Die Bauarbeiten für den Brüttener Tunnel beginnen voraussichtlich im Jahr 2026. Dieses Grossprojekt soll die Reisezeit zwischen Zürich und Winterthur drastisch von 20 auf nur 12 Minuten verkürzen. Nach jahrzehntelangen Diskussionen und Planungen rückt die Realisierung dieser wichtigen Infrastrukturmassnahme nun in greifbare Nähe, nachdem die letzten Klagen abgewiesen wurden.
Wichtige Punkte
- Baubeginn des Brüttener Tunnels ist für 2026 geplant.
- Die Fahrzeit zwischen Zürich und Winterthur wird von 20 auf 12 Minuten reduziert.
- Das Projekt umfasst zwei parallele Tunnelröhren von je 9 Kilometern Länge.
- Die Kosten für den Bau belaufen sich auf rund 3,3 Milliarden Franken.
- Der Tunnel soll die Kapazität der Bahnstrecke deutlich erhöhen und das S-Bahn-Netz entlasten.
Ein Jahrhundertprojekt für die Mobilität
Seit über 160 Jahren nehmen Bahnreisende zwischen Zürich und Winterthur einen Umweg in Kauf. Die topografischen Gegebenheiten, insbesondere die Hügel zwischen Bassersdorf ZH und Winterthur, erzwangen eine längere Route durch das Kempttal. Mit dem Brüttener Tunnel wird diese historische Einschränkung überwunden.
Der neue Tunnel ermöglicht eine nahezu direkte Verbindung. Es handelt sich um ein Doppeltunnelsystem mit zwei parallelen Röhren, die jeweils 9 Kilometer lang sind. Züge sollen hier mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h fahren können.
Die Strecke führt Passagiere vom Zürcher Hauptbahnhof zunächst unterirdisch durch die Durchmesserlinie nach Oerlikon. In Dietlikon tauchen die Züge erneut ab und kommen kurz vor Winterthur Töss wieder an die Oberfläche. Rund drei Viertel der gesamten Strecke werden dann unterirdisch verlaufen.
Fakten zum Brüttener Tunnel
- Länge: 2 x 9 Kilometer
- Geschwindigkeit: Bis zu 160 km/h
- Kosten: 3,3 Milliarden Franken
- Geplante Inbetriebnahme: 2037
Kapazitätserhöhung und schnellere Verbindungen
Die Hauptmotivation für den Bau des Brüttener Tunnels liegt nicht nur in der Verkürzung der Fahrzeit. Ein zentraler Aspekt ist die erhebliche Steigerung der Kapazität auf einer der meistbefahrenen Bahnstrecken der Schweiz. Die Verbindung zwischen Zürich, der grössten Stadt, und Winterthur, der sechstgrössten, ist heute stark ausgelastet.
Der Tunnel erweitert die bestehende zweispurige Strecke auf vier Spuren. Dies ermöglicht mehr Zugverbindungen und reduziert die Anfälligkeit für Verspätungen im eng getakteten SBB-Fahrplan. Zwischenfälle zwischen Winterthur und Zürich haben dann geringere Auswirkungen auf das gesamte Netz.
Ein SBB-Vertreter beschreibt die neue Bahnlinie in der «NZZ» treffend: «Wie mit der Metro.»
Zusätzlich zum Haupttunnel ist ein Abzweiger nach Bassersdorf geplant. Dieser soll die Erreichbarkeit des Flughafens Zürich weiter verbessern und die Reisezeiten dorthin ebenfalls verkürzen.
Ein Projekt mit langer Geschichte und hohen Kosten
Der Brüttener Tunnel ist kein neues Vorhaben. Die Idee existiert seit Jahrzehnten und war bereits Teil des in den 1980er-Jahren beschlossenen Ausbauprojekts «Bahn 2000». Doch andere Ausbauten erhielten damals höhere Priorität, und es gab erheblichen Widerstand gegen das Grossprojekt.
Mit Kosten von 3,3 Milliarden Franken gehört der Brüttener Tunnel zu den teuersten Infrastrukturprojekten der Schweiz. Nur der Lötschberg-Basistunnel (4,5 Milliarden Franken) und der Gotthard-Basistunnel (12,2 Milliarden Franken) waren noch kostspieliger. Diese sind jedoch mit 27 bzw. 57 Kilometern auch deutlich länger.
Hintergrund: Lange Planungsphase
Die Planungen für den Brüttener Tunnel zogen sich über Jahrzehnte hin. Ursprünglich als Teil des «Bahn 2000»-Projekts vorgesehen, wurde der Bau immer wieder verschoben. Der Widerstand gegen das Projekt war gross, was sich in über 200 Einsprachen widerspiegelte. Das Bundesverwaltungsgericht hat jedoch kürzlich die letzten beiden Klagen abgewiesen und damit den Weg für den Baubeginn freigemacht.
Umfassende Infrastrukturanpassungen nötig
Der Bau des Tunnels ist nur ein Teil des Gesamtprojekts. Umfangreiche Erweiterungen und Umgestaltungen sind auch an den umliegenden Bahnhöfen erforderlich. Dies betrifft die Stationen Wallisellen, Dietlikon und Bassersdorf sowie den Bereich vor dem Bahnhof Winterthur.
Diese Anpassungen sind entscheidend, um die erhöhte Kapazität und die neuen Zugverbindungen optimal in das bestehende Netz zu integrieren. Sie stellen sicher, dass der gesamte Verkehrsfluss reibungslos funktioniert und die Vorteile des Tunnels voll ausgeschöpft werden können.
Bedeutung für Pendler und die Region
Die Fahrzeitverkürzung von 20 auf 12 Minuten wird das Pendlerleben für Tausende von Menschen erheblich verbessern. Für Bewohner Winterthurs, die in Bahnhofsnähe leben, bedeutet dies, dass sie künftig schneller am Zürcher Hauptbahnhof ankommen könnten als einige Zürcher aus Aussenquartieren ohne direkten S-Bahn-Anschluss.
Die erhöhte Kapazität entlastet nicht nur die Hauptstrecke, sondern bietet auch mehr Flexibilität im gesamten S-Bahn-Netz des Grossraums Zürich. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Bewältigung des stetig wachsenden Verkehrsaufkommens in der Region.
Die Inbetriebnahme des Brüttener Tunnels ist für das Jahr 2037 vorgesehen, vorausgesetzt, es kommt zu keinen weiteren Verzögerungen. Dieses Projekt wird die Mobilität und die Vernetzung zwischen den beiden wichtigsten Städten des Kantons Zürich nachhaltig prägen.





