Biber sind nicht nur fleissige Baumeister von Dämmen, sondern auch wichtige Landschaftsarchitekten. Eine neue Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und der Eawag zeigt, dass Biberreviere eine entscheidende Rolle für Fledermäuse spielen. In diesen Gebieten jagen deutlich mehr Fledermäuse, darunter auch bedrohte Arten, als ausserhalb.
Wichtige Erkenntnisse
- Biberreviere beherbergen mehr Fledermausarten und eine höhere Jagdaktivität.
- Gefährdete Fledermausarten profitieren stark von den durch Biber geschaffenen Habitaten.
- Totes Holz und ein vielfältiger Baumbestand in Biberrevieren sind entscheidend.
- Die erhöhte Insektenanzahl lockt Fledermäuse an.
- Biber unterstützen den Artenschutz effektiver als menschliche Eingriffe.
Biberpopulation erholt sich und schafft neue Lebensräume
Im 19. Jahrhundert waren Biber in weiten Teilen Europas fast ausgerottet. Dank strenger Jagdverbote und erfolgreicher Auswilderungsprojekte hat sich ihre Population erholt. Heute leben weltweit wieder über 1,4 Millionen Biber. Allein in der Schweiz sind es laut aktuellen Zahlen rund 4900 Tiere. Diese Entwicklung ist nicht nur für die Biber selbst von Vorteil, sondern auch für eine Vielzahl anderer Tierarten und Ökosysteme.
Biber stauen Bäche und fällen Bäume. Dadurch entstehen neue Feuchtgebiete und eine veränderte Waldstruktur. Diese Aktivitäten schaffen nicht nur Lebensräume und Nahrung für Fische und andere aquatische Tiere. Sie wirken sich auch positiv auf terrestrische Lebewesen aus, wie die neue Untersuchung nun belegt.
Faktencheck Biber in der Schweiz
- Bestand: Rund 4900 Biber
- Rolle: Landschaftsarchitekten, die Ökosysteme verändern
- Historie: Im 19. Jahrhundert fast ausgerottet
Studie deckt Zusammenhang zwischen Biber und Fledermäusen auf
Ein Forschungsteam der WSL und Eawag, in Zusammenarbeit mit der nationalen Biberfachstelle bei Info Fauna, hat den Einfluss von Biberaktivitäten auf Fledermäuse im Schweizer Mittelland untersucht. Die Forschenden verglichen dafür an acht Flüssen jeweils zwei Abschnitte: einen mit Biberdamm und einen ohne Bibereinfluss. Dieses Vorgehen ermöglichte einen direkten Vergleich der Lebensraumbedingungen.
Die Wissenschaftler zeichneten die Echolot-Rufe der Fledermäuse während der Insektenjagd auf, um die Menge der Tiere zu schätzen. Zusätzlich sammelten sie Fluginsekten mit speziellen Fallen und analysierten die Vegetation. Dabei achteten sie auf die Anzahl stehender und liegender toter Bäume, die Pflanzenarten und die Waldstruktur, insbesondere die Dichte und Höhe des Kronendachs.
Hintergrund der Forschung
Die Forschungsinitiative Blue-Green Biodiversity von WSL und Eawag zielt darauf ab, die Wechselwirkungen zwischen aquatischen und terrestrischen Ökosystemen zu verstehen. Das Biberforschungsprojekt des Bundesamtes für Umwelt ist Teil dieser Initiative und liefert wichtige Erkenntnisse für den Naturschutz.
Deutlicher Anstieg von Fledermäusen in Biberrevieren
Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig. An Biberteichen wurden pro Nacht im Durchschnitt fünf von schweizweit dreissig einheimischen Fledermausarten registriert. In den Kontrollabschnitten ohne Bibereinfluss waren es lediglich vier Arten. Dies zeigt eine höhere Artenvielfalt in den von Bibern geprägten Gebieten.
Besonders bemerkenswert ist die Beobachtung, dass bedrohte Arten der Roten Liste häufiger an Biberteichen flogen. Die Fledermäuse jagten in Biberrevieren 2,3-mal häufiger als in den Kontrollstrecken. Diese erhöhte Jagdaktivität liess sich an der Struktur ihrer Echolot-Rufe ablesen.
«Ich hätte nicht mit einer so deutlichen Zunahme der Fledermäuse gerechnet», sagt Valentin Moser, der die Studie als Teil seiner Doktorarbeit an der WSL durchführte.
Die Qualität des Lebensraums ist in Biberrevieren besser und die Futtermenge höher. Dies sind die Hauptgründe für die Anziehungskraft auf Fledermäuse. Der vielfältigere und offenere Baumbestand sowie das tote Holz in diesen Gebieten bieten ideale Bedingungen.
Warum Biberreviere ideal sind
- Vielfältiger Baumbestand: Biber schaffen lichte Bereiche und unterschiedliche Baumhöhen.
- Totes Holz: Stehende und liegende tote Bäume bieten Unterschlupf und Jagdgebiete.
- Erhöhte Insektenanzahl: Die Feuchtgebiete ziehen mehr Insekten an, die als Futter dienen.
Totes Holz als wichtiger Lebensraum
Ein zentraler Faktor für das Vorkommen von Fledermäusen ist das stehende Totholz. Biber fällen Bäume oder lassen sie im gestauten Wasser absterben. Diese Baumstämme bleiben oft jahrelang stehen und bieten einen wertvollen, weil seltenen Lebensraum. Eine der bedrohten Arten, die Mopsfledermaus, nutzt zum Beispiel abblätternde Rindenstücke an stehenden, toten Bäumen als Schlafplatz.
Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal «Journal of Animal Ecology» veröffentlicht. Die Forschenden betonen darin die Rolle der Biber als natürliche Unterstützer beim Schutz bedrohter Arten.
Die Mopsfledermaus
Diese bedrohte Fledermausart ist stark auf stehendes Totholz angewiesen. Abblätternde Rinde bietet ihr ideale Verstecke und Schlafplätze, die in Biberrevieren häufiger zu finden sind.
Biber als kostengünstige Naturschutzhelfer
Christof Angst, der Leiter der nationalen Biberfachstelle bei Info Fauna, unterstreicht die Bedeutung der Biber für den Artenschutz. «Fast alle Fledermäuse sind gefährdet und stehen auf der Roten Liste. Die brauchen Unterstützung und der Biber scheint genau das für uns zu übernehmen.»
Die Biberfachstelle erarbeitet derzeit einen Synthesebericht für den Bund. Dieser Bericht soll aufzeigen, wie Biber optimal in Naturschutzprogramme integriert und zukünftige Konflikte vermieden werden können. Die natürlichen Ingenieursleistungen der Biber sind dabei unschätzbar.
«Der Biber schafft wieder funktionale, sehr artenreiche und widerstandsfähige Gewässer, und zwar billiger und besser als der Mensch mit Ingenieurskunst und Baggern», so Angst.
Die Arbeit der Biber trägt massgeblich zur Wiederherstellung von artenreichen und widerstandsfähigen Gewässerökosystemen bei. Dies ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Verlust der Biodiversität und bietet eine effektive, naturbasierte Lösung für den Artenschutz.





