Das traditionsreiche Wein- und Spirituosengeschäft Traité in Winterthur schliesst Ende Januar seine Türen für immer. Nach über 100 Jahren endet damit eine Ära für das Familienunternehmen, das in dritter Generation geführt wurde. Die Schliessung spiegelt tiefgreifende Veränderungen im Konsumverhalten und im Detailhandel wider.
Wichtige Punkte
- Das Wein- und Spirituosengeschäft Traité in Winterthur schliesst nach über 100 Jahren.
- Die Inhaberinnen Susanne und Yvonne Traité führen das Geschäft in dritter Generation.
- Der Weinkonsum in der Schweiz ist 2024 um fast 8 Prozent zurückgegangen.
- Der Onlinehandel mit Spirituosen und Lebensmitteln boomt stark.
- Hohe Rabatte auf Restbestände locken Kunden in den letzten Tagen an.
Ein Abschied nach Generationen
Die halbleeren Regale im Geschäft an der Winterthurer Marktgasse zeugen bereits vom bevorstehenden Ende. Ein grosses Plakat am Eingang kündigt die Schliessung per Ende Januar an. Daneben klebt ein kleiner Zettel: 50 Prozent Rabatt auf alles. Diese Rabattaktion ist ein letzter Versuch, die umfangreichen Restbestände vor der endgültigen Schliessung zu verkaufen.
Die Schwestern Susanne und Yvonne Traité leiten das Geschäft in dritter Generation. Sie haben sich entschieden, den Familienbetrieb einzustellen. Am Freitagabend herrschte im Traité noch einmal Hochbetrieb. Viele Kunden nutzten die Gelegenheit, um sich mit vergünstigten Weinen und Spirituosen einzudecken. Die Nachfrage war gross, das Angebot jedoch bereits stark ausgedünnt.
Interessanter Fakt
Das Geschäft Traité warb mit einem Sortiment von über 1600 Weinen und Spirituosen. Es galt als eine feste Institution für Liebhaber edler Tropfen in Winterthur.
Verändertes Konsumverhalten als Hauptursache
Die Schliessung des Traditionsgeschäfts ist kein Einzelfall. Sie ist Teil eines grösseren Trends in der Schweiz. Schweizerinnen und Schweizer trinken insgesamt weniger Alkohol. Das Bundesamt für Landwirtschaft veröffentlichte Zahlen, die einen Rückgang des Weinkonsums um fast acht Prozent im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr zeigen.
Gleichzeitig erlebt der Onlinehandel einen starken Aufschwung. Besonders im Bereich Lebensmittel und Getränke kaufen Kundinnen und Kunden immer häufiger online ein. Wein und Spirituosen bilden hier keine Ausnahme. Dieser Wandel im Einkaufsverhalten stellt traditionelle Detailhändler vor grosse Herausforderungen.
„Wegen schwieriger werdenden Umständen habe ich entschieden, mich etwas früher in die Rente zu verabschieden“, erklärte Susanne Traité. Sie hätte im Mai ihr 40-jähriges Jubiläum im Geschäft gefeiert.
Der Aufstieg des Onlinehandels
Der Onlinehandel im Food-Bereich verzeichnete 2024 das stärkste Wachstum. Dies betrifft besonders Produkte wie Getränke und Wein. Kunden schätzen die Bequemlichkeit des Online-Einkaufs. Sie können Produkte vergleichen und sich diese direkt nach Hause liefern lassen. Für kleinere Fachgeschäfte wie Traité wird es dadurch immer schwieriger, im Wettbewerb zu bestehen.
Die sinkende Nachfrage im stationären Handel und der boomende Onlinehandel führten dazu, dass das Geschäft Traité schon länger rote Zahlen schrieb. Trotz des grossen Angebots und der langen Tradition kamen zuletzt immer weniger Kunden ins Geschäft.
Hintergrundinformationen
Viele traditionsreiche Schweizer Unternehmen kämpfen derzeit ums Überleben. Gründe dafür sind oft die Digitalisierung, veränderte Kundenbedürfnisse und der starke Wettbewerb durch Online-Anbieter. Die Schliessung von Traité reiht sich in eine Serie von Geschäftsaufgaben im Schweizer Detailhandel ein.
Dank an treue Kunden und Mitarbeiter
Am Aushang an der Eingangstür bedanken sich die Inhaberinnen bei ihrer Kundschaft und ihren Mitarbeitern. Sie schreiben: „Wir sind sehr dankbar, über hundert Jahre lang eine gute Adresse für Weine und Spirituosen gewesen zu sein.“ Weiter heisst es: „Wir sind froh, dass wir – wie schon unsere Eltern und Grosseltern – stets auf wunderbare Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen durften.“
Dieser Dank zeigt die tiefe Verbundenheit der Familie Traité mit ihrem Geschäft und den Menschen, die es über Jahrzehnte hinweg geprägt haben. Die Schliessung ist ein schmerzlicher Verlust für die Winterthurer Geschäftswelt und für all jene, die das Traité als feste Grösse schätzten.
Ein Blick in die Zukunft des Detailhandels
Die Entwicklungen im Fall Traité sind exemplarisch für viele Herausforderungen, denen sich der traditionelle Detailhandel gegenübersieht. Um zu überleben, müssen sich Geschäfte anpassen. Dies bedeutet oft, neue Wege zu gehen, wie zum Beispiel den Aufbau eines eigenen Online-Shops oder die Spezialisierung auf Nischenprodukte und einzigartige Kundenerlebnisse.
Für Winterthur bedeutet die Schliessung des Traité den Verlust eines weiteren Stücks Stadtgeschichte. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Einkaufslandschaft in der Eulachstadt weiterentwickelt und welche neuen Konzepte sich in Zukunft durchsetzen werden.
- Der Weinkonsum sank 2024 um fast 8%.
- Der Onlinehandel im Food-Bereich wuchs am stärksten.
- Traditionsgeschäfte kämpfen mit Wettbewerb und Digitalisierung.





