Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat 200'000 Franken für ein wegweisendes Projekt zur Bekämpfung der Lichtverschmutzung bewilligt. Die Initiative «Licht aus, Natur an!» der Greifensee-Stiftung und des Naturnetzes Zimmerberg soll über mehrere Jahre die negativen Folgen künstlicher Beleuchtung auf die Tier- und Pflanzenwelt in der Region untersuchen und reduzieren.
Das Projekt konzentriert sich auf die stark betroffenen Gebiete Zimmerberg, Pfannenstil und Greifensee. Ziel ist es, die natürliche Dunkelheit als Lebensraum für nachtaktive Tiere wiederherzustellen und zu schützen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Kanton Zürich unterstützt das Projekt «Licht aus, Natur an!» mit 200'000 Franken aus dem Gemeinnützigen Fonds.
- Initiatoren sind die Greifensee-Stiftung und das Naturnetz Zimmerberg.
- Hauptziel ist die Reduzierung der Lichtverschmutzung zum Schutz nachtaktiver Tierarten.
- Das Projektgebiet umfasst die Regionen Zimmerberg, Pfannenstil und Greifensee.
- Geplant sind unter anderem die Erstellung von Inventaren regionaler Tierarten und die Definition von Dunkelkorridoren.
Die unsichtbare Gefahr der Nacht
Wenn die Sonne untergeht, beginnt für viele Tiere erst das Leben. Doch in dicht besiedelten Gebieten wie dem Kanton Zürich wird die Nacht zunehmend zum Tag gemacht. Strassenlaternen, beleuchtete Gebäude und Werbetafeln erzeugen einen Lichtsmog, der weitreichende ökologische Konsequenzen hat. Viele nachtaktive Arten sind für ihre Orientierung, Nahrungssuche und Fortpflanzung auf natürliche Dunkelheit angewiesen.
Künstliches Licht stört dieses empfindliche Gleichgewicht. Es kann Insekten desorientieren, die oft bis zur Erschöpfung um Lichtquellen kreisen, und sie zu leichter Beute für Fressfeinde machen. Fledermäuse meiden hell erleuchtete Zonen, was ihre Jagdgebiete und Flugrouten fragmentiert. Auch Vögel können in ihrem Zugverhalten gestört werden.
Ein Problem mit systemischen Folgen
Die Lichtverschmutzung betrifft nicht nur einzelne Tiere, sondern ganze Ökosysteme. Der Rückgang von Nachtinsekten hat beispielsweise direkte Auswirkungen auf Pflanzen, die auf deren Bestäubung angewiesen sind, sowie auf Vögel und Fledermäuse, die sich von ihnen ernähren. Die ständige Helligkeit verändert das natürliche Verhalten von Raub- und Beutetieren und bringt über Jahrtausende eingespielte Prozesse durcheinander.
Fakten zur Lichtverschmutzung
Die Lichtglocke über städtischen Gebieten kann den Nachthimmel um ein Vielfaches aufhellen. In vielen Teilen Europas ist die Milchstrasse aufgrund der Lichtverschmutzung nicht mehr mit blossem Auge sichtbar. Dies beeinträchtigt nicht nur die Tierwelt, sondern auch den menschlichen Biorhythmus.
«Licht aus, Natur an!» als Lösungsansatz
Das nun vom Regierungsrat unterstützte Projekt setzt genau hier an. Mit einer Fördersumme von je 100'000 Franken für die Greifensee-Stiftung und das Naturnetz Zimmerberg sollen konkrete Massnahmen entwickelt werden, um die Lichtemissionen in den betroffenen Regionen zu verringern.
Die Initiative verfolgt einen mehrjährigen und interdisziplinären Ansatz. Es geht nicht darum, das Licht komplett abzuschalten, sondern es intelligent und bedarfsgerecht einzusetzen. Das Projekt ist in mehreren Phasen geplant und soll wissenschaftlich fundierte Grundlagen für den Schutz der Dunkelheit schaffen.
Konkrete Schritte für mehr Dunkelheit
Zu den zentralen Aufgaben des Projekts gehört die Erstellung detaillierter Inventare. Die Forscher wollen genau erfassen, welche lichtempfindlichen Tierarten in den Regionen Zimmerberg, Pfannenstil und Greifensee leben und wo ihre wichtigsten Lebensräume liegen.
Darauf aufbauend sollen sogenannte Dunkelkorridore definiert werden. Dies sind zusammenhängende, dunkle Landschaftsbereiche, die es Tieren ermöglichen, sich sicher zwischen verschiedenen Lebensräumen zu bewegen. Solche Korridore sind entscheidend für den genetischen Austausch zwischen Populationen und die Widerstandsfähigkeit von Arten.
Was sind Dunkelkorridore?
Dunkelkorridore sind für nachtaktive Tiere das, was Wildtierbrücken für Rehe oder Hirsche sind: sichere Passagen. Sie verbinden wichtige Lebensräume wie Wälder, Feuchtgebiete oder Wiesen und bleiben frei von störender künstlicher Beleuchtung. Dies ermöglicht es Fledermäusen, Nachtfaltern und anderen Tieren, ihre natürlichen Routen zu nutzen, ohne durch Licht gestört oder gefährdet zu werden.
Ein Modellprojekt mit überregionaler Bedeutung
Die Zusammenarbeit verschiedener Trägerschaften und der wissenschaftliche Ansatz des Projekts versprechen wertvolle Erkenntnisse. Die Initiatoren hoffen, dass die erarbeiteten Lösungen und Strategien als Vorbild für andere Regionen in der Schweiz und darüber hinaus dienen können.
Die Bekämpfung der Lichtverschmutzung ist eine komplexe Aufgabe, die eine enge Zusammenarbeit zwischen Naturschutzorganisationen, Gemeinden, Unternehmen und der Bevölkerung erfordert. Es geht um die Sensibilisierung für das Thema und die Entwicklung praktischer Lösungen, wie zum Beispiel die Umrüstung von Strassenbeleuchtung auf wärmeres Licht, die Installation von Bewegungsmeldern oder die Abschirmung von Lichtquellen, damit diese nur dorthin strahlen, wo es nötig ist.
Teil eines grösseren Engagements
Die Förderung des Projekts «Licht aus, Natur an!» ist Teil einer grösseren Ausschüttung aus dem Gemeinnützigen Fonds des Kantons Zürich. In der vierten Tranche für das Jahr 2025 bewilligte der Regierungsrat insgesamt 1,605 Millionen Franken für fünf verschiedene Vorhaben.
Neben dem Naturschutzprojekt werden auch soziale Initiativen unterstützt. Dazu gehören:
- Ein Vorhaben des Vereins Fairmedia, der eine Beratungsstelle für Opfer von digitaler Gewalt wie Hate Speech aufbauen will.
- Ein Beitrag an die Stiftung Frauenhaus Zürich zur Unterstützung ihrer Arbeit.
Diese breite Förderung unterstreicht das Engagement des Kantons, sowohl ökologische als auch soziale Herausforderungen aktiv anzugehen und nachhaltige Lösungen für die Gesellschaft zu fördern.





