Die Stadt Frauenfeld erlebt einen deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Wohnraum. Besonders kleine Wohnungen, wie 2,5-Zimmer-Einheiten, sind gefragt. Dies zeigt eine aktuelle Masterarbeit von drei Immobilienfachleuten der Ostschweizer Fachhochschule (OST).
Wichtige Erkenntnisse
- Die Nachfrage nach kleinen Wohnungen in Frauenfeld übersteigt das Angebot.
- Einpersonenhaushalte, ältere Menschen und junge Berufstätige bevorzugen kompakte Wohnungen.
- Mietpreise steigen, liegen aber noch unter dem nationalen Durchschnitt.
- Die Bautätigkeit stagniert trotz schneller Baubewilligungen.
- Experten empfehlen vermehrt den Bau kleinerer Wohnungen und Umnutzungen.
Frauenfeld, die Hauptstadt des Kantons Thurgau, wird immer beliebter. Mit knapp 27.000 Einwohnern zieht die Stadt viele Menschen an. Besonders Zuzüger aus dem Kanton Zürich oder Arbeitskräfte aus Deutschland suchen hier eine neue Heimat. Diese Entwicklung führt zu einer Wohnraumnachfrage, die schweizweit über dem Durchschnitt liegt.
Steigende Nachfrage, steigende Mieten
Die zunehmende Beliebtheit Frauenfelds hat direkte Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt. Die Mietpreise steigen kontinuierlich an. Trotzdem bleiben sie im Vergleich zum nationalen Durchschnitt noch attraktiv. Dies macht die Stadt für viele Menschen finanziell interessant.
Faktencheck Wohnungsmarkt Frauenfeld
- Bevölkerung: Knapp 27.000 Einwohner
- Wohnraumnachfrage: Über dem Schweizer Durchschnitt
- Mietpreise: Steigen, aber noch unter nationalem Durchschnitt
- Leerstandsquote: Stetig gesunken in den letzten Jahren
Drei Immobilienfachleute – Edon Demaj, Natasa Moravac und Catarina Silva – haben sich in ihrer Masterarbeit intensiv mit der Situation auseinandergesetzt. Sie alle haben einen persönlichen Bezug zum Thurgau. «Uns war es wichtig, die spezifischen Gegebenheiten und Herausforderungen dieser Region zu verstehen und zu dokumentieren», erklärt Catarina Silva. Ihre Analyse umfasste die Entwicklung des Mietwohnungsmarktes, Bevölkerungstrends und Befragungen von Behördenmitgliedern und Immobilienexperten.
Keine Wohnungsnot, aber angespannter Markt
Obwohl die Situation angespannt ist, sprechen die Experten noch nicht von einer akuten Wohnungsnot in Frauenfeld. Natasa Moravac betont, dass es in der Schweiz keine einheitliche Definition für Wohnungsnot gibt. Verschiedene Indikatoren zeigen jedoch, dass der Markt unter Druck steht.
«Wir würden noch nicht von einem Wohnungsmangel in Frauenfeld sprechen», fasst Natasa Moravac zusammen. «Allerdings ist die Leerstandsquote in den letzten Jahren stetig gesunken.»
Die hohe Nachfrage führt dazu, dass preisgünstige Wohnungen schnell vergeben sind. Dies ist ein klares Zeichen für einen angespannten Markt. Gleichzeitig wird ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum prognostiziert, was den Druck weiter erhöht. Hinzu kommt, dass die Bautätigkeit stagniert. Dies liegt hauptsächlich an steigenden Baukosten. Die Bearbeitung von Baubewilligungen erfolgt im Thurgau hingegen schnell.
Fehlende kleine Wohnungen
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die wachsende Nachfrage nach kleineren Wohnungen. Edon Demaj hebt hervor, dass der Bau von 2,5-Zimmer-Wohnungen besonders sinnvoll wäre. Der Markt wird zunehmend von Einpersonenhaushalten, älteren Menschen und jungen Berufstätigen geprägt. Diese Gruppen suchen kompakte, moderne und bezahlbare Wohnungen, die zudem wenig Unterhalt erfordern.
Hintergrund: Demografischer Wandel
Der demografische Wandel führt zu einem Anstieg von Einpersonenhaushalten und einer älter werdenden Bevölkerung. Diese Gruppen haben spezifische Wohnbedürfnisse, die sich von denen klassischer Familien unterscheiden. Kleinere, barrierefreie und gut angebundene Wohnungen gewinnen dadurch an Bedeutung.
Die Diskrepanz zwischen der hohen Nachfrage nach kleinen Wohnungen und dem geringen Neubauangebot in diesem Segment ist überraschend. «Diese Erkenntnis hat uns verdeutlicht, dass der Wohnungsmarkt in diesem Bereich nicht ausreichend auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abgestimmt ist», erklärt Edon Demaj.
Standardisierte Planung versus tatsächlicher Bedarf
Die Immobilienfachleute stellen fest, dass Planungsprozesse oft ohne eine fundierte Analyse der tatsächlichen Marktanforderungen ablaufen. Statt gezielt auf die Nachfrage einzugehen, werden häufig standardisierte Lösungen umgesetzt. Diese entsprechen nicht immer den aktuellen demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Dieses Ungleichgewicht ist besonders in urbanen Gebieten spürbar, wo der Bedarf an kleineren, erschwinglichen Wohnungen stetig wächst.
Eine der vorgeschlagenen Strategien zur Entschärfung der Situation ist der vermehrte Bau kleinerer Wohnungen. Die Analyse zeigt, dass das Bedürfnis nach kleinem Wohnraum kein kurzfristiger Trend ist, sondern eine Entwicklung, die sich seit über einem Jahrzehnt abzeichnet.
Vorteile für Investoren und nachhaltige Lösungen
Für Investoren bieten kleinere Wohnungen klare Vorteile. Die Experten betonen: «Kleinere Wohnungen bringen mehr Rendite, sprechen eine breite Zielgruppe an und lassen sich schneller wieder vermieten.» Dies könnte Anreize für Bauherren schaffen, mehr in dieses Segment zu investieren.
Um einem Wohnungsmangel entgegenzuwirken, empfehlen die Immobilienfachleute weitere Massnahmen. Dazu gehören die Förderung von Umnutzungen bestehender Gebäude und die frühzeitige Projektierung von Bauvorhaben. Angesichts der Entwicklung hin zur «10-Millionen-Schweiz» wird der Druck auf den Wohnungsmarkt weiter zunehmen.
Dies erfordert innovative Ansätze und eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Nur so lassen sich nachhaltige Lösungen finden. Bei der Planung neuer Quartiere muss beispielsweise nicht nur die bauliche Gestaltung berücksichtigt werden. Auch die Auswirkungen auf den Verkehr und die notwendige Infrastruktur wie Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und öffentliche Verkehrsanbindungen sind entscheidend. Nur so können Quartiere wirklich lebenswert gestaltet werden.





