Wallisellen steht vor einer entscheidenden Wahl: Drei Kandidaten bewerben sich um das Stadtpräsidium. Adis Merdzanovic, Philipp Maurer und Adrian Bangerter präsentieren dabei sehr unterschiedliche Visionen für die Zukunft der Gemeinde. Ihre Ansätze unterscheiden sich in Stil, Prioritäten und den langfristigen Zielen für Wallisellen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Drei Kandidaten treten zur Präsidiumswahl in Wallisellen an.
- Adis Merdzanovic setzt auf Dialog, strategische Entwicklung und Gemeinschaftssinn.
- Philipp Maurer fokussiert auf Klimaziele, gemeinnützigen Wohnbau und Grünräume.
- Adrian Bangerter priorisiert Effizienz, Bürokratieabbau und einen tiefen Steuerfuss.
- Die Wahl entscheidet über die grundsätzliche Ausrichtung Wallisellens in den kommenden Jahren.
Stärken Wallisellens: Einigkeit in der Wertschätzung
Alle drei Anwärter sind sich einig über die grundsätzlichen Stärken von Wallisellen. Sie loben die strategische Lage, die hervorragende Infrastruktur und die hohe Lebensqualität der Gemeinde. Diese Punkte bilden die gemeinsame Basis ihrer Argumente, auch wenn die Akzente unterschiedlich gesetzt werden.
Adis Merdzanovic hebt die ideale Erschliessung, die vielfältigen Freizeitangebote und die wirtschaftliche Attraktivität hervor. Er betont, dass Bewährtes erhalten, aber gleichzeitig weiterentwickelt werden muss. Dies zeigt seinen Wunsch nach einer ausgewogenen Entwicklung.
Philipp Maurer sieht Wallisellen in einer hervorragenden Ausgangslage. Er verweist auf gute Finanzen, hohe Wohnqualität, eine starke Infrastruktur und intakte Grünräume. Für ihn sind diese Faktoren entscheidend für die Attraktivität der Gemeinde.
Adrian Bangerter schätzt die einzigartige Mischung aus Urbanität und Dorfleben. Er hebt zudem die leistungsfähigen Schulen und das starke Gewerbe hervor. Bangerter argumentiert, diese Qualitäten müssten vor übermässiger Regulierung geschützt werden, um ihre Dynamik zu erhalten.
Faktencheck
Wallisellen zählt zu den attraktivsten Gemeinden im Kanton Zürich. Die Bevölkerung wächst stetig, und die Nachfrage nach Wohnraum und Dienstleistungen ist hoch. Die strategische Lage nahe Zürich und dem Flughafen macht die Gemeinde zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort.
Herausforderungen: Drei unterschiedliche Problemdefinitionen
Trotz der Einigkeit über die Stärken divergieren die Kandidaten stark in ihrer Definition der grössten Herausforderungen für Wallisellen. Jeder sieht andere Schwerpunkte, die es in den nächsten Jahren anzugehen gilt.
Adis Merdzanovic erkennt einen schwindenden Gemeinschaftssinn in der Gemeinde. Er bemängelt zudem den Mangel an bezahlbarem Wohnraum und sieht finanzielle Risiken durch bevorstehende Grossinvestitionen. Seine Lösungsansätze sind regulativ, sozialverträglich und strategisch ausgerichtet.
Philipp Maurer legt seine Prioritäten klar auf die Energie- und Klimapolitik. Er fordert Massnahmen zur Erreichung der Klimaziele. Weiterhin sind für ihn die Wohnraumpolitik und die qualitative Entwicklung urbaner Gebiete von zentraler Bedeutung.
„Wallisellen braucht eine klare Strategie, die den Klimawandel ernst nimmt und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum schafft“, so Philipp Maurer.
Adrian Bangerter kritisiert die langwierigen Verwaltungsverfahren und den zunehmenden Verkehrsdruck. Er fordert eine Verringerung des Verwaltungsaufwands und eine bürgernähere Kommunikation. Für ihn ist die Distanz zwischen Verwaltung und Bevölkerung ein zentrales Problem.
Hintergrund
Wallisellen hat in den letzten Jahrzehnten ein starkes Wachstum erlebt. Dies bringt Herausforderungen mit sich, wie die Belastung der Infrastruktur, steigende Mietpreise und die Notwendigkeit, den ländlichen Charakter trotz Verdichtung zu bewahren. Die Entscheidungen des Präsidiums werden diese Entwicklungen massgeblich beeinflussen.
