Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) startet im Frühling 2026 einen Pilotversuch mit flexiblen Stromtarifen für Elektroautos. Ziel ist es, das Ladeverhalten privater E-Autofahrer zu analysieren und so die Netzstabilität zu optimieren. Dieser Schritt ist eine direkte Reaktion auf die bevorstehende nationale Gesetzesrevision, die ab 2026 neue Rahmenbedingungen für dynamische Stromtarife schafft.
Wichtigste Erkenntnisse
- Pilotversuch startet im Frühling 2026.
- Flexible Stromtarife sollen Ladeverhalten von E-Autos steuern.
- Tarife orientieren sich an der Netzauslastung, nicht mehr an Hoch-/Niedertarif.
- Ziel ist effizienterer und ressourcenschonender Netzbetrieb.
- Reguläre Einführung dynamischer Tarife ab 2028 geplant.
Neues Gesetz ermöglicht dynamische Tarife
Die nationale Gesetzesrevision, die 2026 in Kraft tritt, ist der Auslöser für diese Initiative. Sie erlaubt es Energieversorgern, sogenannte dynamische Stromtarife einzuführen. Diese Tarife weichen vom bisherigen System der Hoch- und Niedertarife ab. Stattdessen passen sie sich der aktuellen und erwarteten Auslastung des Stromnetzes an.
Der Stadtrat hat dem Pilotversuch des EWZ bereits zugestimmt. Diese Genehmigung ebnet den Weg für die Erprobung eines Modells, das eine effizientere Steuerung der Stromnachfrage ermöglichen soll. Besonders im Bereich der Elektromobilität, die stark wächst, ist dies von grosser Bedeutung.
Faktencheck
- Start des Pilotversuchs: Frühling 2026
- Ziel: Anpassung des Ladeverhaltens von E-Autos
- Grundlage: Nationale Gesetzesrevision ab 2026
- Reguläre Einführung: Spätestens ab 2028 (bei positivem Ergebnis)
Wie funktionieren flexible Stromtarife?
Flexible Stromtarife bedeuten, dass der Preis für Elektrizität je nach Tageszeit und Netzbelastung variiert. Wenn das Stromnetz stark ausgelastet ist, steigen die Tarife. In Zeiten geringerer Nachfrage, beispielsweise nachts oder an Wochenenden, sinken sie.
Für private Elektroautofahrer bedeutet dies einen Anreiz, ihr Fahrzeug dann zu laden, wenn der Strom günstiger ist. Dies entlastet das Stromnetz in Spitzenzeiten und fördert die Nutzung von Strom, der aus erneuerbaren Quellen stammt und oft dann reichlich vorhanden ist, wenn die Nachfrage geringer ist.
«Diese Tarife ermöglichen einen effizienten Betrieb des Netzes und sind wirtschaftlicher und ressourcenschonender», so die Mitteilung des Stadtrats.
Vorteile für Netz und Umwelt
Ein wesentlicher Vorteil dynamischer Tarife liegt in der besseren Auslastung der bestehenden Netzinfrastruktur. Wenn Ladevorgänge über den Tag verteilt werden, können teure Netzausbauten eventuell vermieden oder zumindest verzögert werden. Dies schont nicht nur die Ressourcen, sondern auch die öffentlichen Finanzen.
Zudem kann die Integration von erneuerbaren Energien verbessert werden. Wind- und Solarenergie sind naturgemäss fluktuierend. Flexible Tarife können dazu beitragen, dass überschüssiger Strom aus diesen Quellen effizienter genutzt wird, beispielsweise zum Laden von Elektroautos, wenn viel Wind weht oder die Sonne scheint.
Hintergrund: Die Rolle des EWZ
Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) ist der grösste Energieversorger in der Stadt Zürich und versorgt Hunderttausende Haushalte und Unternehmen mit Strom. Es ist bekannt für seine Innovationsbereitschaft und sein Engagement für nachhaltige Energielösungen. Der Pilotversuch im Bereich Elektromobilität ist ein weiteres Beispiel für diese Ausrichtung.
Pilotversuch: Was wird getestet?
Der Pilotversuch konzentriert sich auf die Frage, ob private Elektroautofahrer ihr Ladeverhalten tatsächlich ändern, wenn sie finanzielle Anreize erhalten. Das EWZ wird Daten sammeln und analysieren, wie sich die flexiblen Tarife auf die Ladezeiten und die Gesamtlast im Netz auswirken.
Es geht darum, praktische Erfahrungen zu sammeln und mögliche Herausforderungen zu identifizieren. Dazu gehören technische Aspekte der Abrechnung, die Kommunikation mit den Kunden und die Akzeptanz der neuen Tarifmodelle in der Bevölkerung. Die Ergebnisse dieses Tests sind entscheidend für die weitere Strategie.
Zukunftsperspektive: Einführung ab 2028
Bei positiven Ergebnissen des Pilotversuchs plant das EWZ, spätestens ab 2028 einen regulären dynamischen Netznutzungstarif einzuführen. Dieser Schritt müsste dann noch vom Gemeinderat genehmigt werden. Die Einführung eines solchen Tarifs wäre ein wichtiger Meilenstein für die Energieversorgung in Zürich und könnte als Modell für andere Schweizer Städte dienen.
Die Umstellung auf dynamische Tarife ist Teil einer breiteren Strategie, um das Energiesystem der Schweiz zukunftsfähig zu machen. Mit einem wachsenden Anteil an Elektromobilität und erneuerbaren Energien ist ein flexibles und intelligentes Stromnetz unerlässlich. Zürich nimmt hier eine Vorreiterrolle ein.
- Bessere Integration erneuerbarer Energien.
- Entlastung der Netzinfrastruktur.
- Potenzielle Kostenersparnisse für Verbraucher.
- Stärkung der Versorgungssicherheit.
Der Pilotversuch in Zürich ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer intelligenteren und nachhaltigeren Energiezukunft. Er wird zeigen, wie Technologie und Anreizsysteme das Verhalten von Konsumenten positiv beeinflussen können, um ein stabileres und effizienteres Stromnetz zu schaffen.





