Die Stadt Winterthur ändert ihre Praxis beim Umgang mit abgestorbenen Bäumen. Anstatt sie vollständig zu entfernen, sollen die Stämme künftig als sogenannte «Biotopbäume» stehen bleiben. Diese Entscheidung zielt darauf ab, wertvollen Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren, Pflanzen und Pilzen zu schaffen und die Artenvielfalt in urbanen Gebieten zu fördern.
Wichtigste Punkte
- Abgestorbene Bäume werden nicht mehr vollständig gefällt, sondern als «Biotopbäume» belassen.
- Die Stämme dienen als Lebensraum für Spechte, Eulen, Fledermäuse, Insekten und Pilze.
- Die neue Praxis wird nur dort angewendet, wo keine Sicherheitsrisiken für Verkehrsteilnehmende bestehen.
- Oft wird ein Jungbaum direkt neben dem Biotopbaum gepflanzt, um ihm Schutz zu bieten.
- Die Verrottung des Holzes über Jahrzehnte hinweg unterstützt das Ökosystem.
Ein Paradigmenwechsel im städtischen Grünflächenmanagement
Die Stadt Winterthur setzt ein Zeichen für mehr Naturschutz im urbanen Raum. Bislang war es gängige Praxis, tote oder stark geschädigte Bäume komplett zu entfernen. Mit der neuen Richtlinie wird die Kettensäge nur noch zum Stutzen eingesetzt. Der Grossteil des Stammes bleibt stehen und erfüllt eine neue Funktion im Ökosystem der Stadt.
Diese Massnahme ist Teil eines breiteren Verständnisses für die Rolle von Totholz in der Natur. Abgestorbene Bäume sind keine «nutzlosen» Überreste, sondern dynamische Ökosysteme, die über Jahrzehnte hinweg eine wichtige Rolle spielen.
Interessanter Fakt
Ein stehender Totholzstamm kann bis zu 100 Jahre lang als Lebensraum dienen, während er langsam zersetzt wird. Diese lange Zeitspanne ermöglicht es vielen Arten, sich anzusiedeln und zu entwickeln.
Lebensraum für unzählige Arten
Die Entscheidung, «Biotopbäume» stehen zu lassen, schafft dringend benötigten Lebensraum. Zahlreiche Tierarten profitieren von den verrottenden Holzstrukturen.
Zu den Hauptnutzniessern gehören Vögel wie Spechte, Meisen und Eulen, die in den Höhlen der morschen Stämme Nistplätze und Unterschlupf finden. Auch Fledermäuse nutzen solche Strukturen gerne als Quartiere.
«Abgestorbene Bäume sind für das ökologische Gleichgewicht in der Stadt von unschätzbarem Wert. Sie bieten Nahrung, Schutz und Brutstätten, die sonst fehlen würden.»
Weiterhin sind Insekten, darunter Wildbienen und Schmetterlinge, auf Totholz angewiesen. Sie nutzen es als Nahrungsquelle, Brutstätte und Versteck. Moose, Flechten und Pilze siedeln sich ebenfalls an und tragen aktiv zur Zersetzung des Holzes bei, wodurch Nährstoffe in den Boden zurückgeführt werden.
Sicherheit und neue Bepflanzung Hand in Hand
Die Stadt Winterthur betont, dass die neue Praxis nicht blind angewendet wird. Ein wichtiger Aspekt ist die Sicherheit. «Biotopbäume» werden nur dort stehen gelassen, wo keine Gefahr für Verkehrsteilnehmende oder Anwohner besteht. Dies bedeutet, dass Standorte sorgfältig geprüft werden.
Zudem wird, wo immer möglich, ein Jungbaum direkt neben dem stehen gelassenen Stamm gepflanzt. Der alte Baum dient dem jungen Gewächs als Schutz vor Wind und Wetter und schafft ein günstiges Mikroklima für sein Wachstum. Dies ist ein Beispiel für die intelligente Nutzung natürlicher Prozesse zur Förderung neuer Vegetation.
Hintergrund der Initiative
Die Bewahrung von Totholz im Wald ist seit Längerem eine gängige Praxis im Naturschutz. Die Übertragung dieses Konzepts auf den urbanen Raum ist ein wichtiger Schritt, um die Biodiversität in Städten zu erhöhen. Viele Städte erkennen zunehmend die Bedeutung von naturnahen Elementen für das Wohlbefinden ihrer Bewohner und die Anpassung an den Klimawandel.
Langfristige Vorteile für das Stadtklima
Die Entscheidung, tote Bäume stehen zu lassen, hat nicht nur unmittelbare ökologische Vorteile, sondern auch langfristige positive Auswirkungen auf das Stadtklima und die Umweltqualität. Die Verrottungsprozesse im Holz tragen zur Humusbildung bei und verbessern die Bodenqualität.
Darüber hinaus können diese Strukturen dazu beitragen, die Auswirkungen von Hitzeinseln in der Stadt zu mildern, indem sie Schatten spenden und Feuchtigkeit speichern. Die erhöhte Artenvielfalt macht das städtische Ökosystem widerstandsfähiger gegenüber Störungen.
- Erhöhte Biodiversität: Mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
- Verbesserte Bodenqualität: Nährstoffrückführung durch Verrottung.
- Klimaanpassung: Schatten und Feuchtigkeitsspeicherung.
- Natürliche Ästhetik: Integration natürlicher Zersetzungsprozesse ins Stadtbild.
Die Stadt Winterthur zeigt mit dieser Initiative, wie Naturschutz und städtische Entwicklung Hand in Hand gehen können. Es ist ein kleiner, aber bedeutsamer Schritt, um die Natur in die Stadt zurückzuholen und ein nachhaltigeres Miteinander zu fördern.





