Das Schweizer Gesundheitswesen steht an einem Scheideweg. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und der Druck zur Digitalisierung prägen den Alltag in Spitälern und Pflegeeinrichtungen. Eine ganze Reihe von Massnahmen wird diskutiert und umgesetzt, um die Qualität zu halten und die Effizienz zu steigern.
Wichtige Erkenntnisse
- Nicht übertragbare Krankheiten verursachen 65,7 Milliarden Franken Kosten jährlich.
- Spitäler kämpfen mit Fachkräftemangel und hohem Kostendruck.
- Digitalisierung und flexible Personallösungen sind zentrale Strategien.
- Neue Tarifsysteme und integrierte Versorgungsmodelle sollen Entlastung bringen.
Kostenexplosion durch nicht übertragbare Krankheiten
Die Gesundheitskosten in der Schweiz erreichen neue Höchststände. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind nicht übertragbare Krankheiten. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurologische Leiden.
Im Jahr 2022 beliefen sich die Kosten für diese Krankheitsbilder auf rund 65,7 Milliarden Franken. Dies entspricht einem Anstieg von 37 Prozent innerhalb von nur zehn Jahren. Diese Zahlen verdeutlichen den enormen finanziellen Druck auf das Gesundheitssystem.
Faktencheck
- 65,7 Milliarden Franken: Kosten für nicht übertragbare Krankheiten 2022.
- 37%: Anstieg der Gesamtkosten innerhalb von zehn Jahren in diesem Bereich.
Fachkräftemangel und Belastung der Teams
Der Mangel an qualifiziertem Personal ist eine der grössten Sorgen im Schweizer Gesundheitswesen. Pflegefachkräfte, Ärzte und Therapeuten fehlen an allen Ecken. Dieser Mangel führt zu einer hohen Belastung der bestehenden Teams, besonders in der Winter-Hochsaison.
Flexible Personallösungen werden zunehmend als Weg zur Entlastung gesehen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Spitäler und Pflegeeinrichtungen nach Wegen suchen, um die steigenden Anforderungen mit knappen Ressourcen zu meistern.
«Die Anforderungen steigen, die Ressourcen sind knapp und die Teams sind müde. Das Gesundheitswesen steht vor einer Belastungsprobe.»
Strategien gegen den Personalnotstand
Zurzach Care sucht aktiv nach Fachkräften in verschiedenen Bereichen. Dazu gehören Gruppenleitungen für die Pflege, Physiotherapeuten mit Schwerpunkt auf muskuloskelettale Erkrankungen (MSK) und Logopäden. Diese Bemühungen zeigen den dringenden Bedarf an qualifiziertem Personal.
Auch die Lindenhofgruppe in Bern setzt auf die Gewinnung von Spezialisten. Professor Dr. med. Christoph Albers, ein Experte für Wirbelsäulen-Chirurgie und spezialisierte Traumatologie, verstärkt dort die Orthopädie. Solche gezielten Rekrutierungen sind entscheidend, um die Versorgungsqualität zu sichern.
Digitalisierung als Effizienzmotor
Die Digitalisierung spielt eine immer wichtigere Rolle im Spitalbereich. Sie gilt als wesentlicher Faktor, um Leistungen effizienter und wirkungsvoller zu gestalten. Die Lindenhofgruppe hat Digitalisierung als strategisches Handlungsfeld definiert.
Ziel ist es, jede Gelegenheit zu nutzen, um Qualität und Zusammenarbeit zu verbessern. Dies reicht von der elektronischen Patientenakte bis hin zu intelligenten Systemen, die Arbeitsabläufe optimieren.
Hintergrund: Digitalisierung im Spital
Moderne Spitäler setzen auf digitale Lösungen, um die Patientenversorgung zu verbessern und den administrativen Aufwand zu reduzieren. Dazu gehören Telemedizin, künstliche Intelligenz für Diagnosen und robotische Assistenzsysteme.
Innovative Ansätze und Mikroroboter
Forschung und Entwicklung treiben die Digitalisierung voran. An der ETH Zürich entwickeln Wissenschaftler zum Beispiel Mikroroboter, die Medikamente direkt ins Gehirn bringen können. Solche Innovationen könnten die Behandlung neurologischer Erkrankungen revolutionieren und die Effizienz in der Medizin steigern.
Neue Tarifsysteme und Versorgungsmodelle
Um die finanzielle Situation der Spitäler zu stabilisieren, werden neue Tarifsysteme geprüft. Das Freiburger Spital sieht sich durch ein neues Tarifsystem mit Budgetbelastungen konfrontiert. Solche Anpassungen können kurzfristig zu Herausforderungen führen, sollen aber langfristig eine gerechtere Finanzierung ermöglichen.
Auch integrierte Notfallpraxen und eine stärkere Triage per Telefon werden in Deutschland erprobt, um überfüllte Spital-Notfälle zu entlasten. Diese Projekte könnten wichtige Impulse für die Schweiz liefern.
Regionale Zusammenarbeit und Qualitätszertifizierungen
Die Ostschweizer Kantone St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden und Thurgau führen einheitliche Spitallisten ein. Sie schaffen eine integrierte Gesamtversorgung. Diese Zusammenarbeit soll die Spitalversorgung optimieren und die Effizienz steigern.
Das GZO Spital in Wetzikon erhielt eine nationale Zertifizierung für die Behandlung von Beckenbodenleiden. Es ist das erste Schweizer Spital, das in den Qualitätsverbund Beckenboden aufgenommen wurde. Solche Zertifizierungen unterstreichen den Fokus auf spezialisierte und qualitativ hochwertige Versorgung.
Erfolge und Auszeichnungen
Trotz aller Herausforderungen gibt es auch positive Entwicklungen. Das neue Kantonsspital Baden gewann am World Architecture Festival in Miami den Award in der Kategorie «Health». Die Jury würdigte den Bau als Prototyp heilender Architektur. Dies zeigt, dass Investitionen in moderne Infrastruktur und innovative Konzepte Früchte tragen.
Auch die Gesundheit Mittelbünden zeigt neue Zuversicht. Das Defizit soll nächstes Jahr um etwa ein Drittel kleiner sein als in diesem Jahr. Die Personalfluktuation sank deutlich. Die im Frühjahr ergriffenen Massnahmen zeigen bereits Wirkung.
Die Schulthess Klinik in Zürich vertieft ihre Partnerschaft mit dem Hospital for Special Surgery (HSS) in New York. Sie wollen bei der Nachwuchsförderung und Outcome-Forschung enger zusammenarbeiten. Solche internationalen Kooperationen fördern den Wissenstransfer und die Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung.





