Die Schweizer Justizvollzugsanstalten stehen vor einer anhaltenden Herausforderung: Sie sind weitgehend überbelegt. Eine aktuelle Umfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zeigt, dass dieses Problem seit Jahren besteht und viele Kantone nun konkrete Massnahmen ergreifen, um die Kapazitäten zu erweitern. Dies betrifft sowohl Regionalgefängnisse als auch grössere Anstalten.
Wichtige Erkenntnisse
- Schweizer Gefängnisse sind landesweit überbelegt.
- Der Kanton Bern meldet eine Auslastung von 107 Prozent, Regionalgefängnisse sogar 124 Prozent.
- Zürich, Thurgau und St. Gallen planen ebenfalls Kapazitätserweiterungen.
- Neubauprojekte und Ausbauten sollen die Situation entschärfen.
Bern: Regionalgefängnisse am Limit
Besonders deutlich zeigt sich die Situation im Kanton Bern. Die Gesamtauslastung aller Berner Vollzugseinrichtungen erreichte im Jahr 2025 durchschnittlich 107 Prozent. Dies stellt eine erhebliche Belastung für Personal und Infrastruktur dar.
Noch angespannter ist die Lage in den Regionalgefängnissen. Die Einrichtungen in Bern, Biel, Burgdorf, Moutier und Thun verzeichneten eine durchschnittliche Auslastung von alarmierenden 124 Prozent. Diese Zahlen unterstreichen den dringenden Handlungsbedarf.
Faktencheck Berner Gefängnisse
- Gesamtauslastung Kanton Bern (2025): 107%
- Auslastung Regionalgefängnisse (Bern, Biel, Burgdorf, Moutier, Thun): 124%
Als Reaktion auf diese Engpässe hat der Kanton Bern bereits Schritte eingeleitet. Ein bedeutendes Projekt ist der Gefängnisneubau in Witzwil. Solche Projekte sind entscheidend, um langfristig eine menschenwürdige Unterbringung und eine effektive Resozialisierung zu gewährleisten.
Situation in Zürich und der Ostschweiz
Auch andere Kantone kämpfen mit ähnlichen Problemen. Im Kanton Zürich liegt die Auslastung im Gefängnis im Kreis 4 bei 102 Prozent. Die Justizvollzugsanstalt Pöschwies, eine der grössten in der Schweiz, ist mit 95 Prozent ebenfalls fast voll belegt.
Diese Zahlen zeigen, dass der Druck auf die Vollzugseinrichtungen in urbanen Zentren besonders hoch ist. Die stetige Zunahme der Bevölkerung und eine gleichbleibende Kriminalitätsrate tragen zu dieser Entwicklung bei.
Hintergrund der Überbelegung
Die Überbelegung von Gefängnissen ist ein komplexes Problem, das verschiedene Ursachen hat. Dazu gehören längere Haftstrafen, eine Zunahme von Untersuchungshaft und eine gleichzeitige Stagnation oder gar Reduktion der verfügbaren Haftplätze in der Vergangenheit. Die Justizsysteme sind unter Druck, mit der steigenden Anzahl an Verurteilten Schritt zu halten.
Thurgau und St. Gallen reagieren
Im Thurgau war das Kantonalgefängnis in Frauenfeld Ende 2025 mit 104 Prozent ausgelastet. Im Kanton St. Gallen erreichte das Regionalgefängnis in Altstätten sogar 114 Prozent. Auch das Gefängnis Gmünden in Teufen AR meldete eine volle Belegung von 100 Prozent.
Diese Kantone haben ebenfalls Pläne für Ausbauten und Kapazitätserweiterungen auf dem Tisch. Es ist eine landesweite Anstrengung nötig, um die Situation zu verbessern und den gesetzlichen Anforderungen an den Strafvollzug gerecht zu werden.
«Die anhaltende Überbelegung ist eine Herausforderung für das gesamte Justizsystem. Wir müssen nicht nur die Kapazitäten erweitern, sondern auch präventive Massnahmen verstärken, um die Rückfallquote zu senken.»
Ein Justizexperte
Geplante Massnahmen und ihre Auswirkungen
Die geplanten Um- und Ausbauprojekte sind unerlässlich. Sie sollen nicht nur mehr Platz schaffen, sondern auch die Arbeitsbedingungen für das Personal verbessern und moderne Standards im Strafvollzug ermöglichen. Neue Einrichtungen können zudem besser auf die Bedürfnisse verschiedener Häftlingsgruppen eingehen, etwa im Bereich der psychischen Betreuung oder der beruflichen Wiedereingliederung.
Eine Erweiterung der Kapazitäten bedeutet auch eine erhebliche Investition öffentlicher Gelder. Diese Investitionen sind jedoch notwendig, um die Rechtsstaatlichkeit zu wahren und die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Der Strafvollzug spielt eine zentrale Rolle in der Gesellschaft, indem er nicht nur Straftäter verwahrt, sondern auch deren Resozialisierung fördert.
Langfristige Perspektiven
Die Politik ist gefordert, langfristige Strategien zu entwickeln. Dazu gehören nicht nur der Bau neuer Gefängnisse, sondern auch die Prüfung alternativer Strafvollzugsformen, wo dies sinnvoll und sicher ist. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Kantonen und dem Bund ist dabei entscheidend, um koordinierte Lösungen zu finden.
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Schweiz vor einer komplexen Aufgabe steht. Die Bewältigung der Überbelegung erfordert nicht nur bauliche Massnahmen, sondern auch eine kontinuierliche Anpassung der rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen im Strafvollzug.
Überblick der Auslastung (Ende 2025)
- Gefängnis Zürich, Kreis 4: 102%
- JVA Pöschwies (Zürich): 95%
- Kantonalgefängnis Frauenfeld (Thurgau): 104%
- Regionalgefängnis Altstätten (St. Gallen): 114%
- Gefängnis Gmünden (Appenzell Ausserrhoden): 100%
Die Diskussion um die Überbelegung ist eng verbunden mit der gesellschaftlichen Debatte über Kriminalität und Sicherheit. Es geht darum, ein Gleichgewicht zu finden zwischen dem Schutz der Gesellschaft und der Respektierung der Rechte der Inhaftierten. Die aktuellen Projekte sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung.





