Die geplante Verlagerung der Obstbauversuchsflächen von Agroscope in Wädenswil nach Lindau wird vorerst gestoppt. Grund für diese Entscheidung sind die unerwartet hohen Kosten, die das ursprünglich veranschlagte Budget deutlich übersteigen. Die Obstforschung bleibt damit weiterhin am Standort Wädenswil am Zürichsee.
Wichtige Punkte
- Die Verlagerung der Agroscope-Obstforschung von Wädenswil nach Lindau ist sistiert.
- Hauptgrund sind die geschätzten Kosten von 30 bis 40 Millionen Franken, die das Budget übersteigen.
- Die Forschung und Züchtung krankheitsresistenter Apfelsorten wird in Wädenswil fortgesetzt.
- Die Zusammenarbeit mit den Kantonen Zürich und Thurgau bleibt bestehen.
- Der Bund ist weiterhin für die Infrastruktur am Standort Wädenswil verantwortlich.
Kostenüberschreitung führt zur Sistierung
Die Entscheidung, den Umzug der Agroscope-Obstbauversuchsflächen von Wädenswil nach Lindau zu sistieren, wurde aufgrund einer erheblichen Kostenüberschreitung getroffen. Ursprünglich war geplant, die Forschungsaktivitäten ab 2030 schrittweise zu verlagern. Ein neues Zentrum am Strickhof in Lindau sollte gemeinsam mit den Kantonen Zürich und Thurgau entstehen.
Die aktuellen Schätzungen belaufen sich auf 30 bis 40 Millionen Franken. Diese Summe liegt deutlich über dem verfügbaren Budget für das Projekt. Dies bestätigte Manuel Boss, Leiter des Kompetenzbereichs Pflanzen und pflanzliche Produkte bei Agroscope.
Faktencheck
- Geplante Kosten für den Umzug: 30-40 Millionen Franken.
- Verfügbares Budget: Nicht ausreichend für die geplanten Kosten.
- Zeitpunkt der Sistierung: Aktuell, mit sofortiger Wirkung.
«Die Obstforschung und -züchtung wird vorerst am Standort Wädenswil weitergeführt.»
Manuel Boss, Leiter Kompetenzbereich Pflanzen und pflanzliche Produkte bei Agroscope
Wädenswil bleibt Forschungsstandort
Für die rund zwölf Hektar grossen Plantagen und Versuchsflächen in Wädenswil bedeutet die Sistierung, dass die Forschungsarbeiten dort unverändert weitergehen. Seit 2020 wurden bereits einzelne Agroscope-Stellen von Wädenswil an andere Standorte wie Reckenholz, Posieux und Changins verlegt, um Kosten zu sparen. Die Obstbau- und Obstzüchtungsabteilung blieb jedoch in Wädenswil.
Am Standort Wädenswil werden weiterhin wichtige Versuche durchgeführt. Dazu gehören die Züchtung krankheitsresistenter Apfelsorten, umfassende Pflanzenschutzuntersuchungen sowie Arbeiten zur allgemeinen Weiterentwicklung des Obstbaus. Diese Forschung ist entscheidend für die schweizerische Landwirtschaft.
Mitarbeiter und Infrastruktur
Aktuell arbeiten noch etwa 96 Personen in Wädenswil. Rund 40 dieser Mitarbeiter sind direkt im Bereich Obstbau und Obstzüchtung tätig. Ihre Expertise bleibt dem Standort erhalten, was die Kontinuität der Forschung sichert.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Infrastruktur. Mehrere Gebäude in Wädenswil benötigen in den kommenden Jahren Sanierungen. Manuel Boss betonte, dass Agroscope eng mit dem Bundesamt für Bauten und Logistik zusammenarbeitet. Ziel ist es, die notwendige Instandhaltung der obstbaulichen Infrastruktur sicherzustellen.
Historischer Hintergrund
Agroscope ist das Kompetenzzentrum des Bundes für Forschung in der Land- und Ernährungswirtschaft. Es leistet einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und sichert die Ernährung der Schweiz. Der Standort Wädenswil hat eine lange Tradition in der Obstforschung.
Zukunft der Zusammenarbeit und weiterer Standorte
Trotz der Sistierung des Umzugs nach Lindau betonen Agroscope und die Kantone Zürich und Thurgau, dass die enge Zusammenarbeit fortgesetzt wird. Dies ist ein wichtiges Signal für die regionale Forschungslandschaft und die Landwirtschaft.
Die Sanierung des Versuchsstandorts Güttingen im Kanton Thurgau wird ebenfalls wie geplant fortgeführt. Dies zeigt, dass Investitionen in andere relevante Standorte weiterhin getätigt werden. Es werden derzeit verschiedene Szenarien für die zukünftige Nutzung des Standorts Wädenswil geprüft.
Längerfristige Perspektiven
Die schrittweise Verschiebung von Mitarbeitenden von Wädenswil an andere Agroscope-Standorte gemäss der Standortstrategie läuft weiter. Dies betrifft Positionen ausserhalb der direkt vom Obstbau betroffenen Bereiche. Die Infrastrukturfrage in Wädenswil bleibt jedoch eine Aufgabe des Bundes.
Solange Agroscope die Flächen in Wädenswil nutzt, ist der Bund für die Bereitstellung der notwendigen Infrastrukturen verantwortlich. Dies gilt auch, obwohl die Flächen dem Kanton Zürich gehören. Diese Regelung sichert die Arbeitsfähigkeit der Forschungsanstalt.
- Kontinuität der Obstforschung in Wädenswil.
- Engere Abstimmung bei zukünftigen Investitionen.
- Prüfung neuer Konzepte für den Standort Wädenswil.
Die Entscheidung unterstreicht die Notwendigkeit einer sorgfältigen finanziellen Planung bei Grossprojekten. Sie sichert gleichzeitig die Fortführung der wichtigen Forschungsarbeit im Bereich Obstbau in der Schweiz.





