Die Biberpopulation im Kanton Zürich hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass sich die „Baumeister der Natur“ nicht nur in ihren angestammten Gebieten im Norden wohlfühlen, sondern nun auch den Süden des Kantons und sogar die stark verbauten Ufer des Zürichsees besiedeln.
Wichtige Erkenntnisse
- Über 500 Biber leben im Kanton Zürich.
- Die Population hat sich seit 2008 mehr als verdreifacht.
- Biber sind neu auch im Süden des Kantons und am Zürichsee präsent.
- Die Revierdichte im Norden ist hoch, was zu einer Wanderung in neue Gebiete führt.
Ein Comeback des Bibers im Kanton Zürich
Der Biber, einst in der Schweiz ausgerottet, erlebt im Kanton Zürich ein bemerkenswertes Comeback. Aktuelle Daten des kantonalen «Biber-Monitorings» belegen einen deutlichen Anstieg der Population. Derzeit leben schätzungsweise über 500 Biber in 165 Revieren im gesamten Kantonsgebiet. Diese Entwicklung ist eine Erfolgsgeschichte für den Artenschutz.
Die Zahlen sind eindrücklich: Seit der ersten systematischen Erfassung im Jahr 2008 hat sich der Biberbestand im Kanton Zürich mehr als verdreifacht. Damals waren die Tiere noch eine Seltenheit. Heute prägen sie zunehmend das Bild vieler Gewässerlandschaften.
Fakten zum Biberbestand
- Aktueller Bestand: Über 500 Biber
- Anzahl Reviere: 165
- Wachstum seit 2008: Mehr als Verdreifachung
Vom Norden in den Süden: Neue Siedlungsgebiete
Lange Zeit konzentrierte sich die Biberpopulation vor allem im Norden des Kantons. Gebiete wie das Weinland und entlang des Rheins waren die primären Lebensräume. Dort ist die Revierdichte mittlerweile so hoch, dass es für junge Biber schwierig wird, eigene Territorien zu finden.
Diese Enge führt dazu, dass die Tiere neue Lebensräume erschliessen. Sie wandern in den Süden des Kantons ab, wo sie bisher kaum nachgewiesen wurden. Diese Ausbreitung zeigt die Anpassungsfähigkeit der Tiere und die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen in der Region.
Präsenz entlang von Sihl und Limmat
Eine der auffälligsten Veränderungen ist die neue Präsenz von Bibern entlang der Sihl und der Limmat. Diese Flüsse durchqueren dicht besiedelte Gebiete und zeigen, dass Biber auch in urbaneren Umgebungen geeignete Nischen finden können, solange ausreichend Nahrung und Baumaterial vorhanden sind.
Auch rund um den Pfäffikersee und den Greifensee haben sich neue Biberreviere etabliert. Diese Seen bieten den Nagern vielfältige Uferstrukturen und Zugang zu Weichhölzern, die sie für den Bau ihrer Dämme und Burgen benötigen.
„Der Biber ist ein Indikator für gesunde Gewässer. Seine Rückkehr zeigt, dass unsere Bemühungen im Naturschutz Früchte tragen und die Ökosysteme sich erholen.“
Der Biber erobert den Zürichsee
Besonders überraschend ist die Ansiedlung von Bibern am Zürichsee. Obwohl die Ufer dort oft stark verbaut und dicht besiedelt sind, wurden Biber bei Wollishofen und in Meilen gesichtet. Dies unterstreicht die erstaunliche Anpassungsfähigkeit der Tiere an unterschiedliche Umgebungen.
Offenbar finden die Biber auch in den verbleibenden Schilfgürtelzonen und naturnahen Abschnitten am Zürichsee ausreichend Nahrung und Versteckmöglichkeiten. Sie nutzen diese Bereiche, um ihre Bauten zu errichten und sich zu vermehren. Dies ist ein Beleg dafür, dass auch kleine, geschützte Naturräume in einer dicht besiedelten Region für Wildtiere von grosser Bedeutung sein können.
Hintergrund: Der Biber in der Schweiz
Der Europäische Biber (Castor fiber) war in der Schweiz im 19. Jahrhundert ausgerottet. Durch Wiederansiedlungsprojekte ab den 1950er Jahren konnte er erfolgreich zurückgebracht werden. Er ist ein streng geschütztes Tier und spielt eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von Fluss- und Bachlandschaften, indem er durch seine Bautätigkeit neue Lebensräume für andere Arten schafft.
Herausforderungen und Chancen der Biber-Rückkehr
Die zunehmende Biberpopulation bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich. Einerseits fördern Biber die Biodiversität, indem sie neue Feuchtgebiete schaffen und die Wasserretention in der Landschaft verbessern. Ihre Dämme können auch einen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten.
Andererseits können Biberaktivitäten auch zu Konflikten führen, insbesondere in landwirtschaftlich genutzten Gebieten oder an Infrastrukturen. Das Nagen an Bäumen oder der Bau von Dämmen kann Schäden verursachen, die ein Management erforderlich machen.
Zukünftiges Management
Das kantonale Biber-Monitoring ist entscheidend, um die Entwicklung der Population weiterhin zu verfolgen und potenzielle Konflikte frühzeitig zu erkennen. Ziel ist es, ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Biber zu ermöglichen. Dies erfordert oft Aufklärung, Präventionsmassnahmen und in Einzelfällen auch gezielte Eingriffe, um Schäden zu minimieren.
Die Behörden arbeiten daran, Lösungen zu finden, die sowohl den Schutz des Bibers als auch die Interessen der Bevölkerung berücksichtigen. Der Biber ist ein wichtiger Bestandteil unserer Natur und seine Rückkehr eine Bereicherung für das Ökosystem des Kantons Zürich.





