Das Winterthurer Restaurant Rosa Pulver hat eine drohende Schliessung abgewendet. Eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne sicherte die notwendigen Mittel für den Umzug und die Modernisierung des Lokals. Innerhalb von nur drei Wochen kamen über 120'000 Franken zusammen, was dem Restaurant eine neue, voll ausgestattete Küche und einen frischen Start ermöglicht.
Wichtige Erkenntnisse
- Das Restaurant Rosa Pulver stand kurz vor dem Konkurs.
- Eine Crowdfunding-Kampagne sammelte 124'000 Franken.
- Das Geld finanziert eine neue Küche und den Innenausbau.
- Die Neueröffnung ist für Ende März in der Winterthurer Altstadt geplant.
- Die Schweizer Gastronomie erlebt derzeit eine Krise.
Schweizer Gastronomie in der Krise
Die gesamte Schweizer Gastronomiebranche steht unter grossem Druck. Zwischen Januar und September 2025 mussten fast 900 Gastrobetriebe im Land Konkurs anmelden. Dies entspricht einem Anstieg von rund einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zahlen zeigen die schwierige Lage, in der sich viele Restaurants, Cafés und Bars befinden.
Die Gründe für dieses Beizensterben sind vielfältig. Experten sprechen von steigenden Betriebskosten, Personalmangel und einem veränderten Konsumverhalten der Gäste. Viele Lokale kämpfen ums Überleben, von der kleinen Quartierbeiz bis zum renommierten Sternerestaurant.
Faktencheck Gastronomie
- 900 Konkurse: So viele Gastrobetriebe schlossen zwischen Januar und September 2025.
- 25 Prozent mehr: Der Anstieg der Konkurse im Vergleich zum Vorjahr ist alarmierend.
- 15 GaultMillau-Punkte: Das Rosa Pulver zählt zu den besten Restaurants Winterthurs.
Rosa Pulver: Ein Kampf ums Überleben
Marco Nisoli und Sam Frey, die Betreiber des Rosa Pulver, führen ihr Restaurant seit fünf Jahren. Direkt hinter dem Manor, am Rande der Winterthurer Altstadt, hat sich ihre Küche einen Namen gemacht. Das Restaurant ist mit 15 GaultMillau-Punkten ausgezeichnet und gehört zu den Top-Adressen der Stadt. Trotz dieser Anerkennung geriet das Lokal in finanzielle Schieflage.
Im Sommer stand das Rosa Pulver kurz vor dem Konkurs. Nur der Nachweis einer bezahlten Pensionskassenrechnung konnte die sofortige Schliessung abwenden. Es war klar, dass eine Veränderung her musste, um das Restaurant langfristig zu sichern.
Der Umzug als Neuanfang
Die Entscheidung fiel auf einen Umzug an einen neuen Standort in der Steinberggasse 52, ebenfalls in der Altstadt. Mit mehr Platz und einem überarbeiteten Konzept hofften Nisoli und Frey, neue Gäste anzuziehen und das Restaurant finanziell zu stabilisieren. Doch ein solcher Neuanfang erfordert erhebliche Investitionen.
Der Innenausbau des neuen Lokals wurde auf 340'000 Franken geschätzt. Allein für eine moderne, voll ausgestattete Küche waren 120'000 Franken notwendig. Diese Summe konnten die Betreiber nicht aus eigener Kraft aufbringen.
«Leider ist es uns derzeit nicht möglich, die gesamten Kosten aus Eigenmitteln zu finanzieren», hiess es Ende November in einem Aufruf auf einer Crowdfunding-Plattform.
Crowdfunding als Rettungsanker
Um die dringend benötigten Mittel zu beschaffen, starteten Marco Nisoli und Sam Frey eine Crowdfunding-Kampagne. Das Minimalziel lag bei 40'000 Franken, um die wichtigsten Küchengeräte zu finanzieren. Die Resonanz war überwältigend.
Innerhalb von nur drei Wochen spendeten 273 Unterstützerinnen und Unterstützer. Insgesamt kamen knapp 124'000 Franken zusammen. Damit wurde das Maximalziel nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen. Nun ist eine voll ausgestattete Küche nach modernstem Standard möglich.
Was ist Crowdfunding?
Crowdfunding ist eine Finanzierungsmethode, bei der eine grosse Anzahl von Personen (die 'Crowd') kleine Geldbeträge spendet, um ein Projekt oder Unternehmen zu unterstützen. Dies geschieht meist über Online-Plattformen. Im Gegenzug erhalten die Unterstützer oft Belohnungen oder Anteile am Projekt.
Attraktive Belohnungen für die Unterstützer
Die Betreiber des Rosa Pulver boten den Spendern verschiedene Anreize. Drei Personen sicherten sich beispielsweise eine Member Card für 5'000 Franken, wovon 4'000 Franken später im Restaurant eingelöst werden können. Besonders beliebt waren Gutscheine: 67 Mal wurden 200 Franken für einen Gutschein im Wert von 150 Franken bezahlt, was den Unterstützern einen Mehrwert bot und gleichzeitig das Restaurant direkt unterstützte.
Der grösste Einzelbetrag kam von einem Privatanlass für bis zu 50 Personen, der 34'000 Franken einbrachte. Ein Luxusangebot, für 50'000 Franken zwanzig Jahre lang frei zu konsumieren, fand hingegen keinen Abnehmer. Dennoch ist das Ergebnis der Kampagne ein starkes Zeichen der Solidarität und des Vertrauens in das Restaurant.
Ein Blick in die Zukunft
Die Neueröffnung des Rosa Pulver an der Steinberggasse 52 ist für Ende März geplant. Mit den durch das Crowdfunding gesicherten Mitteln blicken Marco Nisoli und Sam Frey zuversichtlich in die Zukunft. Das neue Konzept und die moderne Ausstattung sollen dazu beitragen, dass das Restaurant nicht nur kulinarisch, sondern auch finanziell wieder auf festen Beinen steht.
Der Fall des Rosa Pulver zeigt, dass es in der schwierigen Gastronomiebranche auch Lichtblicke gibt. Engagierte Betreiber und eine unterstützende Gemeinschaft können gemeinsam Wege finden, um auch in Krisenzeiten erfolgreich zu sein.





