Die Nachricht, dass der Nürnberger Zoo zwölf gesunde Paviane tötete, weil kein passender Abgabeplatz gefunden wurde, löste im Juli 2025 international Empörung aus. Besonders in den sozialen Medien entfachte dies eine heftige Debatte. Viele Menschen sind überrascht, doch das Töten von Tieren in Zoos ist eine gängige Praxis, die oft der Bestandskontrolle und der artgerechten Ernährung dient. Auch in der Schweiz nutzen Zoos diese Methode, um Raubtiere zu versorgen und gleichzeitig genetisch gesunde Populationen zu erhalten.
Wichtige Erkenntnisse
- Das Töten von Zootieren ist eine etablierte Praxis zur Bestandsregulierung und Futtergewinnung.
- Ganze Kadaver bieten Raubtieren eine artgerechte Ernährung und Beschäftigung.
- Zoos züchten oft eigene Nutztiere für die Verfütterung, um Qualität und Nachhaltigkeit zu sichern.
- Internationale Zuchtprogramme erfordern regelmäßige Fortpflanzung, was zu Platzproblemen führen kann.
- Nicht alle getöteten Tiere können verfüttert werden, besonders wenn Medikamente zum Einsatz kamen.
Warum Zoos Tiere töten
Die Entscheidung, Tiere in einem Zoo zu töten, ist niemals leicht, aber oft unumgänglich. Sie dient mehreren Zwecken, die eng mit dem Artenschutz und dem Wohl der Tiere verbunden sind. Einer der Hauptgründe ist die Bestandsregulierung. Zoos nehmen an internationalen Zuchtprogrammen teil, um bedrohte Arten zu erhalten und genetische Vielfalt zu gewährleisten. Wenn diese Programme erfolgreich sind, führt dies zu regelmässigem Nachwuchs. Irgendwann stossen selbst die grössten Gehege an ihre Kapazitätsgrenzen.
Dominik Ryser, Pressesprecher des Zoo Zürich, erklärt: «Damit Reservepopulationen von gefährdeten Wildtieren langfristig funktionieren, müssen die Tiere sich fortpflanzen und Nachwuchs aufziehen. Das stellt sicher, dass eine Population nicht überaltert.» Dies ist entscheidend, um die Populationen stabil und widerstandsfähig zu halten. Fortpflanzung und Aufzucht sind zudem Grundbedürfnisse von Tieren und somit wichtig für eine artgerechte Haltung.
Interessanter Fakt
Der Zoo Zürich deckt aktuell 13 Prozent des Fleischbedarfs seiner Fleischfresser durch selbst gezüchtete Tiere ab. Der Rest stammt von regionalen Schlachthöfen und dem Tierspital Zürich.
Ganzkörperverfütterung: Naturnah und nachhaltig
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verwertung der getöteten Tiere als Futter für Fleischfresser. Dies mag für viele befremdlich klingen, ist aber aus tiermedizinischer und ökologischer Sicht sinnvoll. «Bei Tieren aus eigener Zucht haben wir die volle Kontrolle über das Fleisch», sagt Dominik Ryser. «Zudem trägt der kurze Transportweg zur Nachhaltigkeit bei.»
Die Tiere werden oft als Ganzes verfüttert. Dies bietet Fleischfressern wie Tigern oder Hyänen nicht nur eine vollwertige Mahlzeit, sondern auch eine wichtige Beschäftigung. Sie müssen sich ihr Futter erarbeiten, es öffnen und dabei auch Knochen, Innereien, Federn und Haare verwerten. Dies entspricht ihrem natürlichen Verhalten und liefert alle notwendigen Nährstoffe.
«Eine Ganzkörperverfütterung ist auch eine gute Beschäftigung für Fleischfresser wie Tiger oder Hyänen. Die Tiere müssen sich ihr Futter dann erarbeiten, es erst einmal öffnen, was oft gar nicht so einfach ist», ergänzt Ryser.
Lebendfütterungen sind in Schweizer Zoos streng verboten. Alle Tiere, die zur Verfütterung bestimmt sind, werden tierschutzkonform getötet. Bei Nutztieren wie dem Schwarzen Alpenschwein geschieht dies durch Betäubung mittels Bolzenschuss und anschließendem Kehlschnitt, ähnlich wie in herkömmlichen Schlachtbetrieben.
