen wäre, trat aufgrund der mangelnden Leistung schriftlich aus ihrem Vertrag aus. Sie bedauert die Situation, da sie mit dem Service bisher immer zufrieden war.
Späte und vage Mitteilung per SMS
Erst am 2. Dezember 2025, Wochen nach der tatsächlichen Einstellung des Dienstes, erhielten Kunden eine SMS von «We Recycle». Darin hiess es, der Geschäftsbetrieb sei «aufgrund eines Gerichtsurteils» vorübergehend eingestellt worden. Das Unternehmen versprach, «mit Hochdruck an der Lösung» zu arbeiten, um die Sammlungen wieder aufnehmen zu können.
Diese Nachricht, die unserer Redaktion vorliegt, ist die einzige offizielle Stellungnahme des Unternehmens an seine Kunden. Anfragen per E-Mail werden lediglich mit einer Standardantwort beantwortet, die auf «unvorhersehbare Umstände» verweist und um Verständnis bittet. Das Telefon des Unternehmens ist weiterhin nicht besetzt.
Hintergrundinformationen
Das Konzept von «We Recycle» ermöglichte es Kunden, verschiedene Wertstoffe in einem einzigen Sack zu sammeln, was als besonders bequem galt. Solche gemischten Sammelsysteme stossen jedoch immer wieder auf Herausforderungen bei der Sortierung und Wiederverwertung, was zu Diskussionen über deren Effizienz führt. In der Schweiz gibt es eine anhaltende Debatte über die Einführung eines nationalen Systems nach dem Vorbild des deutschen «Gelben Sacks».
Liquidation und Rechtsstreitigkeiten
Laut Handelsregister ist die Zürcher Firma Holenstein Brusa Ltd für die Liquidation von «We Recycle» verantwortlich. Diese verweist auf Nachfrage an die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA).
Die FINMA äussert sich grundsätzlich nicht zu laufenden Verfahren oder Details einzelner Fälle. Sie betont jedoch, dass sie «Hinweise auf mögliche Verletzungen von Schweizer Finanzmarktrecht konsequent nachgeht und bei Bedarf die erforderlichen Massnahmen zur Wiederherstellung des ordnungsgemässen Zustands ergreift».
Ein Blick in den Handelsregister-Eintrag zeigt, dass um «We Recycle» und die eng verbundene «Recycling Services AG» bereits seit längerem ein Rechtsstreit im Gange ist. Ein Bundesgerichtsentscheid in dieser Angelegenheit liegt seit Mitte September vor. Dies deutet darauf hin, dass die Probleme tiefer liegen als nur Personalmangel.
Was bedeutet das für die Kunden?
Für die tausenden Abonnenten bedeutet die Liquidation, dass sie ihre bereits bezahlten Leistungen nicht mehr erhalten werden. Ob und in welcher Form eine Rückerstattung für nicht genutzte Abo-Laufzeiten erfolgen wird, ist derzeit unklar. Kunden müssen sich voraussichtlich an den Liquidator wenden, um ihre Forderungen anzumelden.
Die Situation wirft erneut Fragen zur Transparenz und zum Konsumentenschutz bei Abo-Modellen auf, insbesondere wenn Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Details über die Gründe des plötzlichen Endes von «We Recycle» bekannt werden und welche Konsequenzen dies für die Verantwortlichen haben wird.
- Rechtliche Schritte: Kunden sollten ihre Ansprüche beim Liquidator geltend machen.
- Alternativen suchen: Betroffene müssen sich nun nach anderen Recycling-Möglichkeiten umsehen.
- Lektion für Konsumenten: Die Wichtigkeit, Vertragsbedingungen genau zu prüfen und bei Vorauszahlungen Vorsicht walten zu lassen, wird einmal mehr deutlich.