Zukunftsvision bis 2029: Konkrete Projekte versus Effizienz
Die Kandidaten präsentieren sehr unterschiedliche Visionen für Wallisellen bis zum Jahr 2029. Ihre Pläne reichen von langfristigen strategischen Prozessen bis zu konkreten, umsetzbaren Projekten.
Adis Merdzanovic möchte eine grosse strategische Weichenstellung vornehmen. Er plant die Lancierung eines breit abgestützten öffentlichen Mitwirkungsprozesses. Dieser soll die langfristige Entwicklung definieren und erste konkrete Massnahmen einleiten, um Wallisellen zukunftsfähig zu machen.
Philipp Maurer hingegen setzt auf konkrete Projekte. Er nennt klare Ziele wie die ersten Fernwärmeanschlüsse, die Schaffung gemeinnütziger Wohnungen und das Pflanzen zusätzlicher Bäume. Auch eine Entschärfung der Parkplatzsituation beim Spöde steht auf seiner Agenda.
Adrian Bangerter fokussiert auf mehr Effizienz und digitale Abläufe. Wallisellen soll seiner Meinung nach „einfacher funktionieren“. Dazu gehören schnellere Bewilligungen, weniger Bürokratie und klarere Entscheidungswege durch digitale Prozesse. Er will die Verwaltung schlanker und bürgerfreundlicher gestalten.
Verkehr und Mobilität: Drei Philosophien
Im Bereich Verkehr und Mobilität zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede in den Ansätzen der drei Kandidaten. Ihre Philosophien reichen von pragmatisch bis strategisch.
Adis Merdzanovic vertritt einen pragmatischen Ansatz ohne Ideologie. Er setzt auf detaillierte Analysen, Testbetriebe und Vor-Ort-Begehungen, um massgeschneiderte Lösungen für die Verkehrsprobleme zu finden. Für ihn steht die Machbarkeit im Vordergrund.
Philipp Maurer legt Wert auf die Umsetzung des kommunalen Verkehrskonzepts. Er fordert eine Stärkung des öffentlichen Verkehrs, eine bessere Busanbindung und sieht die Velobahn als Chance. Sein Fokus liegt auf nachhaltigen Mobilitätslösungen.
Adrian Bangerter priorisiert den fliessenden Verkehr auf Hauptachsen. Tempo 30 befürwortet er nur punktuell dort, wo es sinnvoll ist. Er plädiert zudem für regional koordinierte Lösungen, um den Verkehr ganzheitlich zu betrachten und nicht nur isoliert in Wallisellen.
Bauen, Verdichtung und Grünräume: Balanceakt für die Zukunft
Der Umgang mit Bauprojekten, Verdichtung und dem Erhalt von Grünräumen ist ein weiteres wichtiges Thema, bei dem die Kandidaten unterschiedliche Prioritäten setzen.
Adis Merdzanovic befürwortet eine architektonisch hochwertige Verdichtung. Er möchte diese über Instrumente wie den Mehrwertausgleich und städtebauliche Verträge steuern. Für ihn ist Qualität in der Bebauung entscheidend.
Philipp Maurer betont die Bedeutung der Grünräume. Er sieht das Zusammenspiel von Landwirtschaft, Erholung und Biodiversität als zentral an. Baumschutz und eine Grünflächenziffer sind für ihn wichtige Instrumente, um diese Werte zu erhalten und auszubauen.
Adrian Bangerter fordert eine massvolle Verdichtung und moderne Regulierungen. Für ihn steht die Frage im Zentrum: „Verbessert dieses Projekt die Lebensqualität?“ Er unterstützt Verdichtung nur dort, wo sie einen klaren Mehrwert für die Bewohner schafft.
Gemeinschaft und Integration: Vereine als Schlüssel
Alle Kandidaten sind sich einig, dass Vereine eine Schlüsselrolle für den Gemeinschaftssinn und die Integration spielen. Die konkreten Massnahmen zur Stärkung dieser Bereiche variieren jedoch.
- Adis Merdzanovic möchte Quartiervereine stärken und die Schule aktiv in Integrationsprozesse einbeziehen. Er sieht Integration als langfristigen, kontinuierlichen Prozess.
