Die Schweizer Spitallandschaft steht vor grossen Herausforderungen. Trotz einer Halbierung der Gesamtverluste im letzten Jahr schreiben immer noch zwei Drittel der Spitäler rote Zahlen. Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel, und die Digitalisierung drängt auf effizientere Lösungen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Zwei Drittel der Schweizer Spitäler verzeichnen weiterhin Defizite.
- Der Fachkräftemangel in der Pflege und bei Spezialisten ist gravierend.
- Digitalisierung wird als strategisches Handlungsfeld zur Effizienzsteigerung gesehen.
- Einige Spitäler suchen kreative Wege zur Finanzierung, etwa durch Vermietung von Wohnungen.
- Spitalreformen und neue Tarifsysteme belasten die Budgets zusätzlich.
Finanzielle Schieflage bleibt bestehen
Obwohl die Gesamtverluste der Schweizer Spitäler im letzten Jahr um die Hälfte reduziert wurden, kämpfen viele Institutionen weiterhin ums Überleben. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass zwei Drittel der Spitäler nach wie vor im Minus operieren. Diese anhaltende finanzielle Belastung zwingt die Verantwortlichen, nach neuen Strategien zu suchen, um die Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern.
Die Gründe für diese Schieflage sind vielfältig. Sie reichen von steigenden Betriebskosten und komplexen Tarifsystemen bis hin zu fehlenden Investitionen und dem Druck, medizinische Leistungen in hoher Qualität anzubieten, während gleichzeitig die Kosten kontrolliert werden müssen.
Faktencheck
- Rund 66% der Spitäler in der Schweiz sind defizitär.
- Das Freiburger Spital HFR rechnet im kommenden Jahr mit einem Defizit von 25,6 Millionen Franken aufgrund eines neuen Tarifsystems.
- Swissmedic plant, in den nächsten zwei Jahren etwa 45 Vollzeitstellen abzubauen, um einem Millionen-Defizit entgegenzuwirken.
Herausforderung Personalmangel
Parallel zu den finanziellen Engpässen verschärft sich der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Überall im Land suchen Spitäler und Kliniken dringend nach qualifiziertem Personal. Die Nachfrage nach Dipl. Pflegefachpersonen, Intensivpflegeexperten und Fachleuten in spezialisierten Bereichen wie der Herzchirurgie oder der Logopädie ist besonders hoch.
Dieser Mangel führt nicht nur zu einer erhöhten Belastung des vorhandenen Personals, sondern erschwert auch die Aufrechterhaltung eines umfassenden Leistungsangebots. Viele Einrichtungen müssen kreative Wege finden, um attraktiv für Fachkräfte zu bleiben und neue Talente zu gewinnen.
"Die Personalsituation ist kritisch. Wir müssen dringend Lösungen finden, um unsere Mitarbeitenden zu entlasten und gleichzeitig neue Fachkräfte für den Spitalbereich zu begeistern." - Eine anonyme Spitaldirektorin.
Spezialisierungen sind gefragt
Besonders gesucht sind Spezialisten in Bereichen wie der Wirbelsäulen-Chirurgie und der interventionellen Schmerztherapie. Die Lindenhofgruppe hat beispielsweise Prof. Dr. med. Christoph Albers in ihre Orthopädie am Sonnenhof geholt, um diese Schwerpunkte zu stärken. Dies zeigt, wie wichtig spezialisiertes medizinisches Wissen für die modernen Spitäler ist.
Auch die Lungenliga Schweiz reagiert auf den Bedarf und hat Martin Reist zum neuen Direktor ernannt, um die Organisation zu stärken. Das Spital Thusis baut ab 2026 seine Pneumologie- und Schlafsprechstunden aus, was die steigende Nachfrage in diesen Fachbereichen unterstreicht.
Digitalisierung als Chance und Notwendigkeit
Die Digitalisierung wird zunehmend als zentrales Element zur Verbesserung der Effizienz und Qualität im Spitalbereich erkannt. Moderne Technologien können administrative Prozesse optimieren, die Patientenversorgung personalisieren und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen erleichtern. Die Lindenhofgruppe hat die Digitalisierung bereits zu einem strategischen Handlungsfeld erklärt.
Es geht darum, jede Gelegenheit zu nutzen, um Qualität und Zusammenarbeit zu verbessern. Von digitalen Patientenakten über Telemedizin bis hin zu intelligenten Systemen für die Bettenplanung – die Möglichkeiten sind vielfältig, erfordern aber auch erhebliche Investitionen und eine gut durchdachte Strategie.
Hintergrund: Spitalreformen
Ein SRF-Dokumentarfilm mit dem Titel "Spitäler in Not" beleuchtet die aktuelle Situation des Schweizer Gesundheitswesens und zieht Vergleiche zu Dänemark, um mögliche Lösungsansätze aufzuzeigen. Diese Reformen sind oft mit erheblichen finanziellen Auswirkungen für die einzelnen Spitäler verbunden, wie das Beispiel des Freiburger Spitals HFR zeigt, das wegen eines neuen Tarifsystems ein hohes Defizit erwartet.
Kreative Wege aus der Krise
Angesichts der finanziellen und personellen Engpässe suchen Spitäler nach innovativen Wegen, um ihre Zukunft zu sichern. Das Spital Männedorf plant beispielsweise, eine Villa umzubauen und an Gutbetuchte zu vermieten. Die Mieteinnahmen sollen Teil der Finanzstrategie werden, um die Spitalversorgung zu unterstützen.
Auch Gemeinden engagieren sich verstärkt. Die Gemeinde Savognin will ihr Spital fix mit einer halben Million Franken pro Jahr unterstützen. Solche lokalen Initiativen sind entscheidend, um die Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen aufrechtzuerhalten.
Führungswechsel und neue Strategien
Einige Spitäler setzen auf neue Führungskräfte, um den Herausforderungen zu begegnen. Sabrina Gänsbacher, die vom Basler Universitätsspital kommt, wird neue CEO des Spitals Bülach. Simone Machado übernimmt die Direktion des Asana Spitals Leuggern und wechselt damit von der Pflege an die Spitze.
Das Kantonsspital Baselland ordnet seine Geschäftsleitung neu, wobei Jörg Leuppi die neu geschaffene Funktion des Chief Academic Officer übernimmt. Diese personellen Veränderungen zeigen den Willen, mit frischen Perspektiven und neuen Strategien die Zukunft der Spitäler aktiv zu gestalten.
Fazit und Ausblick
Die Schweizer Spitäler stehen vor einer komplexen Gemengelage aus finanziellen Problemen, Personalmangel und dem Druck zur Digitalisierung. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, wie sich die Gesundheitslandschaft entwickelt.
Es bedarf eines ganzheitlichen Denkens und einer engen Zusammenarbeit zwischen Politik, Spitälern und Gemeinden, um nachhaltige Lösungen zu finden und die hohe Qualität der medizinischen Versorgung in der Schweiz auch in Zukunft zu gewährleisten.