Umgang mit seltenen Rassen und Wildtieren
Das Töten von Tieren aus Zuchtprogrammen betrifft nicht nur Nutztiere. Auch bedrohte Wildtierarten können betroffen sein. Ein Beispiel ist die Säbelantilope, eine Art, die in der Wildnis durch intensive Bejagung ausgerottet wurde. Dank Reservepopulationen, unter anderem in Zoos, konnte die Säbelantilope erfolgreich wiederangesiedelt werden und ist heute die zweithäufigste Antilopenart weltweit in Zoos.
Im Frühjahr 2025 wurde im Zoo Zürich ein junger Säbelantilopen-Bock geschossen und an die Hyänen verfüttert. Dies war notwendig geworden, da es in der Herde zu vermehrt Revierkämpfen und Unruhe kam. Der Bock diente nach seinem Tod als Futterquelle und es wurden zahlreiche Proben für Forschungsprojekte entnommen.
Doris Slezak vom Tierpark Dählhölzli in Bern betont: «Wir lassen dem Fortpflanzungstrieb unserer Zoo-Bewohner in den allermeisten Fällen freien Lauf. Nur wenn es für das Tier aus gesundheitlichen oder anderen triftigen Gründen besser ist, greifen wir zur Verhütung oder Sterilisation.»
Hintergrundinformation
Die Europäische Vereinigung der Zoos und Aquarien (EAZA) koordiniert internationale Zuchtprogramme. Ihr Ziel ist es, genetisch gesunde und stabile Populationen bedrohter Arten zu erhalten. Dies erfordert regelmäßigen Austausch von Tieren zwischen den Mitgliedszoos.
Vermittlung und ungeeignete Tiere
Die oberste Priorität aller Schweizer Zoos ist es, Nachwuchs an andere zoologische Einrichtungen zu vermitteln. Thomas Harder, Pressesprecher des Walter Zoos Gossau, erklärt: «Der Walter Zoo verfolgt das Ziel, seine Tierbestände verantwortungsvoll und im Einklang mit internationalen Haltungs- und Zuchtprogrammen zu managen. Der Tiernachwuchs wird nach Möglichkeit an andere zoologische Institutionen vermittelt – bevorzugt an Mitglieder der EAZA.»
Dieser rege Austausch von Tieren ist wichtig für die Erhaltung genetisch diverser Zoopopulationen. Wenn eine Vermittlung jedoch nicht möglich ist, müssen einzelne Individuen getötet werden. Hierbei ist es wichtig zu verstehen, dass Tiere, die zur Verfütterung vorgesehen sind, nicht mit Medikamenten euthanasiert werden dürfen.
Fabienne Lauber, Pressesprecherin des Zoo Basel, erklärt: «Die dabei verabreichten Medikamente lagern sich im Tierkörper ein, wirken toxisch und schliessen eine Verfütterung aus.» Daher werden potenzielle Futtertiere nach geltendem Tierschutzgesetz geschlachtet und im Ganzen oder in Teilen verfüttert.
Öffentliche Wahrnehmung und Transparenz
Das Verfüttern von Zootieren geschieht nicht im Verborgenen. Zoos legen Wert auf Transparenz und zeigen den Besuchern, dass Raubtiere Fleisch fressen. Es gehört zum Kreislauf der Natur, den Zoos oft auch in ihren Bildungsauftrag integrieren. Manchmal liegen tote Erdmännchen auf einem Stein und werden von Hyänen gefressen. Dies ist ein natürlicher Vorgang, der im Zoo sichtbar gemacht wird.
Die Empörung über den Aufruf eines dänischen Zoos, Haustiere zum Verfüttern zu spenden, stösst bei Dominik Ryser auf Unverständnis. In Zürich sei dies schon länger gängige Praxis, wobei es natürlich nicht um lebende Hunde und Katzen gehe. Letztere werden aus medizinischen Gründen meist euthanasiert und sind somit für eine Verfütterung ausgeschlossen.
Für viele Pferdebesitzer, deren Tiere eingeschläfert werden müssen, sei es ein kleiner Trost, dass ihr Tier nach seinem Tod noch in den Kreislauf des Lebens zurückgeführt wird. Dies zeigt, dass die Praxis nicht nur ökologische und tiermedizinische Vorteile hat, sondern auch eine gewisse Akzeptanz bei Tierbesitzern finden kann, wenn der Kontext klar ist.





