Die Schlatter Beck Bäckerei, eine Traditionsbäckerei im Thurgau, wird Ende des Jahres ihre Tore schliessen. Diese Entscheidung betrifft 17 Mitarbeitende und wirft Fragen über die Zukunft kleiner Handwerksbetriebe in der Schweiz auf. Die Bäckerei beliefert seit vielen Jahren Volg-Läden und Tankstellen-Shops von Winterthur bis Schaffhausen mit frischen Backwaren.
Wichtige Punkte
- Die Schlatter Beck Bäckerei schliesst Ende des Jahres.
- 17 Mitarbeitende sind von der Schliessung betroffen.
- Die Landi Weinland begründet die Schliessung mit mangelnder Wirtschaftlichkeit.
- Traditionelle Bäckereien stehen unter grossem Wettbewerbsdruck.
- Die Belieferung der Volg-Filialen wird von einer Grossbäckerei übernommen.
Ein harter Schlag für die Belegschaft
Die Nachricht über die bevorstehende Schliessung kursierte bereits seit dem Frühjahr, doch für viele der 17 Angestellten bleibt die berufliche Zukunft ungewiss. Besonders ältere Mitarbeitende, die teilweise seit Jahrzehnten in der Bäckerei arbeiten, sind von dieser Entwicklung stark betroffen. Sie fühlen sich von der Geschäftsleitung der Landi Weinland im Stich gelassen.
Viele Angestellte äussern ihr Unverständnis über die Entscheidung. Sie betonen, dass die Bäckerei Gewinne erwirtschaftet habe. Anstatt in die Zukunft des Betriebs zu investieren, habe man sich für die Schliessung entschieden. Diese Sichtweise steht im Gegensatz zur offiziellen Begründung der Geschäftsleitung.
Faktencheck
- Anzahl der betroffenen Mitarbeiter: 17
- Belieferte Region: Winterthur bis Schaffhausen
- Betriebsform: Landi-Hausbäckerei
Wirtschaftliche Gründe oder fehlende Wertschätzung?
Lukas Landolt, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Landi Weinland, erklärte, dass eine Sanierung und Modernisierung der Bäckerei notwendig gewesen wäre. Solche Investitionen hätten die Wirtschaftlichkeit des Betriebs gefährdet. Er betonte, dass die Entscheidung nicht leicht gefallen sei.
Die Mitarbeitenden sehen das anders. Sie sind stolz auf ihr Handwerk und die täglich frisch hergestellten Produkte. Für sie ist die Schliessung ein Zeichen mangelnder Wertschätzung für das Bäckerhandwerk. Der Druck auf traditionelle Bäckereien ist enorm, da sie mit dem Billigbrot von Grossverteilern konkurrieren müssen.
«Wir haben täglich frische Produkte für unzählige Läden hergestellt. Es ist schwer zu verstehen, warum ein profitabler Betrieb geschlossen wird.»
Konkurrenzdruck und Branchenwandel
Die Bäckereibranche befindet sich im Wandel. Immer mehr kleine Betriebe müssen schliessen, da sie dem Preisdruck und der Effizienz grosser Industriebäckereien nicht standhalten können. Die Schlatter Beck Bäckerei ist hierfür ein weiteres Beispiel. Dieser Trend ist schweizweit zu beobachten.
Die Volg-Filialen, die bisher vom Schlatter Beck beliefert wurden, erhalten ihre Backwaren künftig von einer modernen Grossbäckerei. Diese Umstellung bedeutet, dass die Öfen nicht mehr nachts, sondern fast ausschliesslich tagsüber betrieben werden. Dies stösst bei den Angestellten auf Unverständnis, da die nächtliche Produktion Teil der traditionellen Handwerkskunst war.
Hintergrund: Der Fall Kölli-Beck
Ein ähnliches Schicksal ereilte den Traditionsbeck «Kölli-Beck» in Thalwil ZH, der Ende Juli nach 190 Jahren schliessen musste. Das älteste Familienunternehmen der Gemeinde stand vor dem Problem, dass grössere Investitionen in die Backstube und Platzmangel eine Übernahme durch den Sohn unmöglich machten. Immerhin konnten dort fast alle Mitarbeitenden von regionalen Bäckereien übernommen werden, die in die ehemaligen Filialen zogen.
Zukunft der Mitarbeitenden und Produktqualität
Einige der 17 Mitarbeitenden des Schlatter Becks haben bereits neue Stellen gefunden. Für andere, insbesondere ältere Angestellte, ist die Suche jedoch schwieriger. Die Landi Weinland bietet Unterstützung bei der Stellensuche an, doch die Unsicherheit bleibt gross.
Neben der Sorge um die Arbeitsplätze gibt es auch Bedenken hinsichtlich der Qualität der Produkte. Der neue Lieferant, eine Grossbäckerei, produziert keine Patisserie. Zudem könnten einige Backwaren nicht mehr so frisch in die Läden geliefert werden, wie es bisher der Fall war. Das traditionelle Handwerk, das den Schlatter Beck auszeichnete, weicht nun einer industrielleren Fertigung.
Auswirkungen auf die Region
Die Schliessung des Schlatter Becks ist nicht nur für die Mitarbeitenden und die Landi Weinland von Bedeutung. Sie ist auch ein Verlust für die regionale Versorgung mit frischen, handwerklich hergestellten Produkten. Viele Kunden schätzten die Qualität und die lokale Herkunft der Backwaren. Dieser Verlust unterstreicht den Druck, unter dem kleine und mittlere Betriebe im Lebensmittelhandwerk stehen.
Die Transformation der Bäckereilandschaft ist ein Spiegelbild grösserer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen. Die Konsumentenpräferenzen verschieben sich, und der Wunsch nach günstigen Produkten dominiert oft über die Wertschätzung für traditionelles Handwerk und lokale Produktion. Dies stellt viele Handwerksbetriebe vor existenzielle Herausforderungen.
Ein Blick in die Zukunft des Bäckerhandwerks
Die Schliessung des Schlatter Becks ist ein weiteres Beispiel dafür, wie der Markt für traditionelle Bäckereien immer enger wird. Es zeigt die Notwendigkeit für solche Betriebe, innovative Wege zu finden, um zu überleben. Dies kann durch Spezialisierung, Nischenprodukte oder eine stärkere Betonung regionaler Identität geschehen.
Für die verbleibenden traditionellen Bäckereien ist es entscheidend, sich von der industriellen Konkurrenz abzuheben. Die Qualität der Zutaten, die Handwerkskunst und der persönliche Service sind Alleinstellungsmerkmale, die es zu bewahren und zu kommunizieren gilt. Nur so kann das Bäckerhandwerk in der Schweiz langfristig bestehen.





