Die Stadt Winterthur steht vor einem gewaltigen Infrastrukturprojekt: Die städtische Kläranlage in Wülflingen soll für rund 288 Millionen Franken modernisiert und erweitert werden. Diese umfassende Sanierung ist notwendig, um dem anhaltenden Bevölkerungswachstum gerecht zu werden und neue Umweltauflagen zu erfüllen. Die Bürgerinnen und Bürger werden im kommenden Jahr über die Finanzierung entscheiden.
Wichtige Punkte
- Die Kläranlage Winterthur wird für 288 Millionen Franken ausgebaut.
- Ziel ist die Beseitigung von Mikroverunreinigungen und eine höhere Stickstoffelimination.
- Die Bauarbeiten erstrecken sich über rund zehn Jahre.
- Die Abwassergebühren werden voraussichtlich erhöht.
- Die Anlage bedient über 140'000 Menschen aus Winterthur und zwölf Gemeinden.
Notwendigkeit des Ausbaus: Bevölkerungswachstum und Umweltauflagen
Die bestehende Kläranlage in Wülflingen stösst an ihre Kapazitätsgrenzen. Mit über 140'000 angeschlossenen Einwohnern aus Winterthur und zwölf umliegenden Gemeinden ist sie eine der zehn grössten Anlagen der Schweiz. Das kontinuierliche Bevölkerungswachstum in der Region erfordert dringend eine Anpassung der Infrastruktur.
Doch nicht nur die Menge des Abwassers stellt eine Herausforderung dar. Neue gesetzliche Vorgaben auf Bundes- und Kantonsebene zwingen die Stadt, die Reinigungsleistung massiv zu verbessern. Es geht um den Schutz unserer Gewässer vor schädlichen Substanzen.
Fakten zur Kläranlage Winterthur
- Reinigt jährlich rund 20 Milliarden Liter Abwasser.
- Versorgt über 140'000 Menschen.
- Gehört zu den zehn grössten Kläranlagen der Schweiz.
Mikroverunreinigungen: Eine neue Herausforderung
Arzneimittelrückstände, Hormone und Kosmetika gelangen heute in geringsten Mengen, sogenannten Mikroverunreinigungen, in unsere Gewässer. Diese Substanzen sind für die Umwelt schädlich und müssen effektiv entfernt werden. Der Bund hat reagiert und rund hundert grosse Kläranlagen in der Schweiz verpflichtet, eine zusätzliche Reinigungsstufe einzubauen.
Winterthur plant hierfür ein modernes Verfahren mit granulierter Aktivkohle. Diese Technologie ist bekannt für ihre hohe Effizienz bei der Adsorption verschiedener Mikroverunreinigungen. Für die neue Reinigungsstufe ist der Bau eines eigenen Gebäudes vorgesehen. Der Bund beteiligt sich an den Investitionskosten für diese zusätzliche Stufe, was die finanzielle Last für die Stadt etwas mindert.
Stickstoffelimination wird verschärft
Neben den Mikroverunreinigungen gibt es auch neue kantonale Vorschriften zur Stickstoffelimination. Bisher mussten rund 50 Prozent des Stickstoffs aus dem Abwasser entfernt werden. Zukünftig sind es 70 Prozent. Stickstoffverbindungen können in Gewässern zu Überdüngung und Algenblüten führen, was das ökologische Gleichgewicht stört.
„Die Investitionen sind unumgänglich, um unsere Gewässer für kommende Generationen zu schützen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, so der Winterthurer Stadtrat.
Umfangreiche Bauarbeiten über ein Jahrzehnt
Das Modernisierungsprojekt ist äusserst komplex. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich rund zehn Jahre in Anspruch nehmen. Eine besondere Herausforderung dabei ist, dass die Kläranlage während der gesamten Bauzeit in Betrieb bleiben muss. Es ist nicht möglich, die Anlage einfach abzuschalten.
Dies erfordert eine sorgfältige Planung und etappenweise Umsetzung, um die Abwasserreinigung durchgehend zu gewährleisten. Neben der neuen Reinigungsstufe sind auch neue Becken und eine verbesserte Notstromversorgung geplant. Eine zuverlässige Notstromversorgung ist entscheidend, damit die Anlage auch bei einem Stromausfall weiterarbeiten kann und keine ungeklärten Abwässer in die Umwelt gelangen.
Warum Notstromversorgung?
Ein Ausfall der Kläranlage bei Stromunterbruch hätte gravierende Folgen für die Umwelt. Ungeklärtes Abwasser würde in Flüsse und Seen gelangen, was zu massiver Verschmutzung und ökologischen Schäden führen könnte. Eine robuste Notstromversorgung ist daher ein kritischer Bestandteil moderner Infrastrukturprojekte.
Finanzierung und steigende Abwassergebühren
Die Gesamtkosten für den Ausbau belaufen sich auf 288 Millionen Franken. Eine derart hohe Investition wird sich direkt auf die Abwassergebühren auswirken. Der Stadtrat hält fest, dass eine Erhöhung der Gebühren für alle angeschlossenen Gemeinden unumgänglich sein wird. Genaue Zahlen dazu liegen derzeit noch nicht vor, werden aber im Vorfeld der Abstimmung kommuniziert.
Die Bevölkerung wird im kommenden Jahr über dieses Grossprojekt abstimmen. Eine breite Information und Transparenz sind dabei entscheidend, um die Akzeptanz für die notwendigen Investitionen zu gewinnen. Es handelt sich um eine Langzeitinvestition in die Lebensqualität und den Umweltschutz der Region.
Blick in die Zukunft: Weitere Projekte geplant
Der aktuelle Ausbau ist nur der erste Schritt in einer Reihe von Modernisierungen. Die Stadt Winterthur hat bereits angekündigt, dass in den kommenden Jahrzehnten noch weitere Umbauprojekte an der Kläranlage folgen werden. Dies unterstreicht die langfristige Strategie, die Abwasserinfrastruktur kontinuierlich an die Bedürfnisse einer wachsenden Bevölkerung und strengere Umweltstandards anzupassen.
Die Erhaltung einer sauberen Umwelt und die Sicherstellung einer funktionierenden Infrastruktur sind zentrale Aufgaben einer modernen Stadtverwaltung. Die geplante Investition in die Kläranlage ist ein klares Bekenntnis Winterthurs zu diesen Werten.





