Ein neues Globi-Buch hat zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Zürcher Bauernverband und dem Globi-Verlag geführt. Grund dafür sind umstrittene Angaben zur Fütterung von Schweizer Kühen, die bei Landwirten für grosse Empörung sorgen. Der Verlag hat einen Fehler eingeräumt und einen Rückruf der betroffenen Bücher angekündigt, doch dem Bauernverband gehen diese Massnahmen nicht weit genug.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein neues Globi-Sachbuch enthält eine falsche Angabe zum Kraftfutteranteil bei Schweizer Kühen.
- Der Zürcher Bauernverband (ZBV) wirft dem Autor bewusste Irreführung vor.
- Der Globi-Verlag hat sich entschuldigt und ruft die fehlerhaften Exemplare zurück.
- Der ZBV plant eine Kampagne gegen den Autor und fordert eine Spende vom Verlag.
Falsche Zahlen im Kinderbuch empören Landwirte
Im Zentrum der Kontroverse steht eine Passage im neuesten Globi-Buch, in der die Ernährung von Milchkühen thematisiert wird. Das Buch behauptet, dass die Nahrung von Schweizer Kühen zu «80 Prozent aus Körnern oder Soja» bestehe. Diese Darstellung löste bei Schweizer Landwirten umgehend scharfe Kritik aus.
Tatsächlich liegt der Anteil von Kraftfutter wie Getreide oder Soja in der Fütterung von Schweizer Kühen deutlich niedriger. Fachleute und Bauernverbände geben an, dass dieser Wert im Durchschnitt bei nur etwa 10 bis 15 Prozent liegt. Der Hauptbestandteil der Nahrung ist Raufutter wie Gras und Heu.
Faktencheck: Kuhfutter
Behauptung im Buch: 80 % Körner oder Soja
Tatsächlicher Wert: 10–15 % Kraftfutteranteil
Besonders brisant ist eine anschliessende Frage, die Globi im Buch stellt: «In Schweizer Milch, Käse und Fleisch steckt also ein Stück Regenwald?» Diese Formulierung impliziert einen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von Schweizer Milchprodukten und der Abholzung von Regenwäldern, was die Landwirte als unfaire und irreführende Darstellung empfinden.
Verlag entschuldigt sich und reagiert
Die Leitung des Globi-Verlags reagierte schnell auf die massive Kritik aus der Landwirtschaft. Gisela Klinkenberg, die Leiterin des Verlags, entschuldigte sich sowohl beim Schweizer als auch beim Zürcher Bauernverband für die fehlerhaften Angaben.
Sie bezeichnete die Veröffentlichung der falschen Zahl als einen «saublöden Fehler», der niemals hätte passieren dürfen. Als Konsequenz kündigte der Verlag an, die bereits ausgelieferten Exemplare des Buches zurückzurufen. Diese sollen durch eine korrigierte Version ersetzt werden, in der die falschen Informationen berichtigt sind.
Auch der Autor des Buches, Atlant Bieri, räumte den Fehler öffentlich ein. Er bedauerte die falsche Angabe und erklärte, dass es ihn selbst ärgere, dass die Zahl so im Buch abgedruckt wurde.
Bauernverband fordert weitere Konsequenzen
Für den Zürcher Bauernverband (ZBV) ist die Angelegenheit mit einer Entschuldigung und einem Buchrückruf jedoch nicht erledigt. Der Verband kritisiert insbesondere die Haltung des Autors, der zwar den Fehler bei der Prozentzahl zugibt, aber die grundsätzliche Aussage über den Zusammenhang mit dem Regenwald weiterhin für richtig hält.
Hintergrund der Kritik
Die Debatte um Soja als Futtermittel ist komplex. Ein Teil des in der Schweiz verfütterten Sojas stammt tatsächlich aus Ländern, in denen für den Anbau Regenwald gerodet wird. Schweizer Landwirtschaftsverbände betonen jedoch, dass sie sich seit Jahren für nachhaltige und entwaldungsfreie Lieferketten einsetzen und der Anteil an importiertem Soja im Futter insgesamt gering sei.
Ferdinand Hodel, der Geschäftsführer des ZBV, wirft dem Autor deshalb nicht nur einen Fehler, sondern «bewusste Manipulation und Instrumentalisierung» vor. Für ein Sachbuch, das Kindern die Welt erklären soll, sei eine solche Haltung inakzeptabel.
«Für ein Sachbuch, das Kindern die Welt erklärt, ist diese Haltung mehr als irritierend.»
Kampagne gegen den Autor geplant
Der ZBV hat angekündigt, eine offizielle Kampagne gegen die Aussagen im Buch und die Reaktion des Autors zu starten. Diese Kampagne zielt direkt auf den Ruf von Atlant Bieri ab. Der Verband plant, andere namhafte Auftraggeber des Autors zu kontaktieren, um sie über den Vorfall zu informieren. Zu diesen Auftraggebern gehören grosse Unternehmen und Institutionen wie:
- Swisscom
- Migros
- Die Baudirektion des Kantons Zürich
- Die ETH Zürich
- Die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope
Der Autor selbst wollte sich zu diesen angekündigten Schritten nicht weiter äussern.
Forderung nach Spende an Familienhilfe
Neben der Kampagne gegen den Autor hat der Zürcher Bauernverband eine weitere Forderung an den Globi-Verlag gestellt. Der Verband argumentiert, dass die öffentliche Aufmerksamkeit rund um den Fehler zu deutlich höheren Verkaufszahlen des Buches führen könnte. Dadurch würde der Verlag von der Kontroverse finanziell profitieren.
Aus diesem Grund fordert der ZBV, dass der Verlag einen Teil der erwarteten Mehreinnahmen an die gemeinnützige Organisation Ländliche Familienhilfe spendet. Diese Organisation unterstützt Bauernfamilien, die in Not geraten sind.
Verlagsleiterin Gisela Klinkenberg bestätigte den Eingang dieser Forderung. Sie erklärte, dass der Verlag diese Möglichkeit derzeit prüfe. Zwar habe der Globi-Verlag auch in der Vergangenheit Spendenaktionen durchgeführt, sie sei aber skeptisch, ob die Einnahmen tatsächlich «wahnsinnig viel höher» ausfallen werden. Eine genaue Abschätzung der Auswirkungen auf die Verkaufszahlen sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie sich der Streit weiterentwickelt und ob die vom Bauernverband geforderten Massnahmen umgesetzt werden. Die Debatte hat erneut verdeutlicht, wie sensibel die Themen Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion in der öffentlichen Wahrnehmung sind, insbesondere wenn sie in Kinderbüchern behandelt werden.





