Die Wasserforschungsanstalt Eawag übernimmt eine zentrale Rolle für die öffentliche Gesundheit in der Schweiz. Sie wurde zum nationalen Referenzzentrum für Abwassermonitoring ernannt. Diese Institutionalisierung sichert die Fortsetzung der wichtigen Überwachung von Viren, Arzneimitteln und Drogen im Abwasser für mindestens ein Jahrzehnt.
Die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist auf zehn Jahre ausgelegt und stellt einen entscheidenden Schritt dar, um das Land auf künftige Gesundheitskrisen besser vorzubereiten. Das Monitoring liefert wertvolle Frühwarnindikatoren für die Ausbreitung von Krankheiten und den Konsum bestimmter Substanzen.
Wichtige Erkenntnisse
- Eawag ist nun nationales Referenzzentrum für Abwassermonitoring.
- Die Zusammenarbeit mit dem BAG ist für zehn Jahre gesichert.
- Überwachung umfasst Viren (Sars-CoV-2, Grippe, RSV), Arzneimittel und Drogen.
- Daten von rund zwei Millionen Menschen aus zehn Kläranlagen werden erfasst.
- Das Monitoring dient als Frühwarnsystem für Gesundheitsentwicklungen.
Einrichtung des Nationalen Referenzzentrums
Die Ernennung der Eawag zum nationalen Referenzzentrum für Abwassermonitoring ist eine direkte Folge der Erfahrungen aus der Corona-Pandemie. Während dieser Zeit hat sich gezeigt, wie wertvoll die Analyse von Abwasserproben für die Einschätzung der epidemiologischen Lage ist. Die Eawag hat diese Aufgabe bereits während der Pandemie erfolgreich wahrgenommen und konnte wichtige Daten liefern.
Die nun erfolgte Institutionalisierung bedeutet eine langfristige Absicherung dieser wichtigen Forschungstätigkeit. Die Partnerschaft mit dem BAG ist auf zehn Jahre angelegt, was Stabilität und Planungssicherheit für die Forschung und die operative Umsetzung gewährleistet. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Verbesserung der Methoden und eine Ausweitung des Überwachungsspektrums.
Faktencheck: Abwassermonitoring
- Startpunkt: Während der Corona-Pandemie intensiviert.
- Aktueller Umfang: Proben aus 10 Kläranlagen.
- Erfasste Bevölkerung: Rund 2 Millionen Menschen.
- Überwachte Viren: Sars-CoV-2, Grippe, RSV.
- Zusätzliche Substanzen: Arzneimittelrückstände und Drogen.
Frühwarnsystem für die öffentliche Gesundheit
Das Abwassermonitoring funktioniert als effektives Frühwarnsystem. Bevor Krankheitsfälle in Arztpraxen oder Spitälern gemeldet werden, können sich Viren im Abwasser nachweisen lassen. Dies gibt den Gesundheitsbehörden einen entscheidenden Zeitvorsprung, um Massnahmen zu planen und umzusetzen.
Co-Projektleiter Christoph Ort betont die Bedeutung dieser Entwicklung. Er wird in einer Mitteilung zitiert:
«Für die Eawag ist dies ein grosser Schritt, um bei künftigen Pandemien besser vorbereitet zu sein.»Diese Aussage unterstreicht die strategische Relevanz des Zentrums für die nationale Gesundheitsstrategie.
Erweiterung des Überwachungsspektrums
Das Monitoring beschränkt sich nicht mehr nur auf Sars-CoV-2. Mittlerweile suchen die Forscher auch nach Grippe- und RSV-Viren. Diese Erweiterung ist entscheidend, da Grippe und RSV jedes Jahr zu erheblichen Belastungen im Gesundheitssystem führen können. Ein frühes Erkennen von Wellen dieser Viren ermöglicht es, Spitäler und die Bevölkerung rechtzeitig zu informieren.
Neben Viren analysiert die Eawag auch Rückstände von Substanzen im Abwasser. Dies umfasst Arzneimittel und Drogen. Die Daten können bestehende Erkenntnisse aus anderen Quellen, beispielsweise über den Anstieg des Konsums von Ketamin, untermauern oder neue Trends aufzeigen. Diese chemischen Analysen sind bis Ende 2029 vertraglich festgelegt.
Hintergrund: Die Eawag
Die Eawag ist ein Forschungszentrum für Gewässer und aquatische Wissenschaften. Sie gehört zum ETH-Bereich und betreibt Forschung, Lehre und Beratung. Ihr Fokus liegt auf dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung von Gewässern, einschliesslich der Schnittstelle zur menschlichen Gesundheit und Umwelt. Die Expertise in der Abwasseranalyse ist hierbei von zentraler Bedeutung.
Vorteile durch kombinierte Analysen
Die Kombination von mikrobiologischen und chemischen Analysen eröffnet neue, innovative Möglichkeiten. Ein plötzlicher Anstieg eines Hustenmedikaments im Abwasser könnte beispielsweise auf eine bevorstehende Erkältungs- oder Grippewelle hindeuten. Solche Indikatoren sind wertvoll, da sie oft vor den offiziellen Fallzahlen aus Arztpraxen oder Spitälern verfügbar sind.
Diese integrierte Herangehensweise ermöglicht ein umfassenderes Bild der Gesundheitslage der Bevölkerung. Es ist ein proaktiver Ansatz, der es den Behörden erlaubt, frühzeitig zu reagieren und die Auswirkungen von Krankheitsausbrüchen oder Substanzkonsum auf die Gesellschaft zu mindern.
Keine "Abwasserpolizei"
Christoph Ort betont, dass die Eawag trotz der Institutionalisierung ein Forschungsprojekt bleibt und keine "Abwasserpolizei" ist. Er macht klar:
"Man sei weiterhin keine Abwasserpolizei. So werde die Eawag etwa keine Messungen für Schulen durchführen, die den Cannabiskonsum ihrer Schülerschaft überwachen wollen."Diese Abgrenzung ist wichtig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu wahren und den Fokus auf die breite Gesundheitsüberwachung zu legen, anstatt auf individuelle Verhaltensweisen.
Das nationale Referenzzentrum konzentriert sich auf die Erfassung und Analyse von Daten auf Bevölkerungsebene, um allgemeine Trends und Risiken für die öffentliche Gesundheit zu identifizieren. Der Schutz der Privatsphäre und die ethischen Richtlinien der Forschung bleiben dabei stets gewahrt.
Blick in die Zukunft
Die langfristige Sicherung des Abwassermonitorings durch die Zusammenarbeit zwischen Eawag und BAG ist ein wichtiger Schritt für die Schweiz. Sie stärkt die Fähigkeit des Landes, Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Die kontinuierliche Forschung und Entwicklung in diesem Bereich wird dazu beitragen, die Methoden weiter zu verfeinern und neue Indikatoren zu identifizieren.
Die erfassten Daten liefern nicht nur Einblicke in die Verbreitung von Krankheitserregern, sondern auch in gesellschaftliche Trends beim Konsum von Arzneimitteln und Drogen. Diese Informationen sind für die Präventionsarbeit und die Entwicklung gezielter Gesundheitsmassnahmen von unschätzbarem Wert.





