Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) haben in Zürich den CO₂-Ausstoss der Stadt über drei Jahre hinweg präzise gemessen. Die Ergebnisse bestätigen weitgehend bisherige Berechnungen und liefern wichtige Erkenntnisse für die Klimaschutzstrategien der Stadt und anderer urbaner Zentren weltweit.
Wichtige Erkenntnisse
- Empa-Messungen bestätigen Zürcher CO₂-Inventar weitgehend, korrigieren es leicht nach unten.
- Indirekte Emissionen durch Konsum machen 85 Prozent der Gesamtemissionen aus.
- Drei unterschiedliche Messmethoden zeigten hohe Übereinstimmung.
- Erkenntnisse aus Zürich sind für Städte weltweit relevant, besonders bei der Identifizierung grosser Emittenten.
Zürichs CO₂-Fussabdruck: Direkte Emissionen im Fokus
Die Messung des direkten CO₂-Ausstosses einer Stadt ist komplex. Faktoren wie Heizverhalten, Verkehr und Abfallverbrennung fliessen in traditionelle Berechnungen ein. Doch um die Genauigkeit dieser Daten zu überprüfen, ist die direkte Messung des CO₂-Gehalts in der Luft entscheidend. Die Empa hat genau dies in Zürich getan, indem sie über einen Zeitraum von drei Jahren kontinuierlich Daten sammelte.
Lukas Emmenegger von der Empa erklärt die Herausforderung: «Das CO₂ wird mit dem Wind verfrachtet und verdünnt. Diesen Transport müssen wir mit hoher Qualität modellieren und mit unseren Messungen vergleichen.» Dies erfordert komplexe Modelle, die die Verteilung des CO₂ in der Atmosphäre je nach Windrichtung akkurat abbilden können.
Faktencheck: CO₂-Kreislauf in Städten
Die natürliche Vegetation, wie Bäume und Sträucher, nimmt CO₂ auf. Gleichzeitig atmen Menschen CO₂ aus. In Zürich macht dieser menschliche Anteil etwa zehn Prozent der vom Menschen verursachten CO₂-Emissionen aus. Für eine präzise Bilanz muss dieser natürliche Kreislauf aus den fossilen Emissionen herausgerechnet werden.
Messmethoden liefern konsistente Ergebnisse
Die Empa-Forschenden setzten in Zürich drei voneinander unabhängige Messmethoden ein. Die hohe Übereinstimmung der Ergebnisse überraschte selbst die Experten positiv. «Wir haben drei grundsätzlich unterschiedliche Methoden verwendet und sind froh darüber, dass diese sehr gut übereinstimmen», so Emmenegger.
Diese Konsistenz stärkt das Vertrauen in die Validität der Daten. Die Messungen bestätigten auch das bisherige Emissionsinventar der Stadt Zürich weitgehend, korrigierten es jedoch leicht nach unten. Dies zeigt die Bedeutung von unabhängigen Überprüfungen für die Klimapolitik.
«Es gibt keine erfolgreiche Diät ohne eine Waage.»
Lukas Emmenegger, Empa
Indirekte Emissionen: Der grösste Hebel für Klimaschutz
Obwohl die direkten Emissionen wichtig sind, zeigt die Empa-Studie, dass der Grossteil des Zürcher CO₂-Fussabdrucks aus indirekten Emissionen resultiert. Diese entstehen nicht direkt in der Stadt, sondern durch den Konsum der Stadtbewohner – beispielsweise durch Bautätigkeit, Ernährung und Flugreisen. Sie machen einen überwältigenden Anteil von 85 Prozent der Gesamtemissionen aus.
Diese Erkenntnis ist entscheidend für die Entwicklung effektiver Klimaschutzstrategien. Städte müssen nicht nur ihre direkten Emissionen senken, sondern auch Wege finden, den Konsum ihrer Bürger nachhaltiger zu gestalten. Dies erfordert oft Massnahmen, die über die Stadtgrenzen hinausgehen.
Internationale Vergleiche
Auch in anderen europäischen Städten wie Paris und München wurden ähnliche Messungen durchgeführt. In München führten die Analysen zu unerwarteten Entdeckungen, etwa sehr hohe CO₂-Werte in der Nähe einer Brauerei. Solche spezifischen Erkenntnisse ermöglichen es Städten, gezielte Massnahmen zu ergreifen.
Wichtige Lehren für Städte weltweit
Viele Städte weltweit verfügen noch immer über kein oder nur ein unzureichendes CO₂-Emissionsinventar. Emmenegger betont: «Es gibt sehr viele Quellen, die man nicht kennt oder falsch einschätzt.» Die Zürcher Erfahrungen demonstrieren, wie präzise Messungen unentdeckte oder unterschätzte Emittenten aufdecken können. Industriebetriebe wie die Zement- oder Stahlproduktion, aber auch die Abfallwirtschaft, können sich dabei als grosse Treibhausgasquellen erweisen.
Hier liegt ein grosses Potenzial für den Klimaschutz. Indem Städte genau wissen, wo ihre grössten Emissionen entstehen, können sie gezieltere und effektivere Massnahmen ergreifen. Die in Zürich gesammelten mehrjährigen Messerfahrungen und die entwickelten Methoden sind daher für viele weitere Städte in Europa, Afrika und Asien von grossem Interesse und können dort zur Anwendung kommen.
Präzise Daten als Grundlage
Die Analysen der Empa unterstreichen die Notwendigkeit präziser Daten für eine erfolgreiche Klimapolitik. Ohne eine genaue Kenntnis der Emissionen ist es schwierig, effektive Reduktionsziele zu setzen und deren Erfolg zu überprüfen. Das Zürcher Projekt dient als Modell dafür, wie Städte wissenschaftliche Methoden nutzen können, um ihren CO₂-Fussabdruck zu verstehen und zu reduzieren.
Die kontinuierliche Überwachung und Anpassung von Massnahmen auf Basis fundierter Daten ist der Schlüssel zu einer nachhaltigeren urbanen Entwicklung. Die Stadt Zürich ist hier einen wichtigen Schritt vorausgegangen und liefert wertvolle Erkenntnisse für den globalen Kampf gegen den Klimawandel.