- Philipp Maurer betrachtet Kultur als verbindendes Element. Er setzt auf die Bereitstellung von Infrastruktur und gezielte Unterstützung für Vereine.
- Adrian Bangerter nennt Sprache, klare Regeln und Quartieranlässe als Grundlage für Integration. Er fordert zudem, den Kanton stärker in die Pflicht zu nehmen, um die Integration zu fördern.
Finanzen und Steuerpolitik: Klare Unterschiede im Umgang mit dem Geld
Im Bereich Finanzen und Steuerpolitik zeigen sich wohl die deutlichsten Unterschiede zwischen den Kandidaten. Hier spiegeln sich ihre grundlegenden politischen Überzeugungen wider.
Adis Merdzanovic sieht die finanzielle Lage als solide, warnt aber vor den Auswirkungen grosser Investitionen. Er plädiert für Effizienzsteigerung und klare Prioritäten, um die Finanzen langfristig stabil zu halten.
Philipp Maurer setzt auf stabile Steuern und eine solide Planung. Er befürwortet Investitionen, die den kommenden Generationen zugutekommen. Für ihn sind nachhaltige Finanzentscheidungen wichtig.
Adrian Bangerter tritt als entschiedener Sparpolitiker auf. Er fordert einen tiefen Steuerfuss und möchte Prestigeprojekte vermeiden. Der Staat soll nur dort aktiv werden, wo es zwingend nötig ist. Sein Ziel ist ein schlanker Staat und eine Entlastung der Steuerzahler.
Führungsstil: Drei sehr verschiedene Persönlichkeiten
Die Kandidaten unterscheiden sich nicht nur in ihren politischen Zielen, sondern auch in ihrem bevorzugten Führungsstil. Diese Aspekte prägen die Zusammenarbeit im Gemeinderat und die Kommunikation mit der Bevölkerung.
Adis Merdzanovic präsentiert sich als kommunikativ, motivierend und analytisch. Er strebt einen mehrheitsorientierten Führungsstil an, der auf Dialog und Konsensfindung setzt.
Philipp Maurer wird als erfahren, konstant und kompromissfähig beschrieben. Er gilt als berechenbarer Verwaltungsprofi, der auf Beständigkeit und pragmatische Lösungen setzt.
Adrian Bangerter vertritt einen unternehmerischen und entscheidungsstarken Stil. Sein Motto lautet „weniger reden, mehr machen“. Er möchte rasche Entscheidungen treffen und die Umsetzung von Projekten beschleunigen.
Fazit: Wallisellen wählt eine Grundausrichtung
Die Wahl des Stadtpräsidiums in Wallisellen ist weit mehr als eine reine Personenwahl. Sie ist eine grundlegende Richtungsentscheidung für die Zukunft der Gemeinde. Die Wählerinnen und Wähler stehen vor der Wahl zwischen drei klar definierten Kursen.
Adis Merdzanovic steht für einen strategischen, breit abgestützten Entwicklungsprozess. Er setzt auf Dialog, Analyse und eine gemeinsame Vision für die nächsten Jahre. Sein Fokus liegt auf dem Zusammenhalt und einer wohlüberlegten Langzeitplanung.
Philipp Maurer verkörpert einen ökologisch-sozialen Ansatz. Er will konkrete Projekte für eine klimafreundliche Infrastruktur umsetzen, sozial verträglichen Wohnraum schaffen und die urbane Qualität durch den Schutz von Grünräumen sichern.
Adrian Bangerter bietet einen unternehmerisch-effizienten Gegenpol. Er verspricht weniger Bürokratie, klare Prozesse und schnelle Entscheidungen. Sein Fokus liegt auf wirtschaftlicher Vitalität, gesunden Finanzen mit einem attraktiven Steuerfuss und einem schlanken Staat.
Wallisellen wird mit dieser Wahl nicht nur eine Person, sondern eine Grundausrichtung für die kommenden Jahre bestimmen: Mehr Modernisierung und strategische Entwicklung, mehr ökologische und soziale Schwerpunkte oder ein liberaler, wirtschaftsorientierter Führungsstil. Die kommenden Diskussionen und Foren werden weitere Einblicke in die Pläne der Kandidaten geben.





