Der Zoo Zürich hat die Zusammenarbeit mit der ursprünglich beauftragten Stahlbaufirma für die neue Pantanal-Voliere beendet. Grund dafür sind schwerwiegende Vertragsverletzungen und unterschiedliche finanzielle Vorstellungen. Die Entscheidung bedeutet einen erheblichen finanziellen Schaden für den Zoo, der das Projekt nun mit einer anderen Firma fortsetzen muss.
Wichtige Punkte
- Der Zoo Zürich beendete die Zusammenarbeit mit der Stahlbaufirma für die Pantanal-Voliere.
- Hauptgründe sind Nichteinhaltung von Terminen, mangelnde Präzision und finanzielle Differenzen.
- Rund 9.5 Millionen Franken wurden bereits an die Firma gezahlt.
- Der Zoo erwartet einen grossen finanziellen Schaden, plant aber keine Klage.
- Die Pantanal-Voliere ist eine zentrale Attraktion, die zu 90 Prozent selbst finanziert wird.
Hintergrund des Bauvorhabens
Die Pantanal-Voliere ist ein ambitioniertes Projekt des Zoos Zürich. Sie soll eine der Hauptattraktionen werden und den Besuchern ein einzigartiges Erlebnis bieten. Der Zoo finanziert knapp neunzig Prozent des Baus selbst. Die restlichen zehn Prozent werden durch Betriebssubventionen gedeckt. Das Projekt gilt als bautechnisch sehr komplex.
Die Wahl der Stahlbaufirma erfolgte bewusst. Der Verwaltungsratspräsident des Zoos, Martin Naville, betonte, dass der gute Ruf und die Schweizer Basis der Firma entscheidend waren. Man erwartete eine hohe Qualität und Zuverlässigkeit für dieses anspruchsvolle Vorhaben.
Chronologie der Probleme
Bereits früh im Projektverlauf zeigten sich erste Schwierigkeiten. Es wurde deutlich, dass die Firma Termine und die geforderte Präzision nicht einhalten konnte. «Wir haben schon früh gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt», sagte Martin Naville. Trotz intensiver Bemühungen und sogenannter «Krisengespräche» konnten die Probleme nicht gelöst werden.
Die genau festgelegten Formate des Baus wurden von der Firma nicht eingehalten. Ursprünglich war vereinbart, dass die Baufirma die Bögen produzieren und aufrichten sollte. Doch die gelieferten Teile passten nicht. Der Zoo musste zusätzliche Ressourcen bereitstellen, um die Montage zu ermöglichen.
«Über zig Monate haben wir versucht das Projekt zu realisieren», erklärte Zoodirektor Severin Dressen. Er bedauerte, dass man nicht bereits zu Beginn Testbauteile eingefordert hatte.
Faktencheck
- 90 Prozent der Baukosten werden vom Zoo selbst getragen.
- 10 Prozent stammen aus Betriebssubventionen.
- 9.5 Millionen Franken wurden bereits an die ehemalige Baufirma gezahlt.
Finanzielle und vertragliche Streitigkeiten
Die Zusammenarbeit endete im Dezember des letzten Jahres, nachdem die Verhandlungen mit der Stahlbaufirma abgebrochen wurden. Zoodirektor Severin Dressen nannte «unterschiedliche finanzielle Vorstellungen» und «schwerwiegende Vertragsverletzungen seitens der Stahlbaufirma» als Hauptgründe für die Trennung.
Die Stahlbaufirma Baltensperger hatte Mitte Januar öffentlich Stellung bezogen. Thomas Baltensberger sprach von einem «Spottpreis» seitens des Zoos. Er führte aus, dass die Bodenkonstruktion hätte verstärkt werden müssen und der Zoo die Mehrkosten dafür nicht übernehmen, sondern von den Stahlbögen abziehen wollte.
Der Zoo hatte sein finanzielles Angebot mehrfach erhöht, um einen Kompromiss zu finden. Das Resultat bezeichnete der Zoo jedoch als «unverständlich». Die bereits gefertigten Bogenteile, die das Netz der Voliere tragen sollten, mussten daraufhin eingeschmolzen werden. Dies verdeutlicht das Ausmass der Fehlplanung und der mangelnden Passgenauigkeit.
Hintergrund zum Pantanal
Das Pantanal ist eines der grössten Binnenland-Feuchtgebiete der Welt, bekannt für seine aussergewöhnliche Artenvielfalt. Der Zoo Zürich möchte mit der Voliere ein möglichst authentisches Erlebnis dieses Ökosystems schaffen, um Besucher für den Naturschutz zu sensibilisieren. Das Projekt ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Modernisierung und Erweiterung der Anlage.
Die Sicht des Zoos und die Konsequenzen
Die Zooleitung äusserte sich am Donnerstag zu den Vorkommnissen. «Wir sind heute nicht gerne da», hiess es. Die öffentliche Beschwerde der Baufirma habe den Zoo dazu veranlasst, die Fakten darzulegen. Zoodirektor Dressen wies Vorwürfe der Gleichgültigkeit und Arroganz zurück. Er betonte die langen Bemühungen des Zoos, das Projekt gemeinsam zu realisieren.
Der Verwaltungsratspräsident Martin Naville räumte ein, dass man einen «harten Entscheid» treffen musste. «Wir haben gemerkt, dass wir nicht mit der besagten Firma bauen können.» Ein Plan B wurde organisiert. Ohne diesen Schritt hätte es eine Bauruine gegeben. Naville bezeichnete die gesamte Situation als einen «Leidensweg».
Für den Zoo bedeutet das Projekt einen grossen finanziellen Schaden. Trotzdem ist keine Klage wegen Schadensersatz geplant. Dies deutet auf den Wunsch hin, die Angelegenheit abzuschliessen und sich auf die Fertigstellung der Voliere zu konzentrieren. Die Herausforderung besteht nun darin, mit einem neuen Partner die Qualität und den Zeitplan sicherzustellen.
Blick in die Zukunft
Die Fertigstellung der Pantanal-Voliere bleibt für den Zoo Zürich von zentraler Bedeutung. Sie soll ein Highlight für die Gäste werden und zur Bildungs- und Artenschutzmission des Zoos beitragen. Die Erfahrungen aus diesem gescheiterten Projekt werden sicherlich in zukünftige Bauvorhaben einfliessen. Die sorgfältige Auswahl von Partnern und eine engere Überwachung der Baufortschritte dürften dabei im Fokus stehen.
Die Öffentlichkeit verfolgt die Entwicklungen gespannt. Die Zooleitung steht vor der Aufgabe, das Vertrauen in das Projekt wiederherzustellen und die Fertigstellung der Voliere ohne weitere Verzögerungen zu gewährleisten. Das Ziel bleibt, den Besuchern bald ein beeindruckendes Stück Pantanal in Zürich präsentieren zu können.





