Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat als eine der ersten Schweizer Hochschulen eine offizielle Richtlinie zur Nutzung künstlicher Intelligenz (KI) eingeführt. Entgegen dem Trend einiger Bildungseinrichtungen spricht sich die ZHAW klar gegen ein generelles KI-Verbot aus. Stattdessen wird die Integration von KI in den Studienalltag gefördert, wenngleich mit klaren Regeln und einer verstärkten Fokussierung auf mündliche Prüfungen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die ZHAW hat eine offizielle KI-Richtlinie eingeführt.
- Ein generelles Verbot von KI wird als nicht zielführend erachtet.
- Studierende sollen KI für Seminararbeiten nutzen dürfen.
- Mündliche Prüfungen gewinnen an Bedeutung, um Grundwissen zu sichern.
- Bei schriftlichen Prüfungen kann KI gezielt ausgeschlossen werden.
KI als Werkzeug im Studium: Eine neue Perspektive
Die ZHAW positioniert sich mit ihrer neuen Richtlinie als Vorreiterin in der Schweizer Bildungslandschaft. Sie erkennt das Potenzial von KI als wertvolles Werkzeug für Studierende an. Diese dürfen und sollen KI-Systeme für ihre akademischen Arbeiten, wie beispielsweise Seminararbeiten, aktiv nutzen.
Lisa Messenzehl, die Leiterin der Fachgruppe Lehrtechnologien und Didaktik an der ZHAW, betont die Notwendigkeit, Studierende auf die zukünftige Arbeitswelt vorzubereiten. Dort wird der Umgang mit KI-Tools eine Selbstverständlichkeit sein. Ein Verbot würde dieser Entwicklung entgegenwirken und die Studierenden nicht adäquat auf die beruflichen Herausforderungen vorbereiten.
Faktencheck
- Die ZHAW ist eine der ersten Hochschulen in der Schweiz mit einer offiziellen KI-Richtlinie.
- Die Richtlinie wurde am 28. November 2025 veröffentlicht.
- KI wird an der ZHAW als unterstützendes Werkzeug betrachtet.
Balance zwischen Innovation und Wissenssicherung
Trotz der Offenheit gegenüber KI legt die ZHAW grossen Wert auf die Sicherstellung des fundamentalen Wissens der Studierenden. Es geht nicht darum, die Verantwortung für das Lernen vollständig an KI-Systeme abzugeben, sondern diese als Ergänzung zu verstehen.
Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist die verstärkte Anwendung mündlicher Prüfungen. Durch direkte Gespräche mit den Dozierenden lässt sich das Verständnis und das eigenständige Denken der Studierenden effektiver überprüfen. Dies gewährleistet, dass das erworbene Wissen tief verankert ist und nicht nur oberflächlich durch KI generiert wurde.
"Eine künftige Physiotherapeutin muss auch ohne KI den Aufbau von Muskeln kennen oder wissen, wie gewisse Substanzen wirken."
Gezielter KI-Ausschluss in spezifischen Prüfungen
In bestimmten Situationen, insbesondere bei schriftlichen Prüfungen, behält sich die ZHAW das Recht vor, die Nutzung von KI bewusst auszuschliessen. Dies geschieht, um das Grundsatzwissen der Studierenden abzufragen und sicherzustellen, dass sie die Kernkompetenzen ihres Fachgebiets beherrschen. Es ist ein pragmatischer Ansatz, der die Notwendigkeit des eigenständigen Denkens und Lernens unterstreicht.
Beispielsweise muss eine angehende Physiotherapeutin die Anatomie des menschlichen Körpers und die Wirkungsweise von Medikamenten auswendig kennen. Diese Kenntnisse sind für die Patientensicherheit und die Ausübung des Berufs unerlässlich und können nicht allein auf KI-Tools delegiert werden.
Hintergrund: KI in der Hochschulbildung
Die Integration von künstlicher Intelligenz in die Hochschulbildung stellt viele Institutionen vor Herausforderungen. Während einige Hochschulen KI-Tools wie ChatGPT und andere Textgeneratoren verbieten oder stark einschränken, suchen andere nach Wegen, diese Technologien sinnvoll in den Lehrplan zu integrieren. Ziel ist es, Studierende auf eine Arbeitswelt vorzubereiten, in der KI eine immer grössere Rolle spielen wird.
Die Diskussion dreht sich oft um die Frage, wie Originalität und Eigenleistung in Zeiten von leistungsfähigen KI-Modellen bewertet und sichergestellt werden können. Die ZHAW versucht hier, einen ausgewogenen Weg zu finden.
Die Rolle der Didaktik in der KI-Ära
Die Fachgruppe Lehrtechnologien und Didaktik unter der Leitung von Lisa Messenzehl spielt eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung dieser neuen Strategie. Sie entwickelt Methoden und Konzepte, um den Einsatz von KI pädagogisch sinnvoll zu gestalten.
Dies beinhaltet nicht nur die technische Integration, sondern auch die Schulung von Dozierenden und Studierenden im verantwortungsvollen Umgang mit KI. Es geht darum, kritische Medienkompetenz im Kontext von KI zu fördern und die ethischen Implikationen des Einsatzes zu beleuchten.
Vorteile der Integration für Studierende
Die ZHAW ist überzeugt, dass die Integration von KI den Studierenden zahlreiche Vorteile bietet:
- Effizienzsteigerung: KI kann bei der Recherche und Strukturierung von Informationen helfen.
- Kreativitätsförderung: KI kann als Ideengeber oder zur Generierung von Entwürfen dienen.
- Vorbereitung auf die Arbeitswelt: Der Umgang mit KI-Tools ist eine gefragte Fähigkeit.
- Zugang zu Wissen: KI kann komplexe Themen verständlicher aufbereiten.
Dieser Ansatz zeigt, dass die ZHAW nicht vor den Herausforderungen der Digitalisierung zurückschreckt, sondern aktiv nach Lösungen sucht, die sowohl innovative Lernmethoden fördern als auch die Qualität der Ausbildung sichern.
Blick in die Zukunft: KI und Bildung
Die Entscheidung der ZHAW könnte als wegweisend für andere Bildungseinrichtungen in der Schweiz und darüber hinaus dienen. Sie zeigt, dass ein generelles Verbot von KI in der Bildung nicht die einzige oder beste Lösung sein muss. Stattdessen kann ein durchdachter Ansatz, der KI als Werkzeug integriert und gleichzeitig die Vermittlung von fundamentalem Wissen sicherstellt, eine effektivere Strategie sein.
Die kontinuierliche Anpassung der Lehr- und Prüfungsmethoden wird in den kommenden Jahren entscheidend sein, um den rasanten Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz gerecht zu werden. Die ZHAW hat hier einen wichtigen Schritt in Richtung einer zukunftsorientierten Bildung unternommen.




