Flugreisende atmen die höchste Konzentration an Schadstoffen ein, wenn ihr Flugzeug noch am Boden steht. Dies zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, die auf Messungen an europäischen Flughäfen basieren. Besonders betroffen sind Passagiere während des Ein- und Aussteigens sowie beim Rollen des Flugzeugs auf dem Vorfeld. Die Luftqualität in der Kabine ist auf Reiseflughöhe hingegen deutlich besser.
Wichtige Erkenntnisse
- Passagiere sind am Boden, insbesondere beim Boarding und Taxiing, der höchsten Feinstaubbelastung ausgesetzt.
- Die Luftqualität in der Flugzeugkabine verbessert sich auf Reiseflughöhe erheblich.
- Flughafenareale weisen generell erhöhte Schadstoffkonzentrationen auf, vergleichbar mit verkehrsreichen Stadtgebieten.
- Ultrafeinstaub und Russ können von Flugzeugtriebwerken, Bodenfahrzeugen und sogar Reifenabrieb stammen.
- Langfristige Exposition gegenüber Feinstaub birgt erhebliche Gesundheitsrisiken wie Lungenkrebs und Herzinfarkte.
Luftqualität am Boden deutlich schlechter
Ein französisches Forscherteam hat die Luftqualität in Flugzeugen untersucht. Sensoren auf Sitzen von 16 Linienflügen vom Pariser Flughafen Charles de Gaulle zu verschiedenen europäischen Zielen lieferten die Daten. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin «Environment International» veröffentlicht.
Die Studie ergab, dass die Luftqualität in der Kabine auf Reiseflughöhe optimal war. Dort wurden die niedrigsten Konzentrationen von Ultra-Feinstaubpartikeln (UFP) und Russpartikeln (BC) gemessen. Anders verhielt es sich, wenn das Flugzeug am Boden war. Während des Ein- und Aussteigens sowie beim Rollen auf dem Vorfeld waren die Passagiere der stärksten Belastung ausgesetzt.
Faktencheck: Feinstaubbelastung
Passagiere am Boden waren durchschnittlich einer Feinstaubbelastung ausgesetzt, die doppelt so hoch war wie der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als «hoch» definierte Wert.
Ursachen der hohen Schadstoffwerte
Die Forscher erklären die hohen Feinstaubwerte mit der generell erhöhten Luftbelastung auf und um Flughäfen. Nach dem Start filtert die Klimaanlage die verschmutzte Luft allmählich aus der Kabine. Bereits beim Landeanflug sinkt die Luftqualität jedoch wieder. Dies könnte an der erhöhten Partikelkonzentration in der Nähe von Flugrouten liegen. Auch die Windrichtung spielte möglicherweise eine Rolle.
"Flughafenareale sind für erhöhte Schadstoffbelastungen bekannt. Ultrafeine Partikel und Russ stammen nicht nur von Triebwerken, sondern auch von anderen Quellen auf dem Flughafengelände."
Eine Messung im Herbst 2022 am Flughafen Charles de Gaulle zeigte, dass die UFP-Werte im Flughafenbereich mit denen entlang der Ringautobahn von Paris vergleichbar waren. Obwohl Flugzeugtriebwerke als Hauptverursacher gelten, tragen auch andere Quellen auf dem Flughafengelände zur Belastung bei. Dazu gehören Fahrzeuge und Generatoren. Zudem setzen abgeriebene Reifen, Bremsen und Asphalt weitere Partikel frei.
Weitreichende Verteilung der Schadstoffe
Feinstaub ist nicht nur auf den Flughäfen selbst ein Problem. Auch in der Luft des Umlands lassen sich erhöhte Konzentrationen feststellen. Ultrafeine Partikel vom Flughafen Charles de Gaulle konnten in einer Entfernung von mehr als 5 Kilometern nachgewiesen werden. Vom Flughafen Heathrow aus verteilen sie sich sogar im gesamten Westen und Zentrum Londons.
Hintergrund: Ultrafeine Partikel (UFP)
Ultrafeine Partikel sind Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 100 Nanometern. Aufgrund ihrer geringen Grösse können sie tief in die Lunge eindringen und sogar in den Blutkreislauf gelangen. Sie werden mit einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht.
Gesundheitliche Auswirkungen von Luftverschmutzung
Dreckige und belastete Luft kann gravierende gesundheitliche Folgen haben. Schmutzige Luft führt zu mehr Lungenkrebs und Herzinfarkten. Auch die Häufigkeit von Atemwegserkrankungen wie Asthma steigt an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit jedes Jahr rund 7 Millionen Menschen vorzeitig durch Luftverschmutzung sterben. In der Schweiz sind es laut Hochrechnungen allein durch Feinstaub etwa 2200 pro Jahr.
Ultrafeinstaub steht zudem im Verdacht, Krankheiten wie Demenz, Alzheimer und Parkinson zu begünstigen. Die langfristige Exposition gegenüber diesen Partikeln stellt ein ernsthaftes Problem dar, insbesondere angesichts der weltweit zunehmenden Flugreisen.
Massnahmen und lokale Situation
Am Flughafen Zürich wurden in den Jahren 2019 und 2020 erstmalig die Anzahl ultrafeiner Partikel gemessen. Kurz vor der Covid-19-Pandemie betrug die UFP-Konzentration im Mittel rund 20’000 Partikel pro Kubikzentimeter Luft. Im Vergleich mit anderen Standorten war die Belastung erhöht.
Der Flughafen Zürich betont auf seiner Website, dass die Emissionen des Flughafens und des Flugbetriebs bescheidene Auswirkungen auf die Luftschadstoffsituation in der Region hätten. Zwar würden die Grenzwerte auf dem Vorfeld und entlang der Hauptverkehrsachsen punktuell überschritten. Die Belastung mit Schadstoffen sinke jedoch mit zunehmender Entfernung rasch. Die Luftbelastung sei nicht höher als in anderen urbanen Regionen der Schweiz.
- Regelmässige Messungen: Flughäfen wie Zürich führen Messungen durch, um die Partikelkonzentrationen zu überwachen.
- Emissionskontrolle: Es gibt Bestrebungen, die Emissionen von Flugzeugen und Bodenfahrzeugen zu reduzieren.
- Gesundheitsschutz: Das Bewusstsein für die Risiken von Feinstaub soll geschärft werden, um Passagiere und Flughafenpersonal zu schützen.
Die Forschungsergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Massnahmen zur Verbesserung der Luftqualität an Flughäfen. Dies betrifft sowohl die direkten Emissionen als auch die allgemeine Umweltqualität in deren Einzugsgebieten.





