Der grösste Schweizer Onlinehändler Digitec Galaxus hat seine Pläne für den Bau eines grossen Logistikzentrums in Rafz im Zürcher Unterland verworfen. Das Unternehmen nannte langwierige Bewilligungsverfahren als einen entscheidenden Grund für den Rückzug aus dem Grossprojekt, das die Logistik des Unternehmens in der Schweiz zentralisieren sollte.
Das Wichtigste in Kürze
- Digitec Galaxus hat das geplante "Operations Center" in Rafz abgesagt.
- Das Projekt sollte als zentrales Lager für die gesamte Schweiz dienen.
- Als Grund für das Scheitern werden langsame Bewilligungsprozesse genannt.
- Die Entscheidung wirft Fragen zur Attraktivität des Standorts für grosse Infrastrukturprojekte auf.
Ein gigantisches Projekt für ein kleines Dorf
Die Pläne waren ambitioniert: In der ländlich geprägten Gemeinde Rafz, bekannt für ihre Fachwerkhäuser und eine Bevölkerung von knapp 5000 Menschen, sollte ein hochmodernes Logistikzentrum entstehen. Digitec Galaxus beabsichtigte, auf dem Areal ein sogenanntes "Operations Center" zu errichten. Dieses hätte als zentraler Knotenpunkt für den Warenfluss des Online-Riesen in der ganzen Schweiz fungiert.
Von hier aus sollten Waren an kleinere, dezentrale Verteilzentren im ganzen Land geliefert werden. Ein solches Vorhaben hätte die Logistikkapazitäten des Unternehmens erheblich erweitert und war als strategischer Schritt zur Sicherung des zukünftigen Wachstums gedacht.
Rafz im Zürcher Unterland
Die Gemeinde Rafz liegt im nördlichsten Teil des Kantons Zürich, direkt an der Grenze zu Deutschland. Die Gegend ist stark landwirtschaftlich geprägt und bekannt für ihren ruhigen, dörflichen Charakter. Ein Grossprojekt dieser Dimension hätte das wirtschaftliche und soziale Gefüge der Region nachhaltig verändert.
Die Wahl fiel auf Rafz aufgrund seiner strategisch günstigen Lage. Die Nähe zu wichtigen Verkehrsachsen wäre für ein nationales Verteilzentrum ideal gewesen. Das Projekt versprach nicht nur eine Stärkung der Logistikinfrastruktur, sondern auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Region.
Langwierige Verfahren als Stolperstein
Die Realisierung des Projekts stand jedoch von Anfang an unter dem Vorbehalt eines reibungslosen und zügigen Bewilligungsverfahrens. Wie das Unternehmen nun mitteilt, waren es gerade diese administrativen Hürden, die letztlich zum Aus des Vorhabens führten. In einer Stellungnahme heisst es, dass das Verteilzentrum bei einer schnelleren Bewilligung wahrscheinlich realisiert worden wäre.
Dieser Umstand wirft ein Schlaglicht auf eine Herausforderung, mit der viele grosse Bau- und Infrastrukturprojekte in der Schweiz konfrontiert sind. Komplexe regulatorische Anforderungen, Einsprachemöglichkeiten und langwierige kantonale sowie kommunale Prozesse können die Planungs- und Umsetzungsphasen erheblich verzögern.
"Bei einer schnelleren Bewilligung wäre das Projekt wahrscheinlich realisiert worden." - Aussage von Digitec Galaxus
Für Unternehmen, die schnell auf Marktanforderungen reagieren müssen, können solche Verzögerungen die Wirtschaftlichkeit eines Projekts infrage stellen. Im schnelllebigen E-Commerce-Sektor ist Zeit ein kritischer Faktor. Lange Wartezeiten auf Genehmigungen können dazu führen, dass eine ursprünglich sinnvolle Investition überholt ist, bevor der erste Spatenstich erfolgt.
Bedeutung des E-Commerce
Der Onlinehandel in der Schweiz wächst kontinuierlich. Effiziente und schnelle Logistik ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil. Zentrale Lager wie das in Rafz geplante sind entscheidend, um Lieferzeiten kurz zu halten und die Warenverfügbarkeit zu garantieren.
Auswirkungen auf die Region und die Zukunft
Für die Gemeinde Rafz bedeutet die Absage des Projekts den Verlust einer grossen Chance, aber möglicherweise auch eine Erleichterung für einen Teil der Bevölkerung. Einerseits entgehen der Gemeinde potenzielle Steuereinnahmen und neue Arbeitsplätze. Andererseits bleiben die befürchteten negativen Auswirkungen wie erhöhter Lastwagenverkehr und die Versiegelung grosser Landflächen aus.
Die Entscheidung von Digitec Galaxus könnte auch eine Signalwirkung für andere Unternehmen haben, die grosse Investitionen im Zürcher Unterland oder anderen ländlichen Gebieten planen. Die Frage, wie die Schweiz ihre Attraktivität für grosse Wirtschaftsprojekte sichern kann, ohne dabei die Interessen von Anwohnern und Umwelt zu vernachlässigen, wird damit erneut in den Fokus gerückt.
Wie geht es weiter für Digitec Galaxus?
Der Onlinehändler muss nun alternative Lösungen für den Ausbau seiner Logistikkapazitäten finden. Ob dies durch die Erweiterung bestehender Standorte oder die Suche nach einem neuen Standort mit einfacheren Rahmenbedingungen geschehen wird, ist noch offen. Klar ist jedoch, dass der wachsende Markt eine Skalierung der Logistikinfrastruktur unumgänglich macht.
Der Fall Rafz zeigt eindrücklich den Zielkonflikt zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und den regulatorischen Rahmenbedingungen. Für Gemeinden und Kantone stellt sich die Herausforderung, Verfahren zu beschleunigen und gleichzeitig eine sorgfältige Planung und den Schutz der öffentlichen Interessen zu gewährleisten.





